TO/DIE/FOR – Samsara

von blackrose

  • Verlag : Massacre Records
  • Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 27.07.2012
  • Spielzeit : 51:49 min
  • Inhalt : erhältlich als limited Digipak mit Bonustracks und als special price Jewel Case-CD
TO/DIE/FOR - Samsara

TO/DIE/FOR – Samsara (© Massacre Records)

Nach jahrelanger Abstinenz melden sich die Finnen To/Die/For mit einem neuen und inzwischen sechsten Album namens “Samsara” zurück.
Sieht man vom Best-of Silberling “Epilogue From The Past” (2010) einmal ab, sind nun also schon wieder sechs Jahre vergangen, dass ihr letztes Album “Wounds Wide Open” die Hörer mit sogenanntem ‘Melancholy Gothic Rock’ beglückt hat.
Nun legt man endlich nach und vereint insgesamt zehn Titel mit einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten auf dem Silberling, der die durch Besetzungswechsel und Reunion geprägte Bandgeschichte weiter schreiben soll.

Lagen zunächst noch Vergleiche mit Landsmannen H.I.M. oder The Rasmus nahe, die den Gothic Rock international etablierten, so dürften derartige Vergleiche für “Samsara” nicht mehr stimmig wirken.
Vielmehr erinnert der Sound und Stil des finnischen Sextetts eher an ältere Sentenced und Amorphis, pendelt sich also in den härteren Klanglagern ein, wofür sowohl der räudige, dennoch melodische Gesang als auch das harte Riffing und die meist treibenden Drums sorgen.

Der Gesang wird von Jape Perätalo rau, rotzig, erdig und mit kratzenden, heiseren Vocals inszeniert, dessen Tiefe mit Lemmy Kilmister oder Lordi-Sänger Tomi ‘Mr. Lordi’ Putaansuu gleichgestellt werden kann.

Über allem schwebt eine melancholische Note, die so typisch für finnische Bands ist und die Tristesse und Düsternis des Landes widerspiegelt. Dadurch haucht man dem Album eine dichte, dunkle, geheimnisvolle Atmosphäre ein, die unter anderem durch die gelungene Produktion zum Ausdruck kommt und sich über den Hörer legt.

Währenddessen vernachlässigt man ebenfalls die melodische Seite der Tracks nicht.
Obschon die zehn vorzufindenden Titel sehr abwechslungsreich gestaltet sind, beherbergen sie oftmals eine fassbare Melodie, die sich umgehend beim Hörer festsetzten kann.
Von Ohrwürmern kann dabei die Rede sein, teils findet man jedoch zudem Songs, welche mehrere Durchläufe benötigen und einige spannende Momente parat halten, die es erst zu entdecken gilt.

Zu letzteren Nummern gehören beispielsweise ein “Folie À Deux”, ein “Love’s A Sickness”, ein “Oblivion:Vision” oder ein “Someday Somewhere Somehow”.
“Folie À Deux”, der längste Song des Albums, packt zunächst die Blues-Gitarren aus, die mit hellen Tönen den Track einleiten. Dieser bleibt über die Länge von 7:11 Minuten balladesk, wenngleich die Gesangsstimme an Rauheit zunimmt. Im Refrain unterstützen dichte Chöre “Folie À Deux”; eine Entwicklung zum Bombast ist dadurch nicht von der Hand zu weisen. Gerne dürfte “Folie À Deux”, der mit einem Gitarrensolo durchsetzt ist, noch länger andauern.
“Love’s A Sickness” birgt hingegen einen ausgedehnten Instrumentalteil, der – würden die verzerrten Gitarren den Hörer nicht auf den Boden der Tatsachen zurückholen – ab und an gar experimentell wirkt.

Greifbarer gestaltet sich hingegen der Opener “Kissing The Flames”, der vielversprechend und eingängig losrockt.
Umgehend erkennt man, dass  To/Die/For hier am Werkeln sind, was selbst nach Jahren für einen hohen Wiedererkennungswert spricht.

Schleppender, tragender und alles in allem mehr am Doom Metal orientiert kriecht “Damned Rapture” mit dunklen Synthies träge aus den Boxen. Das Tempo wird also angezogen, während sich die Backingvocals düster und guttural geben.

Der Akustiktitel “Death Comes In March” folgt im ruhigen Singer-Songwriter-Gewand und reduziert sich auf Gitarren und Gesang. Am ehesten mit dem Klassiker “Hurt” von Johnny Cash vergleichbar, zündet die unerwartete und ungewöhnliche Ballade mit purem Gefühl.

Neben dem erneut flotteren Gothic-Rocker “Hail Of Bullets”, der durch eine Pianomelodie begleitet wird, mittels Synthies fast schon fröhlich wirkt und sich erst ‘gen Refrain an Härte steigert, ist auch eine Covernummer auf “Samsara” zu finden.
Die Interpretation von “Cry For Love” (ursprünglich von Iggy Pop) ist zwar nah am Original, wirkt aber trotzdem wie für To/Die/For gemacht. Der Refrain kommt sogar um einiges dynamischer und aussagekräftiger als in der Ursprungsversion.

Blickt man gerade auf psychedelisch anmutende Stücke wie “Oblivion:Vision” oder ein experimentell erscheinendes “Love’s A Sickness”, liefert “Samsara” nicht immer das, was der Hörer vielleicht erwartet. Nichtsdestotrotz wird es aber gerade durch die Genre durchbrechenden Ausflüge zu keinem Zeitpunkt langweilig. To/Die/For setzen somit nicht auf bewährte Schemata oder gar baukastenartige Lieder, deren Eingängigkeit sie zum Nummer-eins-Hit macht, sondern bringen darüber hinaus eigene Ideen und musikalische Versuche unter, die immer wieder den straighten Lauf des Rundlings durchbrechen.
Dies dürfte nicht jedermanns Geschmack sein, zeugt aber von Innovation und Mut.

Zusammenfassend bleibt eine Wertung von sehr guten 8,5 Punkten für ein Album, das nicht nur aalglatt, sondern auch mal sperrig daherkommt und seine Inspirationen nicht nur einmal im Hard Rock der 70er Jahre, im Doom Metal der 90er und im Gothic Rock des 20. Jahrhunderts gefunden hat. Mutig, ganz anders als erwartet, aber lohnend und handwerklich perfekt umgesetzt!

 

To/Die/For – “Samsara” (Teaser, Pt. I)

(© To/Die/For)

Trackliste

01 Kissing The Flames
02 Damned Rapture
03 Cry For Love
04 Death Comes In March
05 Folie À Deux
06 Hail Of Bullets
07 Love´s A Sickness
08 Raving Hearts
09 Oblivion:Vision
10 Someday Somewhere Somehow
11 Lovesong (Bonustrack)

Autor