RHAPSODY – Ascending To Infinity

von blackrose

  • Verlag : Nuclear Blast
  • Bewertung : 8.5 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 22.06.2012
  • Spielzeit : 57:34 min
RHAPSODY - Ascending To Infinity

RHAPSODY – Ascending To Infinity (© Nuclear Blast)

Um über Luca Turilli’s Rhapsody und das aktuelle Album “Ascending To Infinity” zu schreiben, muss ein wenig ausgeholt werden, denn der musikalische Werdegang des italienischen Komponisten und Gitarristen reicht bereits in die 90er Jahre zurück und ist gekennzeichnet durch spannende, erfolgreiche sowie Genre prägende Momente.

Unter dem Namen Rhapsody machten sich Turilli und Keyboarder Alex Staropoli einen Namen im Symphonic Metal Sektor und erschufen darüber hinaus eine ganz eigene stilistische Nische, den ‘Hollywood Metal’ bzw. ‘Film Score Metal’.
Exklusive Zusammenarbeiten mit Schauspielerlegende Christopher Lee, der hauptsächlich als Erzähler den Alben die richtige Atmosphäre verlieh, spiegeln diese Art der musikalischen Ausrichtung ebenso wider wie der auf den Werken beinhaltete Bombast.
Das Jahr 2011 markiert aber schließlich eine Wende in der Bandgeschichte von Rhapsody. Turilli, der inzwischen ebenfalls schon einige Soloalben veröffentlicht hat, und Staropoli gehen (u.a. nach Urheberrechtsproblemen bezüglich der Namensgebung) mit ihren jeweils neu gegründeten Projekten (Rhapsody Of Fire und Luca Turilli’s Rhapsody) eigene Wege, bleiben ihrem Stil jedoch treu.

Und so stellt “Ascending To Infinity” zwar die erste Veröffentlichung unter neuem Namen dar, kann aber ebenso gut als elftes Rhapsody-Album angesehen werden. Eins ist “Ascending To Infinity” jedoch nicht: ein neues Solowerk von Turilli.

Dieser sammelt nämlich vier weitere Musiker um sich, darunter den italienischen Ausnahmesänger Alessandro Conti, der insbesondere mit seiner gesanglich markanten Vielseitigkeit “Ascending To Infinity” bereichert.
Insbesondere der Wechsel von hellen hohen Tonlagen zu tiefen Bassregionen gelingt Conti eindrucksvoll und man merkt ihm seine klassische Gesangsausbildung an.
Stets präsent verleiht er den Titeln eine Intensität, die sich mal im aggressiven Klargesang, mal in operettenhaften Passagen äußert und Emotionen an den Hörer transportiert.
Die dominierenden hohen Tonlagen müssen einem jedoch gefallen, denn sonst strengen diese den Hörer zu sehr an; sie sind definitiv nicht jedermanns Sache.

Nach dem außergewöhnlichen und vor allem dem Spannungsaufbau dienenden Intro “Quantum X”, das nicht nur orientalisch angehaucht, sondern mit 2:25 Minuten auch recht lang ausgefallen ist, startet man ins Album.
Auf der genannten Länge bringt Turilli bereits jetzt all das unter, was ihm zum hier federführenden Motto ‘Born to sound cinematic!’ eingefallen ist. Orchestrale Einschübe entladen sich auf bombastische Weise, Disharmonien sorgen für Reibungspunkte im symphonisch-harmonischen Sound, elektronische Elemente stehen im Kontrast zur ansonsten warmen Instrumentierung und neben den bekannten Chören kommen zudem Erzählsequenzen zum Zuge.
Alles in allem eine aufwendige Einleitung, die durch ihre Unberechenbarkeit kaum zu verraten vermag, wie “Ascending To Infinity” denn nun genau weiter geht.

Antwort darauf gibt der Titeltrack selbst.
Mit diesem nimmt man sich Zeit (6:15 Minuten) und schöpft musikalisch aus den Vollen. Verspielte Gitarrensoli, verschachtelte Songstrukturen, orchestrale Inszenierungen und bombastische Chöre durchziehen den Track, der melodisch und ganz in der Tradition alter Turilli-Soloalben daherkommt. Breaks, Rhythmus- und Tempowechsel bestimmen das musikalische Bild.
Ein Song, der bereits das erste Highlight markiert und der vor allem durch Contis Leistung an weiterem Profil gewinnt. Dieser wird immer wieder mit akzentuierten Chören unterstützt.

“Dante’s Inferno” ist hingegen weit weniger fassbar, aber nicht minder interessant. Opulente Arrangements treffen auf klare Melodielinien, welche einem steten Wechsel und einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unterworfen sind.

Eine Ruhepause gönnt man dem Hörer mit der Ballade “Luna”, die besonders die Gesangsleistung (auch eine weibliche Stimme ist hier zu hören) und den Klassik-Anteil in den Vordergrund stellt. Gefühlvoll vermittelt Conti die Lyrics und verursacht durch seine Eindringlichkeit und die italienischen Lyrics pure Gänsehaut. Langweilig wird der Song nicht, obschon er sehr reduziert daherkommt.

Mit “Of Michael The Archangel And Lucifers Fall” entlässt man den Hörer aus “Ascending To Infinity”. Eindrucksvolle 15:59 Minuten unterhält dieser Titel und liefert u.a. die bereits aus dem Intro “Quantum X” bekannten orientalischen Elementen.

Das fast schon als Turilli typisch zu bezeichnende Gitarrenspiel trifft man ebenfalls in jedem weiteren Song an.
Gerade die Soli beginnen jedoch schnell zu nerven. Sicher, Turilli ist unbestritten ein Ass im Umgang mit den Sechssaitern, doch das ständig hohe Gefrickel verlangt vom Hörer einiges an Leidenschaft für überladene Soli ab.

Gleiches trifft auf die Keyboardsoli zu. Zu überladene Effekte, äußerst komplexe Spielweisen und dadurch teils verzerrte Melodien kommen somit nicht selten zum Vorschein und sind für den Hörer anstrengend.

Die ‘Tochterband’ Rhapsody Of Fires, Luca Turilli’s Rhapsody, steht unverkennbar für eine Symbiose aus epischem Power Metal und cineastischem Klang, die teils mit Folk-Einflüssen, teils mit Speed Metal-Anleihen und teils neoklassisch inspiriert daherkommt. “Ascending To Infinity” beweist dies, macht darüber hinaus jedoch klar, dass Turilli hier auf Abwechslung, Komplexität und Bombast gesetzt hat; dies jedoch auf Kosten von Eingängigkeit und umgehender Zugänglichkeit.
So ist auf “Ascending To Infinity” nicht nur ein mehrmaliges Hören erforderlich, um das Album in Gänze zu erfassen, vielmehr verlieren sich einige Songs in ihrer komplexen Entwicklung, dass dem Konsumenten der Zugang komplett verwehrt bleibt und die Lieder insgesamt zu sehr zerfallen.
Betrachtet man allerdings die Haben-Seite, so bleiben trotzdem noch sehr gute 8,5 Punkte übrig.

 

Luca Turilli’s Rhapsody – “Ascending To Infinity” (Album Trailer)

(© Rhapsody)

Trackliste

01 Quantum X
02 Ascending To Infinity
03 Dante's Inferno
04 Excalibur
05 Tormento E Passione
06 Dark Fate Of Atlantis
07 Luna
08 Clash Of The Titans
09 Of Michael The Archangel And Lucifers Fall

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