SHADOWS FALL – Fire From The Sky

von Fauna Flokati

  • Verlag : Spinefarm Records / Universal
  • Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 17.08.2012
  • Spielzeit : 59:00 min
SHADOWS FALL - Fire From The Sky

SHADOWS FALL – Fire From The Sky (© Spinefarm Records)

Shadows Fall ist eine amerikanische Band, die bereits seit 1995 besteht und mit “Fire From The Sky” mittlerweile ihr siebtes Studioalbum vorlegt.
Stilistisch wird die Gruppe häufig in einem Atemzug mit Bands wie In Flames, Slayer oder Killswitch Engage genannt. Auch wenn sich also der Bekanntheitsgrad dieser Band in Deutschland etwas in Grenzen hält, handelt es sich bei Shadows Fall um alte Metal-Hasen, die es offenbar mit Szene übergreifenden Größen aufnehmen können.

Und so klingt die Band auf “Fire From The Sky” auch für Rezensenten-Ohren, denen die Musik von Shadows Fall vorher nicht bekannt war, solide und sicher in dem, was sie tut.

Glaubt man den Aussagen über das Album auf der Bandhomepage, so ist das Ziel der Truppe, möglichst viele Gegensätze innerhalb und zwischen den Songs zu schaffen.

Schon mit dem Opener “The Unknown” gelingt ihnen dieses Vorhaben ziemlich gut. Brachial wird man als Hörer willkommen geheißen. Der Rhythmus erschlägt einen sofort mit einer immensen Schnelligkeit und trägt ein sich mehrmals wiederholendes Gitarrenmotiv, bis es dann bei knapp einer Minute einen Cut gibt und der Song zwar nicht wirklich sein Tempo ändert, aber dennoch quasi noch mal neu ansetzt und komplett neue Motive einbringt.
In der Strophe wird jedoch das Anfangsmotiv wieder aufgenommen, während der Sänger zu einem aggressiven Shouting ansetzt.
Der Refrain hingegen ist recht langsam und getragen, wobei das Rhythmustempo nicht abnimmt. Das Schlagzeug wird jedoch so leise und subtil gehalten, dass man das Gefühl hat, der Song würde ruhiger. Dieses Gefühl ist schnell weg, als der Gitarrist dann mit einem ausgeprägten, abwechslungsreichen Gitarrensolo aufwartet und erneut richtig reinhaut.
Und als es schließlich noch für wenige Sekunden akustisch wird, um darauf abermals in brachiales Metal-Gebretter auszubrechen, wird klar: Erstens verstehen hier Musiker etwas von ihrem Handwerk und zweitens ist es kein leeres Gerede, wenn die Band vom Abwechslungsreichtum ihrer Musik spricht.

Dass dieser Anspruch jedoch noch intensiver erfüllt werden kann, zeigen Shadows Fall erst später, denn der Vorzeigesong, wenn es um Gegensätze geht, ist “Blind Faith”: Ein cleanes, langsames Intro erweckt den Anschein, man habe es hier mit einer Ballade zu tun, aber dieser Eindruck wird nach ziemlich genau 20 Sekunden von einem verzerrten Gitarrenmotiv hinweggefegt, das bald darauf unkontrolliertem Metal-Gedresche weicht, welches jedoch wieder langsamer wird, und erneut einer Sologitarre, die mehrmals das gleiche Motiv spielt, die Songführung überlässt. Sie klingt allmählich aus und nach gut zwei Minuten beginnt das Lied quasi erneut, und zwar diesmal mit einem brachialen Metal-Gewitter und einem Shout, worin dann die ebenso brachialen Strophen münden.
Der Refrain hingegen ist sehr eingängig, wahrscheinlich mit der eingängigste auf dem ganzen Album.
Natürlich fehlt in diesem zweiten Songteil auch ein Gitarrensolo nicht, es ist sogar sehr lang und wechselt einige Male das Tempo sowie den Charakter: Schrille Läufe und Motive wechseln sich ab, dabei wiederholen sich die Motive nicht, sondern werden immer wieder leicht variiert, genau so, dass sich noch ein stimmiger Zusammenhang erkennen lässt, ohne dass es langweilig wird. Schließlich übernimmt tiefes Gitarrengewitter den Song, beruhigt sich und mündet wieder in den Refrain, bevor ein bereits, am Anfang des Songs gespieltes Motiv aus dem Track herausführt. Und das alles in sechseinhalb Minuten.
Dieser Titel ist ein beachtliches Werk, das zwar nicht gerade leichte Kost ist oder sofort im Ohr bleibt, jedoch die angestrebte Klangvielfalt mehr als deutlich demonstriert.

Alles in allem spielen aber das trashige Riffing, der Wechsel zwischen Shouts und Cleangesang und zahlreiche Gitarrensoli, mal kürzer, mal ausgiebiger, aber letztendlich Herz eines jeden Songs, durchgehend die Hauptrolle.
Die Soli sind dabei zwar in einem ähnlichen Stil gehalten, aber haben allesamt ihre charakteristischen Läufe und Motive und klingen nicht wie die Variation immer desselben Gitarrensolos, sondern haben sicherlich durchaus jedes für sich seine eigene Kreativität gefordert.

Songs wie “Divide And Conquer”, “Weight Of The World” oder “The Wasteland” sind typische Beispiele für diese Mischung.
Ob man die Vielschichtigkeit wahrnimmt oder nicht, das kommt auf die subjektive Wahrnehmung an: Leute, die das Genre nicht gewohnt sind oder das Album zum ersten Mal hören, werden hauptsächlich das monotone Gedresche heraushören, das sich durch alle Songs zieht. Dass die Band unter diesem Gedresche vor allem im Leadgitarrenspiel viel mit Variationen arbeitet und genretypische Elemente immer wieder neu kombiniert, merkt man vermutlich erst, wenn man das vordergründige schnelle Riffing gewohnt ist und es nicht mehr die ganze Aufmerksamkeit auf sich lenkt oder wenn man das Album einige Male intensiv gehört hat.

Was etwa “Nothing Remains” herausstechen lässt, ist der langsame, intensive Gesang, der sich hier über die schnellen Riffs legt. Die gewählten Adjektive sind jedoch keinesfalls im Sinn von sanft oder balladesk zu verstehen, denn die Langsamkeit des Gesangs hat eher den Charakter einer deutlichen Ansage, die man macht, wenn man stinkwütend ist und möchte, dass das, was man zu sagen hat, auch tatsächlich ankommt.

Wirklich langsam ist auf “Fire From The Sky” ohnehin nichts. Zwar mutet “Walk The Edge” mit seinem zur Abwechslung etwas sanfterem Cleangesang anfangs balladesk an, haut jedoch im Refrain wieder richtig rein und nimmt dem Song jeden Hauch von Balladenhaftigkeit. “Fire From The Sky” könnte man als langsam bezeichnen, weil es etwas von der Getragenheit eines Doom Metal-Songs hat, jedoch hat auch der Titeltrack einen Cut in der Mitte und erhöht sein Tempo zeitweise drastisch.

Während er mit zu den sperrigsten Momenten gehört, fällt “Lost Within” durch seinen eingängigen Refrain aus dem Rahmen.
Dieser ist fast schon poppig und geht als einer der wenigen Momente auf dem Album sofort ins Ohr.

Man hört Shadows Fall also deutlich an, dass sie den Metal nicht erst gestern für sich entdeckt haben, sondern einen professionellen Umgang mit dieser Musik pflegen und jedem ihrer Songs eine eigene, bandspezifische Seele einhauchen können.
“Fire From The Sky” wird Liebhaber der härteren Musiklandschaften jedenfalls glücklich machen, ob man nun der inneren Detailverliebtheit huldigt oder an der Oberfläche bleibt und sich vom Riffing verdreschen lässt, kann man dann ja je nach Situation und Stimmung selber entscheiden.

(© Shadows Fall)

Trackliste

01 The Unknown
02 Divide And Conquer
03 Weight Of The World
04 Nothing Remains
05 Fire From The Sky
06 Save Your Soul
07 Blind Faith
08 Lost Within
09 Walk The Edge
10 The Wasteland
11 Eternal Life
12 A Death Worth Dying
13 Failure Of The Devout (Live)
14 The Light That Blinds