WAVE GOTIK TREFFEN 2012 – WGT Fotos und Bericht
von Kiyhuri
- Datum : 25.-28.05.2012
- Veranstaltungsort : Leipzig, Stadt
- Ticketpreis : Treffen-Karte VVK 81 Euro, Obsorge 25 Euro
- Künstler : A Life Divided (D) - Accessory (D) - Acoustic Revolution (D) - Adorned Brood (D) - Aesthetic Perfection (USA) - Agonoize (D) - Ahráyeph (B) - Ain Soph (I) - Airlectro (D) - Alice Neve Fox (D) - Amduscia (MEX) - Amorphis (FIN) - Argentum Ferrum (D) - Arise-X (D) - Arkona (RUS) - Aska Saito (I) - Aura Noctis (E) - Autodafeh (S) - Autopsia (CZ) - Axel Thielmann (D) - B-Movie (GB) - Bad Sector (I) - Ballett, Chor Und Extrachor Der Musikalischen Komödie Leipzig (D) - Binary Park (GB) - Black Light Ascension (GB) - Blazing Eternity (DK) - Blitzmaschine (D) - Brenda Kramer (D) - Brighter Death Now (S) - Capella Fidicinia (D) - Carmen Dressler (D) - Cent Ans De Solitude (F) - Chor Und Kinderchor Der Oper Leipzig (D) - Christian Von Aster (D) Lesung - Clan Of Xymox (NL) - Claudia Gräf (D) - Coma Divine (A) - Combichrist (N) - Controlled Collapse (PL) - Corde Oblique (I) - Coronatus (D) - Cosima Streich (D) - Cut Hands (GB) - Cylix (GR) - Dark Drive Clinic (GB) exklusives Europa-Konzert - Dark Fortress (D) - Dark Shadows (AUS) - Darkestrah (D) - Dead Voices On Air (GB) - Dernière Volonté (F) - Diary Of Dreams (D) - Die Kammer (D) Weltpremiere - Dogma (ARM) - Donner & Doria (D) - Dope Stars Inc. (I) - Douglas J McCarthy (GB) Weltpremiere - Download (USA) - Dr. Geek And The Freakshow (D) - Dreadful Shadows (D) - Dreams Divide (GB) - Ebenbild (D) - Eden Weint Im Grab (D) - Eisbrecher (D) - Eisenfunk (D) - Eklipse (D) - Element (USA) - Elias Friedrich Projahn (D) - Empusae (B) - Erik Schober (D) - Escalator (H) - Euzen (DK) - Evi Vine (GB) - Ex.Order (D) - Final Selection (D) - Finntroll (FIN) - Fliehende Stürme (D) - Florian Schnurpfeil (D) - Freakangel (EST) - Frozen Plasma (D) - Funker Vogt (D) - Gabriel Ziemer (D) - Galerie Schallschutz (D) - Galskap (D) - Genetiks (D) - Gewandhausorchester Leipzig (D) - Global Citizen (GB) - Gnomonclast (USA) - Grendel (NL) - Gunthard Stephan (D) - Hammelhorn (D) - Harpyie (D) - Haujobb (D) - Hekate (D) 20jähriges Jubiläum mit Überraschungsgästen - Henke (D) - Holy Madness (D) - Howard Arman (GB) - iLiKETRAiNS (GB) - Illuminate (D) - In Gowan Ring (USA) - In Slaughter Natives (S) - Irfan (BG) - Jamey Rottencorpse And The Rising Dead (D) - Jännerwein (A) - Jelena Eskin (D) - Johann Strauss Orchester Leipzig (D) - Jordan Reyne (NZ) - Katrin Bräunlich (D) - Klutae (DK) - Koboldix (D) - La Moresca (D) - Lacuna Coil (I) - Lambda (D) - Larva (E) - Las Fuegas (D) - Legion (GB) - Les Jumeaux Discordants (I) - Les Yeux Sans Visage (CH) - Lola Angst : Dark Kasperletheater (D) - Los Dilettantos (D) - Love Is Colder Than Death (D) - Luftwaffe (USA) - Mad Sin (D) 25-jähriges Jubiläum - Mark Benecke (D) - Markus Förster Und Sara Noxx (D) Lesung - Markus Heitz (D) Lesung - Massiv In Mensch (D) - MDR-Rundfunkchor (D) - Melotron (D) - Mesh (GB) - Meystersinger (D) - Midgards Boten (D) - Mignon (D) - Minamata (F) - Mono Inc. (D) Wunschkonzert - Montserrat Caballé (E) - Mueran Humanos (RA) - Musk Ox (CDN) - Myk Jung (D) Lesung - Nachtblut (D) - Nachtmahr (A) - Nachtwindheim (D) - Näo (F) - NEO (D) - Nico Treutler (D) - Norman Liebold (D) Lesung - Odroerir (D) - Of The Wand And The Moon (DK) - Omdulö (D) - Oniric (I) - Opera Multi Steel (F) - Ophelia Feltz (D) - Orchester Der Musikalischen Komödie Leipzig (D) - Ordo Equitum Solis (I) - Ordo Rosarius Equilibrio (S) - Peter Heppner (D) - Portion Control (GB) - Press Gang Metropol (vormals Corpus Delicti) (F) - Project Pitchfork (D) - Projekt Mensch (D) Weltpremiere - Qntal (D) - Red Lorry Yellow Lorry (GB) - Reliquiae (D) - Rhombus (GB) - Romina Salvadori (I) - Rummelsnuff (D) - Ruth Schütt (D) - S.K.E.T. (D) - Scandy (N) - Schöngeist (D) - Schwarzer Engel (D) - Secret Discovery (D) - Secrets Of The Moon (D) - Sigue Sigue Sputnik (GB) - Sinfonietta Leipzig (D) - Sixth June (SRB) - Solblot (S) - Sonar (B) - Spiral 69 (I) - Stahlmann (D) - Steinkind (D) - Steven Severin (GB) präsentiert Carl Theodor Dreyers "Vampyr" - Subheim (GR) - Synapscape (D) - Tanguero (D) - Tanzwut (D) - Tatjana Podyomova (RUS) - Týr (FR) - Terrolokaust (E) - The Arch (B) - The Creepshow (CDN) - The Crimson Ghosts (D) - The Danse Society (GB) erstes Konzert seit der Neuformierung - The Eden House (GB) - The Exploding Boy (S) - The Fright (D) - The Hellfreaks (H) - The House Of Usher (D) - The Invincible Spirit (D) - The Names (B) - The Wars (D) - Thomas Sabottka (I) Lesung - Thorofon (D) - Thorsten Müller (D) - Thrudvangar (D) - Tibetréa (D) - Tilo Augsten (D) - Tobias Rank (D) - Todtgelichter (D) - Torul (SLO) - Toxic-N-Blue (D) - Trakktor (S) - Traumtaenzer (D) - Trobar De Morte (E) - Tzolk'in (B/F) - Uberbyte (GB) - Unto Ashes (USA) - Velvet Condom (D) - Vendemmian (GB) - Vocalensemble Borinzi (D) - Vurgart (D) - Wardruna (N) - Wieloryb (PL) - Zackenflanke (D) - Zamira Kumarzhanova (KZ) - [X]-RX (D)

WAVE GOTIK TREFFEN 2012 – WGT Fotos und Bericht (© )
20.000. 209. 41. – Diese Eckdaten des 21. Wave Gotik Treffens, die sich auf Besucher, mitwirkende Künstler und Lokalitäten beziehen, mögen zwar imposant klingen, reichen jedoch bei Weitem nicht an dieses eine, einzigartige Gefühl, welches die ganze Atmosphäre der Veranstaltung bei seinen Gästen hinterlässt.
Das WGT 2012 muss für den wahren Fan nobler Blässe ein echtes Grauen gewesen sein: Bei strahlendem Sonnenschein konnten die Mitglieder der schwarzen Szene an vier Tagen ihre alljährliche Pfingst-Zusammenkunft zelebrieren, gepflegte Unterhaltungen führen, Konzerte genießen und sich einem umfangreichen Rahmenprogramm widmen. Einer ausführlichen Pigmentierung war bei dem wunderschönen Wetter und der größtenteils im Freien verbrachten Zeit allerdings kaum zu entgehen. Dass das WGT seit Jahren auch internationale Gäste anlockt, war bereits zum Auftakt deutlich zu spüren. In beinahe allen Tram-Linien trafen Spanisch, Französisch, Englisch und viele weitere Sprachen in einem wilden Durcheinander zusammen – ein immer wieder spannend zu beobachtendes Ereignis.
WGT Besucher
WGT 2012 Besucher und Impressionen
Gerade daran zeigt sich auch, dass das dieses Event eben nicht die Bezeichnung “Festival” im Namen trägt, sondern sein Anliegen als “Treffen” hervorhebt. Neben den musikalischen Events, bei denen es insbesondere kleinere, weniger bekannte Bands zu entdecken gilt, steht Leipzig während der Pfingsttage tatsächlich vor allem für das Zusammentreffen der Szene, ob beim Viktorianischen Picknick, einem Steampunk- oder auch einem der zahlreichen Forentreffen. Davon abgesehen wurden Lesungen der Autoren Christian von Aster, Thomas Sabottka und Markus Heitz, Kinofilme ebenso wie orchestrale Darbietungen, unter anderem in Kirchen, Theater- und Varieté-Veranstaltungen sowie zahlreiche Austellungen geboten. In diesem Jahr ermöglichte beispielsweise die Außenstelle der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen unter dem Motto “Als der Südfriedhof mein Wohnzimmer war” Einblicke in die Gothic-Szene der DDR, das Ägyptische Museum lud zur Dauerausstellung und das Grassi-Museum lockte mit verschiedenen Ausstellungen und Vorträgen zu Kleidung, Parfum, Korea, Jenseitsvorstellungen und Musikinstrumenten. Auf dem Südfriedhof standen den WGT-Besuchern erneut die Trauerhallen zur Besichtigung offen. Wie im Vorjahr wurden auch ein Vampir-Rollenspiel und der “Stricknachmittag für Schwarzromantiker” angeboten – offenbar erfreute sich letzterer trotz einiger spöttischer Kommentare großer Beliebtheit, wenn er es erneut aufs Programm geschafft hat.
Darüber hinaus konnten sich die Gäste des WGT beim Gabelfrühstück mit musikalischer Untermalung im Ring-Café, in den verschiedenen Absintherien oder auch auf den Mittelaltermärkten die Zeit vertreiben. Feste Instanzen des Wave Gotik Treffens sind außerdem die Visual-Kei- und die “When We Were Young”-Party, der Dunkelromantische sowie der Göttertanz und auch die Fetisch-Party “Obsession Bizarr”. Durch den Auftritt der weltbekannten Opernsängerin Montserrat Caballé ließ sich in diesem Jahr sogar die FAZ zu einigen Zeilen über das Wave Gotik Treffen herab.
Tanzwut
Tanzwut in der Agra.
Stahlmann
Stahlmann in der Agra.
Clan Of Xymox
Clan Of Xymox in der Agra.
Project Pitchfork
Project Pitchfork in der Agra.
Eisbrecher
Eisbrecher in der Agra.
Am frühen Freitagmorgen waren die Leipziger Straßen noch weitestgehend leer. Vereinzelt konnte man einige Gleichgesinnte in einem der zahlreichen Parks sichten. Selbst der klischeegeprägte Agra-Laufsteg war noch nicht besonderes frequentiert. Spätestens aber zum Viktorianischen Picknick, zu welchem die Organisatorin und Szene-Fotografin Viona Ielegems auch in diesem Jahr im Clara-Zetkin-Park lud, trafen unzählige Reifröcke, Schwarzromantiker, historisch Ambitionierte und auch Steampunker aufeinander. Bereits vor dem offziellen Veranstaltungsbeginn füllte sich die Wiese am See beträchtlich. Zu diesem Zeitpunkt glich das Event immerhin tatsächlich einem gemütlichen Picknick, bei welchem man sich angeregt austauschen und in netter Atmosphäre kleine Snacks genießen und auf die Zusammenkunft anstoßen konnte. Zum offiziellen Beginn allerdings konnte man sich vor bunten Eindrücken, unzähligen Teilnehmern und vor allem einer großen Menge Schaulustiger sowie überwiegend taktloser und unfreundlicher Fotografenkollegen kaum noch retten. Diese Begebenheit lässt den schönen Gedanken des Picknicks leider in jährlich steigendem Maße in den Hintergrund rücken und trübt die wunderbar ungezwungene Atmosphäre, die noch zu Zeiten der ersten beiden Picknicks vorherrschte. Die Rettung kam mir daher in Form von Arbeit entgegen, zu der ich aus dem sonnigen Grün in die schattige Agra-Halle wechselte. Zu meiner Überraschung stand bei meiner Ankunft TANZWUT auf der Bühne. Nach Auftritten von STAHLMANN und CLAN OF XYMOX wurde auch schon PROJECT PITCHFORK angekündigt. Mit der noch aktuellen Platte “Quantum Mechanics” und neuem Bühnenkonzept im Gepäck machte es zwar wie immer Spaß, Peter Spilles beim Herumtigern auf der Bühne zuzusehen, doch irgendwie schien er ein wenig an Energie und Intensität eingebüßt zu haben. Den Tagesabschluss bildete die Performance von EISBRECHER, die ebenfalls neues Material mitbrachten. Die Halle war voll, die Stimmung gut, Publikum und Band in ihrem Enthusiasmus gut aufeinander abgestimmt. Nach einem Tag Agra fällt das Fazit bezüglich des Sounds allerdings negativ aus. Teilweise kam einfach nur Matsch an, auch wenn man sich in der Halle bewegte. Noch dazu war es unglaublich laut, sodass sich die Ohropax nicht nur im Fotograben als überaus nützlich erwiesen, sondern auch am Mischpult gegenüber der Bühne. Dass es sich nicht nur um einen subjektiven Eindruck handelt, zeigten auch übereinstimmende Kommentare in den folgenden Tagen von Seiten anderer Besucher.
Dope Stars Inc
Dope Stars Inc auf der Parkbühne.
Aesthetic Perfection
Aesthetic Perfection in der Agra.
Funker Vogt
Funker Vogt in der Agra.
Combichrist
Combichrist in der Agra.
Der Samstag begann für mich sehr früh mit einigen privaten Fotoshootings. Da allerdings auch diese Zusammenkünfte viele nette Gespräche und einen ungezwungenen Austausch mit sich brachten, begann der Tag vollends im Zeichen des ‘schwarzen’ Zusammentreffens.
Eine erste Station bildete das Natron und Soda Community Treffen im Schillerpark, ein Forentreffen, bei dem der Grundgedanke der anfänglichen Wave Gotik Treffen – das eigenhändige Gestalten, Entwerfen und Umsetzen der Outfits – noch aktuell ist. Auch hier konnte man beim gemütlichen Picknick großartige Kreationen betrachten, die mit viel Liebe zum Detail und großem Aufwand angefertigt wurden. Gleiches lässt sich über das direkt daneben stattfindende Steampunk-Picknick urteilen. Generell ist es schade, dass viele Outfits nicht mehr selbst entworfen werden, sondern größtenteils aus dem kommerziellen Angebot zusammengewürfelt werden (können). Geht man durch die Verkaufshallen der Agra, bietet beinahe jeder vertretene Shop die gleichen Teile an. Der neueste Trend der Kommerzialisierung ist die eben erwähnte Sparte Steampunk: Zahlreiche Hütchen, Haaraccessoires, Schmuck und andere Sachen in Messing- und Brauntönen thronten fix und fertig in den Regalen. Nicht, dass dies Kritik gegen die Schöpfer bzw. Verkäufer sein soll, doch viele dieser Teile sind mit ein wenig Geschick schnell selbst produziert und erweitern durch ihre Individualität auch die Bandbreite der Outfits. Als genrelles Resümee des Wave Gotik Treffens lässt sich festhalten, dass der Trend zurück zum schlichten Schwarz zu gehen scheint. Zwar gibt es gerade an der Moritzbastei und auf der Agra noch das berüchtigte Schaulaufen einiger Gäste, welches der medienwirksamen Inszenierung des WGT entgegenkommt, doch abgesehen von einem Anstieg steampunk-thematisierter Kleidung scheinen die Besucher geradezu zum (meiner Meinung nach positiven) Understatement zurückzukehren. Nackte Haut, Uniformen und vor allem bunte Cyber-Outfits scheinen definitiv rückläufig zu sein. Um noch ein wenig die Sonne auszukosten, führte mein Weg zunächst zur Parkbühne, um dem Auftritt von DOPE STARS INC. beizuwohnen. Energiegeladen und kraftvoll fasst die Perfomance sicherlich ganz gut zusammen. Im Anschluss traf dann auch mich die Marter der Entscheidungsfindung: Bleibe ich bis zum Auftritt der DREADFUL SHADOWS oder zieht es mich wieder zur Agra, wo ein Auftritt der Band AESTHETIC PERFECTION lockte…? Meine Neugier war schließlich größer und das fotografische Interesse vollends befriedigt. Nicht nur die Selbstinzenierung von Sänger Daniel Graves spielte mir in die Karten, sondern es machte auch unheimlich viel Spaß zu sehen, wie Schlagzeuger Tim Van Horn auf sein Drumset eindreschte und dabei durch Effekte wie kleine Drehungen wie eine vollautomatisierte Maschine zur eingängigen Musik wirkte. Fazit: Hat sich gelohnt und war eines meiner persönlichen Highlights des WGT! Weiter gings mit FUNKER VOGT und COMBICHRIST, zwischen denen es beim ersten Bubble Tea meines Lebens (eine lustige Erfindung, die die Welt eigentlich nicht braucht) und angeregtem Gespräch mit Freunden auf Streifzug durch die wenig spektakulären Verkaufshallen ging.
Mark Benecke
Mark Benecke im Centraltheater.
A Live Divided
A Live Divided in der Agra.
The House Of Usher
The House Of Usher in der Agra.
Mono Inc
Mono Inc in der Agra.
Diary Of Dreams
Diary Of Dreams in der Agra.
Der Sonntag führte mich zunächst zu weiteren privaten Fotoshootings auf den schönen Südfriedhof. Dass das Krematorium als Ausgangspunkt denkbar ungünstig gewählt war, spürten wir ziemlich bald an der unverschämt großen und vor allem dreisten Fotografen-Schar, die sich ungefragt an uns hängte. In der Hoffnung, die unfreundlichen ‘Kollegen’ schnell loszuwerden, zogen wir weiter über das Gelände – und waren ein wenig schockiert, als uns ein Großteil der Menge schlichtweg verfolgte. Ein solches Verhalten ist schon auf den Flaniermeilen des Wave Gotik Treffens unverständlich und aufdringlich, wenn auch ein wenig nachvollziehbar. Sich jedoch als Rattenschwanz an ein privates Fotoshooting anzuhängen, grenzt ans Bodenlose und setzt der Situation auf dem WGT echt die Krone auf. Nach diesem Erlebnis (welches gleich bei zwei Terminen hintereinander auftrat!) war ich anschließend froh, in der Leipziger Innenstadt angekommen zu sein, etwas Essbares aufzutreiben und mich mit viel Optimismus für den Vortrag von MARK BENECKE anzustellen. Mit etwas Glück befand ich mich kurze Zeit später tatsächlich im imposanten Saal des Centraltheaters, in dem der Herr der Maden bereits fleißig den DJ gab. Der Vortrag war wirklich interessant, die Begeisterung BENECKEs für seine Arbeit spannend zu verfolgen und außerdem mit viel Humor verbunden. Im Anschluss ging es wieder in die Agra-Halle, wo sich die Band A LIVE DIVIDED um EISBRECHER-Gitarrist Jürgen Plangger die Ehre gab. Den überzeugenden Auftritt seines Bandkollegen ließ sich auch EISBRECHER-Sänger Alexx nicht entgehen. Nach THE HOUSE OF USHER und MONO INC. folgte für mich das Tageshighlight: DIARY OF DREAMS! Da ich am Tag zuvor allerdings fast nicht mehr in meiner Unterkunft angekommen wäre, da die restlichen Tram-Verbindungen Leipzigs keine Rücksicht auf das WGT nahmen, konnte ich das Konzert nur teilweise mitnehmen und verpasste auch PETER HEPPNER, der das diesjährige “Mitternachtsspecial” darstellte.
Les Yeux Sans Visage
Les Yeux Sans Visage auf der Parkbühne.
Spiral 69
Spiral 69 auf der Parkbühne.
Amduscia
Amduscia in der Agra.
Douglas J McCarthy
Douglas J McCarthy in der Agra.
Agonoize
Agonoize in der Agra.
Zackenflanke
Zackenflanke im Heidnischen Dorf.
Der Montag wurde für mich konzerttechnisch durch LES YEUX SANS VISAGE auf der Parkbühne eröffnet. Zwar war die Musik nicht schlecht, die Musiker standen jedoch etwas unmotiviert (oder vielleicht durch die Sonne phlegmatisiert?) in der Gegend herum. Deutlich lebhafter wurde es im Anschluss bei SPIRAL 69, die zunächst mit Sonnenbrillen bewaffnet die Bühne enterten. Nach einem spontanen Abstecher ins Heidnische Dorf, welches in den vorherigen drei Tagen Erzählungen zufolge aus allen Nähten platzte, obwohl es in diesem Jahr flächenmäßig erweitert wurde, ging es zum letzten Mal auf die Agra. Dort sprang ich spontan in den Fotograben, um den Auftritt von AMDUSCIA mitzunehmen und beobachtete danach bei einem Eis das Treiben auf der ‘Flaniermeile’. Nach dem ersten Liveauftritt des NITZER EBB-Sänger DOUGLAS J. McCARTHY endete das 21. Wave Gotik Treffen für mich mit einer Ladung Kunstblut beim Auftritt von AGONOIZE, der mir auf dem etwas hektischen Antritt der Heimreise einige verwirrte Blicke mitreisender Zuggäste einbrachte.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Kartenpreis bei 81 Euro gehalten, für ein Obsorge-Ticket fielen nochmal weitere 25 Euro an. Wie immer gab es seitens der Besucher neben einigem Lob auch klagende Worte darüber, dass die Entscheidung zugunsten einer Örtlichkeit durch einige Überschneidungen der Veranstaltungen schwerfiel – das ist jedoch ein Aspekt, der eher in die individuelle Kategorie einer “Qual der Wahl” einzuordnen ist und nicht in der Verantwortung der Veranstalter liegt. Die Organisation des WGT verlief weitestgehend reibungslos, auch wenn die Informationspolitik nicht ganz ausgereift war und überraschenderweise Bands spielten, mit denen man nicht gerechnet hat. Die Leipziger Verkehrsbetriebe schickten ebenfalls wieder die schwarze Sonderlinie 31 vom Hauptbahnhof zum Agra-Gelände auf den Weg. Die Tram war zwar bei jeder Fahrt verhältnismäßig voll, aber nicht in ausuferndem Maße. Wenn man Glück hatte, konnte man sich sogar einen Platz ergattern. Dennoch ist es nach wie vor sehr schwierig, zeitnah vom Agra-Gelände zu anderen Veranstaltungsorten wie der Kuppelhalle oder dem Kohlrabizirkus, der in diesem Jahr wieder statt der Alten Messe einbezogen wurde, zu gelangen. Eine direkte Verbindung von Agra-Gelände zum Heidnischen Dorf wäre für die normalen Treffen-Besucher ebenfalls wünschenswert, da der Bogen auf dem Weg zwischen beiden Locations nervig und zeitraubend ist.
Alles in allem war das 21. Wave Gotik Treffen wieder eine schöne Gelegenheit, um sich bei entspannter Atmosphäre mit Gleichgesinnten auszutauschen, vom Alltag abzuschalten und neue Bekanntschaften zu schließen – sei es auch nur bandtechnisch.











Autor
"Fotografieren ist wie schreiben mit Licht, wie musizieren mit Farbtönen, wie malen mit Zeit und sehen mit Liebe." (Almut Adler) ...und immer passend für den Graben: "Fotografieren ist wie Bogenschießen. Richtig zielen, schnell schießen, abhauen." (Henri Cartier-Bresson)