STEFAN KALBERS – Flecken

von blackrose

  • Verlag : Unsichtbar Verlag
  • Bewertung : 7.5 von 10 Punkte
  • Format : Buch
  • Veröffentlichung : 01.03.2012
  • Autor : Stefan Kalbers
  • Seitenzahl : 160
  • ISBN oder ISSN : 978-3-942920-10-0
  • Sprache : Deutsch
STEFAN KALBERS - Flecken

STEFAN KALBERS – Flecken (© Stefan Kalbers)

“Entschuldigung, haben Sie kurz Zeit?
Wollten nicht auch Sie immer schon mal wissen:
… wie egal es sein kann eine Wandergruppe mit dem ICE zu überfahren?
… warum Psychologen gern kleine Hunde treten?
… wieso man einer Religionsstudentin keine Spermaprobe zugestehen sollte?
Dann ist da noch die Sache mit dem jungen Mann, der einfach nicht aufhört zu wachsen. 
Von dem Affen ganz zu schweigen.”

Diese erahnbare Mischung aus Surrealismus und auf den Punkt gebrachter Gegenwartsliteratur hat noch nicht abgeschreckt?
Dann ist “Flecken”, die neue Kurzgeschichtensammlung des Stuttgarter Autors Stefan Kalbers, vermutlich genau die Lektüre, um das eigene Bücherregal mit einer weiteren Veröffentlichung zu erweitern.

Bereits 2005 machte Kalbers mit dem Erzählband “Staub” auf sich aufmerksam.
Warum ist gerade dies erwähnenswert? Nun, weil einige Geschichten des inzwischen vergriffenen Werkes in überarbeiteter Form erneut in “Flecken” das Licht der Welt erblicken.
Und so tummeln sich insgesamt 24 Kurzgeschichten in dem 160 Seiten umfassenden Werk, das sich im Nu ausliest.

Unweigerlich kommt einem dabei der Autor Dirk Bernemann in den Sinn, der – das Genre betreffend – in ähnlichem Fahrwasser schippert.
Im Vergleich zur besagten Referenz Bernemann gelingt es Kalbers jedoch nicht immer, seine Geschichten pointiert ausklingen zu lassen. Dadurch bleibt der Leser oft genug ratlos und mental unbefriedigt zurück. Nicht nur einmal wirken die Erzählungen somit unvollständig oder ohne ein eigentliches Ende.
Da dies vermehrt auffällt, kann dieses Phänomen jedoch gleichzeitig bereits als Markenzeichen Kalbers gewertet werden, das insbesondere Fans mit eigen-interpretatorischer Neigung gefallen dürfte.

Ebenfalls gelingt die Verbindung der Geschichten untereinander, wie sie teilweise anzufinden ist, nicht immer harmonisch oder vortrefflich. Erneut beweist ein Werk wie “Ich Hab Die Unschuld Kotzen Sehen” dies auf geglücktere Art und Weise.

Es sei aber zudem gesagt, dass sich “Flecken” nicht hinter Bernemann, der nun zur Genüge als Vergleich ausgereizt wurde, und dessen Werken verstecken muss.
Die angenehm kurzen Episoden alltäglicher und surreal-verstörter Verrücktheiten überzeugen doch mit überspitzten Darstellungen, humorvollen Spitzen und Themen, die sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln anregen.
Dabei gibt Kalbers trotz wortgewandter Direktheit zu keinem Zeitpunkt einen mahnenden oder anklagenden Fingerzeig. Vielmehr präsentiert er seine literarischen Ergüsse auf eine gewisse distanzierte Art.

Distanz ist aber auch genau das, was in “Flecken” seitens des Lesers zu viel gegeben ist, denn den meisten Geschichten fehlt es an einem höheren Maß Emotionen, die gleichermaßen beim Leser ausgelöst werden sollten. Zu reglos und unberührt gehen die Erzählungen am Leser teilweise vorbei.

Selbstredend durchbrechen allerdings immer wieder wahre Highlights das Buch.
Diesbezüglich seien das ernüchternde “ICE Of The Living Dead” oder das realistisch-traurige “Adidas” erwähnt.

Kalbers Stärken – so beweisen erfolgreiche Publikationen wie “Atmen: Jemand Muss Atmen” und “Ein Wenig Sterben” – liegen jedoch eindeutig in seinen Romanen, mit denen die vorliegende Kurzgeschichtensammlung nicht auf ganzer Linie mithalten kann.
Nichtsdestotrotz überwiegen die ‘positiven’ Momente, die man als Leser mit “Flecken” hat, sodass an dieser Stelle eine gute Bewertung für eine kurzweilige, aber nachhaltige Unterhaltung angebracht ist.

Autor