SUTCLIFFE JUGEND – Blue Rabbit

von blizzard

  • Verlag : Crucial Blast
  • Bewertung : 7 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 00.03.2012
  • Spielzeit : 69:21 min
SUTCLIFFE JUGEND - Blue Rabbit

SUTCLIFFE JUGEND – Blue Rabbit (© Crucial Blast)

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich ein Werk von Sutcliffe Jugend in den Händen hielt. Umso überraschender ist die Tatsache, dass uns nun auf Crucial Blast bereits ein weiterer Silberling, “Blue Rabbit”, angeboten wird.

Aber was ist das? Sind Sutcliffe Jugend tatsächlich zahm geworden? Oder will man den Konsumenten lediglich in anfänglicher Sicherheit wiegen?
Erwartet man dank bisheriger Erfahrungen ein arg harsches Klangbild, so gibt es hingegen eine ordentliche Salve experimenteller Tonkost. Richtig gelesen, und dabei zeigt sich sogar eine bislang unbekannte Stärke dieser Krachveteranen auf, was sich in stimmig anmutenden Kompositionen äußert.
Wer mir nicht glaubt, darf “The Bad Mannered Prophet” antesten, welches auf Anhieb fruchten kann und etwas Geheimnisvolles birgt, was durch den verhaltenen Spracheinsatz noch untermauert wird. Blind gehört würde ich hier nicht auf Sutcliffe Jugend tippen, denn einer Erzählung gleich geleiten uns die Musiker dabei in eine bizarre Welt, die auf ähnliche Weise übrigens auch entstanden ist.

Nehmen wir zum Beispiel den Opener, bei dem man unter anderem das Kratzen von Knochen gegen die verrosteten Saiten eines Cellos vernimmt – klingt morbide.

Aber es gibt auch Änderungen im Klangbild der Musiker. So ist die manische Artikulierung komplett verschwunden und musikalische Extreme (im gewohnten Sinn) sind nicht mehr gegeben.
Der Gesamteindruck ist vielmehr tatsächlich ruhiger Natur; experimenteller Ambient mit spoken words ist wohl die treffendste Umschreibung. Dabei wird richtige Atmosphäre erschaffen und “Offal” sollte diesbezüglich niemanden enttäuschen.

Diese Umstände als Ganzes zusammengefasst, lassen den Schluss zu, dass sich “Blue Rabbit” hervorragend dazu eignet, nebenbei konsumiert zu werden.
Unaufdringlich, teils hypnotisch und etwas nebulös, geht das Werk auf den Hörer über, weshalb der Silberling die überzeugte Krachfraktion wohl diesmal etwas weniger ansprechen dürfte.

“Blue Rabbit” ist im Grunde genommen ein richtig gutes, experimentelles Album geworden, was aber durch das Einsetzen markanter Spannungsbögen noch besser hätte ausfallen können. Wer also mal eine etwas andere Seite von Sutcliffe Jugend kennenlernen will, der sollte sich ruhig auf die Jagd nach “Blue Rabbit” machen.
Und trotzdem bin ich mir sicher: Der nächste heftige Ausbruch kommt garantiert!

(© Sutcliffe Jugend)

Trackliste

01 Solace
02 Seedless
03 The Bad Mannered Prophet
04 Blue Rabbit
05 Feeding The Mouth That Bites You
06 The Good Child
07 Offal
08 The Death Of Pornography

Autor

Nichts ist verachtenswerter als die Respektlosigkeit gegenüber jeglichen Lebens- Pelzträger gehören an den Pranger!