V.A. – Vampire. Das Große Lesebuch
von blackrose
- Verlag : Fischer Verlag
- Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
- Format : Buch
- Veröffentlichung : 13.01.2012
- Autor : Tilman Spreckelsen (Hrsg.)
- Seitenzahl : 252
- ISBN oder ISSN : 978-3-596-90376-4
- Sprache : Deutsch

V.A. – Vampire. Das Große Lesebuch (© Fischer Verlag)
Schon immer hingen Menschen dem Glauben an den Mythos des Wiedergängers an.
Kulturhistorisch beleuchtete dieses Phänomen unlängst Wolfgang Schwerdt in seiner Abhandlung “Vampire, Wiedergänger Und Untote. Auf Der Spur Der Lebenden Toten”.
Dass auch die Literatur von den heute weitläufig Vampir genannten Untoten nicht verschont blieb, beweist insbesondere der englische Schriftsteller und Leibarzt Lord Byrons, John William Polidori.
Dieser erschuf mit seiner Veröffentlichung “Der Vampyr” (Original: “The Vampyre”) nämlich nicht nur die erste Vampirerzählung seiner Zeit, sondern zugleich den Urtyp eines Vampirs, der insbesondere in den Werken von Anne Rice Eingang gefunden hat, aber auch heute noch die (Vampir)literatur prägt und inspiriert.
Eine Anthologie der besonderen Art brachte Anfang des Jahres Tilman Spreckelsen beim Fischer Verlag unter dem Titel “Vampire. Das große Lesebuch” heraus.
Diese vereint – gegliedert in zwei Abschnitte – sowohl die sachliche, kulturgeschichtliche Betrachtung des Vampirs als auch unterschiedliche Klassiker der Weltliteratur zum Thema.
Bereits der Klappentext
(“Knoblauch oder Kruzifix, Weihwasser oder Sonnenlicht: Jeder weiß, wie sich Vampire vertreiben lassen. Doch wenn dies nicht gelingt …
In der Literatur treiben die blutsaugenden Untoten seit Jahrhunderten ihr Unwesen. Und nicht nur die unheimliche Lust an Grusel und Gänsehaut, sondern auch naturwissenschaftlicher und detektivischer Spürsinn werden geweckt.
Die hier versammelten Geschichten ziehen uns in ihren Bann, erregen wohliges Unbehagen und düsteren Schauer.”)
verdeutlicht dies und verheißt dem Leser eine Begegnung mit Literaturgrößen wie E.T.A. Hoffmann, Bram Stoker, Arthur Conan Doyle oder ‘Vamp-Lit’-Begründer Polidori höchstselbst, die allesamt einen ganz eigenen Umgang mit dem Vampirmotiv aufweisen.
So tummeln sich auf insgesamt 252 Seite unterschiedliche Vorstellungen eines Vampirs, die auf facettenreiche Art Eingang ins Werk gefunden haben und in der Zwischenzeit als Klassiker bezeichnet werden können.
Dabei variieren sowohl sprachlich-stilistische Ausdrucksweisen als auch die Längen der meist als Erzählung verfassten Stücke.
Abwechslung ist garantiert!
Zunächst eröffnet also der Teil namens “‘Die Vampyrn leben’ – Dem Phänomen auf der Spur” mit sechs Texten auf sachliche, historische Weise das Werk.
Ein nettes Extra, was Interessierten einen äußerst kurzen, ausschnitthaften Abriss über damalige Vorstellungen und Entwicklungen des Vampirglaubens liefert, sich jedoch – rein subjektiv betrachtet – angesichts der diesbezüglichen zahlreichen Fachliteratur erübrigt.
Vielmehr hätte man diese Seiten zusätzlich mit Werken der klassischen Literatur füllen und somit eine weitaus gelungenere Darstellung der Wandlung des Vampirmotivs bieten können.
Nichtsdestotrotz liefern die anschließenden Ergüsse unter folgendem Kapitel “‘Ach, und saugt von meinem Blute’ – Der literarische Vampyr” eine kurzweilige Lektüre für all jene, die sich nicht länger auf die moderne Literatur beschränken möchten, die seit Stephenie Meyers “Twilight”-Saga einen regelrechten Hype erfährt.
Der damalige O-Ton, eine regelrechte Sprachpoesie, die wohl nicht jedem gefallen dürfte, für einige jenseits des Sprachverfalls jedoch immer noch einen großen Reiz ausübt, ist dabei nicht nur in E.T.A. Hoffmanns “Cyprians Erzählung” (aus: “Die Serapionsbrüder”) herauszulesen. Gerade in den (rar gesäten) abgedruckten Gedichten (z.B. Goethes “Braut von Korinth”) kann sich der Leser verlieren.
Darüber hinaus findet man ebenfalls inhaltlich einen bunten Mix an schriftstellerischer Vielfalt vor. So finden sich übertragene Interpretationen des Vampirmotivs beispielsweise in der politischen Erzählung “Vampir Ltd.” von Josef Nesvadbra, kriminalliterarische Aufarbeitungen in dem von Sir Arthur Conan Doyle erschaffenen bekannten Sherlock Holmes-Fall “Der Vampir von Sussex” oder die mit dem Vampir in Verbindung gebrachte erotische Komponente, wie sie in “Die liebende Tote” von Théophile Gautier zu entdecken ist.
Diverse Vorlieben der Leser werden abgedeckt, zugleich treffen diese aber, wie bei Anthologien oft der Fall, nicht jedermanns Geschmack. Hier gilt es abzuwägen, was einem selbst wichtig ist.
Wer auf poetischen Sprachschatz und Kulturgüter steht, der sollte jedoch umgehend zugreifen, was die Bewertung von insgesamt sehr guten 8,5 Punkten sicherlich widerspiegelt.

(© Bram Stoker (1906) / Wikimedia Commons)










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