THE PRIVATEER – Facing The Tempest
von Don Peperoni
- Verlag : Trollzorn
- Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
- Format : CD
- Veröffentlichung : 20.04.2012
- Spielzeit : 50:02 min

THE PRIVATEER – Facing The Tempest (© Trollzorn)
The Privateer aus Freiburg haben sich dem Folk Metal verschrieben, während der Bandname schon verrät, dass man sich thematisch der Freibeuterei widmet. Und so stechen die Musiker unter der Totenkopfflagge in See.
Mythen der Weltmeere sowie Seemannsgarn werden in einem Mix aus klassischem Heavy, Power und modernem Death Metal gekonnt in Szene gesetzt.
Zwar ist die Thematik in der Musikszene nichts Exotisches mehr, man denke nur an Bands wie Running Wild und Alestorm, dennoch unterscheiden sich die Freiburger von ihren Genregenossen, da The Privateer den Death Metal in ihr Grundgerüst aus Heavy und Power Metal integrieren statt in Richtung Thrash oder Speed Metal zu gehen.
Von den Melodien her bestehen wiederum etliche Parallelen zu der Band Alestorm, denn diesbezüglich driftet man ‘gen Pagan/Folk Metal, sodass man ebenfalls mit Vikingbands wie Korpiklaani und Ensiferum verglichen werden kann.
“Facing The Tempest” ist der Name des Debütlangspielers der Freiburger Seeräuber, nachdem 2010 eine Demoplatte angefertigt wurde, die die Songs “Basilisk” und “Stormlashed” enthielt, welche ebenfalls auf dem hier beschriebenen Silberling vertreten sind.
Unter dem Strich zieht die Mannschaft von The Privateer aber ihr eigenes Ding durch und segelt individuell über die sieben Weltmeere. Um den Hörer in die richtige Grundstimmung zu bringen, eröffnet das Album “Awaking”, welches mit typischen Seegeräuschen beginnt, die nach und nach mit dem Treiben einer Hafenspelunke verschmelzen, bevor erstmals die metallischen Instrumente Einzug halten. Ebenfalls ertönt die Violine, die sich auf dem gesamten Langspieler einer charakteristischen Präsenz erfreut.
“Dawn Of A Sailsman” zeigt, welches Kielwasser die Dame und die vier Herren von The Privateer unter sich haben.
Neben abwechslungsreichen Metalriffs warten die Seebären mit einer beeindruckenden Vocalvielfalt auf, die ausschließlich in der englischen Sprache zum Ausdruck kommt. Zusätzlich zu den clean vorgetragenen Texten finden sich anmutige Choreinlagen sowie etliche Screams des extremeren Metal.
All diese Eigenschaften besitzt auch der Folgesong “Last Journey”, der jedoch keineswegs wie ein Abklatsch seines Vorgängers klingt.
Die vierte Spur ist mit dem Track “Descent To Hades” besetzt. Dieser ertönt besonders episch und hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den Werken von Blind Guardian.
Zudem entspringt der Klargesang hier erstmals aus weiblicher Kehle.
“Blackbeard” ist klischeegetreu am Power Metal orientiert, wird aber mit heftigen Screams gesanglich vom Melodic Death Metal verschärft. Die sauber gesungen Vocals erinnern ein wenig an die des irischen Folk.
“Port Corrad” beginnt seemannstreu mit einem Schifferklavier und es herrscht eine Stimmung vor, die zum Heben des Rumkruges einlädt.
“Basilisk” hingegen besitzt eine gewisse Melancholie, die nicht unerheblich durch das Piano hervorgehoben wird.
Außerdem ist dieser Track langsamer gestaltet und wartet mit Soli auf, die bis in den akustischen Bereich gehen.
Der offizielle Abschluss wird mit “Stormlashed” gemacht. Auch dieser Song besitzt eine wehmütige Grundstimmung und schließt stilistisch an “Basilisk” an.
Inoffiziell folgt aber noch ein neunter Song, “Pirates We Are”, der gut fünf Minuten ohne Geräusche auskommt, dann in einem akustischen Sauflied einige Augenblicke innehält und sehr bizarr durch eine musikalisch unterlegte Szene eines Bud Spencer Films ausklingt.
Freunden der Band Alestorm, aber auch denen, die Bands frönen, welche sich eher mit der nordischen Mythologie beschäftigen, sei das Album “Facing The Tempest” von The Privateer zu empfehlen, da hier ein sehr heißes Debüteisen geschmiedet wurde, das durch Individualität und Abwechslungsreichtum zu überzeugen weiß.
Dass man durch den geheimen Song Nr. 9 von der Gesamtspielzeit der Silberdublone gewiss sechs Minuten abziehen kann, ist als seemännischer Schabernack zu werten und mit Humor zunehmen.
Somit bleibt nur zu sagen: Ahoi, Kapitän!

(© The Privateer)
Trackliste
01 Awakening
02 Dawn Of A Sailsman
03 Last Journey
04 Descent To Hades
05 Blackbeard
06 Port Corrad
07 Basilisk
08 Stormlashed
09 Pirates We Are (nicht auf der Tracklist markiert)










Autor
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das Leben vor dem Tod zu verdammen, wäre demnach auch verkehrt.