SOMEONE’S MISSING – 22 Minutes
von Fauna Flokati
- Verlag : Timezone Records
- Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
- Format : CD
- Veröffentlichung : 27.04.2012
- Spielzeit : 21:49 min

SOMEONE’S MISSING – 22 Minutes (© Timezone Records)
Dazu sind die Dinger doch da, denkt man sich und zückt den beiliegenden Promozettel, um etwas über die zu rezensierende Band, Someone’s Missing, zu erfahren. Blöderweise informiert die Hälfte der ohnehin schon wenigen Zeilen lediglich über Charakteristika des Ruhrgebiets, wo die Musiker anscheinend herkommen. Kann man also annehmen, dass diese Band so langweilig ist, dass es kaum etwas über sie zu sagen gibt?
Legt man ihre neue, mittlerweile dritte CD (so viel steht drin!) “22 Minutes” ein, fangen die fünf Musiker auch schon an, energisch gegen diese Befürchtung anzukämpfen.
Ihre äußerst effektive Waffe ist professioneller, sauber produzierter und eingängiger Alternative Rock, der vom ersten Song das Interesse und die Aufmerksamkeit des Hörers zu erlangen vermag.
Someone’s Missing verwenden eine typische Rock-Besetzung, bestehend aus Lead-und Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug. Angeführt wird die Band von der Sängerin Melanie, deren astreine Rockstimme das Herz der Songs bildet. Sie scheint wie zur Begleitung durch flotte E-Gitarren gemacht zu sein und stellt sich mit ihrem kraftvollen und eigenständigen Klangcharakter über sie. Ihre tiefe Stimmlage ist überdies sehr angenehm und wird auf Dauer nicht anstrengend oder aufdringlich.
Bei der Instrumentierung spielt der Dialog zwischen den beiden Gitarren definitiv die Hauptrolle. Während Bass und Schlagzeug als reine, weitgehend gleichmäßig gespielte Rhythmuslieferanten im Hintergrund gehalten werden und durch keine Besonderheiten auffallen, haben die Gitarren viele verschiedene mal abgehackte, mal überaus runde, gebundene Riffs und melodiöse Motive zu bieten, die Spielweise ist sogar in den einzelnen Songs recht abwechslungsreich und manch ein Stück hält zudem sein eigenes, kleines, zwar unspektakuläres, aber stimmiges Solo bereit.
Besonders schön klingen die übereinander gespielten Gitarren in den Strophen von “Just A Liar”, in denen cleanes Melodiespiel und vorsichtig eingesetzte Riffs eine sehr harmonische Kombination ergeben.
Alle Songs auf “22 Minuten” haben gewöhnliche, klar gegliederte Strukturen. Strophe und Refrain sind entweder durch Bridges oder durch kleine Riffs miteinander verbunden, die sich aufbauend in die stets energischen, spritzigen Refrains überleiten.
Im letzten Drittel folgt dann eine gesangliche und/oder instrumentale Variation, die zum Beispiel durch ein Gitarrensolo umgesetzt wird. Obwohl die Lieder sich alle auf derselben qualitativen Ebene befinden, sticht das besonders schmissige “You Never Told Me” mit seiner kecken Bridge heraus.
Die englischen Texte bewegen sich in genretypischen Bereichen wie Zwischenmenschlichkeit und Gesellschaftskritik.
Diese Aussagen über die gleichmäßige Strukturiertheit könnten sich negativ lesen, sind aber keinesfalls so gemeint. Someone’s Missing spielen gewöhnlichen, altbewährten Alternative-Rock, ja. Aber keineswegs klingt die Band künstlich konstruiert oder farblos, und neben den qualitativ hochwertigen handwerklichen Fähigkeiten ist es etwas anderes, das der Band einen besonderen Charme verleiht, der für ein ordentliches Maß an Wiedererkennungswert sorgt. Es ist nicht ganz auszumachen, was genau dafür verantwortlich ist, aber Someone’s Missing haben einen sehr bodenständigen, selbstbewussten und unaufdringlichen Klang. Es ist keine spezielle Wirkungsabsicht oder Zielgruppenorientierung erkennbar, die Band macht einfach nur Musik, die rockt und cool ist, und so inflationär der Gebrauch dieser beiden Worte auch sein mag, hier treffen sie beide den Sachverhalt genau auf den Punkt: “22 Minutes” enthält sechs emotionale Songs, die es vermögen, den Hörer durchgehend zu packen. Dabei bewegt sich die Band zu keiner Zeit im Balladesken oder klingt übertrieben. Nach welcher rockmusiktypischen Emotion man hier auch gehen möchte: Nicht zu aggressiv, nicht zu depressiv, nicht zu melancholisch, aber eine gute Portion von allem, gemischt mit gesunder Lebens- und Spielfreude. Cooler Alternative-Rock eben.

(© Thorsten Vallender)
Trackliste
01 Here With You
02 You Never Told Me
03 Out Of The Blue
04 Just A Liar
05 Beyond Redemption
06 Blind






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