PASCAL CROCI / FRANCOISE-SILVIE PAULY – Dracula (All In One)
von blackrose
- Verlag : Ehapa Comic Collection / Egmont
- Bewertung : 9 von 10 Punkte
- Format : Buch
- Veröffentlichung : 04.10.2010
- Autor : Pascal Croci / Françoise-Sylvie Pauly
- Seitenzahl : 160
- ISBN oder ISSN : 978-3-7704-3427-5
- Sprache : Deutsch

PASCAL CROCI / FRANCOISE-SILVIE PAULY – Dracula (All In One) (© Pascal Croci / Françoise-Sylvie Pauly)
Der wohl bekannteste Vampir der Literaturgeschichte ist unumstritten “Dracula”.
Durch Bram Stokers 1897 erschienenen gleichnamigen Roman in die Literaturgeschichte eingegangen, erfuhr das Werk bereits einige Adaptionen.
So auch durch Pascal Croci und seiner Partnerin und Co-Szenaristin Françoise-Sylvie Pauly, die sich an eine Comicumsetzung des Romanstoffes gewagt haben.
Herausgekommen ist ein nach immensen Kürzungen des Originaltextes immer noch 160 Seiten umfassendes Werk, das bewusst in zwei Abschnitte, hier Bücher genannt, gegliedert wurde und ebenfalls den schlichten Namen “Dracula” trägt.
Diese Abschnitte sind jedoch nicht unabhängig voneinander zu betrachten, sondern bauen vielmehr aufeinander auf und bereichern sich kontextuell gegenseitig.
Somit bildet “Buch 1: Der Prinz Der Walachei Vlad Tepes” eine Präambel zum ab Seite 72 folgenden “Buch 2: Die Sage Nach Bram Stoker”.
Während Croci zunächst eine Art historischen Bericht über den berüchtigten Woiwoden Vlad Tepes anfertigt, diesen mit fiktiven Elementen garniert und so eine hervorragend illustrierte und authentisch wirkende Sicht auf das geschichtliche Vorbild des späteren Blutsaugers präsentiert, bedient sich das Künstler-Duo im zweiten Teil des Comics an Originalzitaten aus Stokers Buch und bleibt im fantastischen Erzählungsbereich.
Die beiden Bücher vergleichend, fallen auch illustratorische Unterschiede auf.
Offensichtlich bildet sich im Bericht über Vlad Tepes die grausame Seite dieses Mannes ab. Szenerien über die ‘Pfählkünste’ des Herrschers werden auf A4 Format in der vorliegenden Hardcoververöffentlichung dargestellt und eine düstere, gefährliche Atmosphäre dominiert.
Die Adaption von Bram Stokers “Dracula” zeigt sich hingegen zwar auch grausam und dunkel, weist aber weniger blutrünstige und explizite Gewaltdarstellungen auf.
Auch wurde hier auf die konkrete Abbildung des Vampirs verzichtet. Dieser wird vielmehr durch Statuen oder Schattendarstellungen verkörpert.
Wie der ausführlichen, sich den beiden Abschnitten anschließenden Dokumentation über die Vorgehensweise Crocis zu entnehmen ist, entschied sich der Szenarist bewusst gegen eine Visualisierung Draculas. Dadurch entgeht er der Gefahr, vorgefertigten Meinungen über Draculas Aussehen nicht gerecht zu werden. Ein kluger Schachzug, der zudem sehr stimmungsvoll beim Leser und Betrachter ankommt. An diesem liegt es daher aber, von seiner Fantasie Gebrauch zu machen, um fehlende Textstellen und Dracula-Darstellungen ergründen zu können.
Fast schon an “Sin City” erinnert die passend gesetzte Farbakzentsetzung, die immer mal wieder den ansonsten dominierenden grau, weiß und bläulich wirkenden Grundfarbton durchbricht.
Gerade dies hebt Einzelheiten eindringlich hervor und lässt den Konsumenten des Comics in die Bilder intensiv eintauchen und Details entdecken.
Ein weiteres Merkmal der Croci’schen “Dracula”-Umsetzung ist die Aufteilung des zweiten Buches “Die Sage Nach Bram Stoker” in insgesamt drei Erzählungen.
Diese spiegeln jeweils die Sicht von Wilhelmina ‘Mina’ Murray, Jonathan Harker und Professor Abraham van Helsing wider. Das bringt ein wenig Abwechslung in die Lesart.
Zudem passt sich auch der grafische Inhalt der jeweiligen Person an, sodass sich mit dem Wechsel der Erzähler auch die Bilder Crocis verändern. Mal dominieren dabei Landschaftsaufnahmen und distanzierte Betrachtungsweisen, mal kann man sich in detailreiche Nahaufnahmen oder Charakterabbildungen verlieren.
Letztere sind es allerdings auch, die weniger überzeugen.
Zu gering sind die Unterschiede einzelner Personen, um diese umgehend auseinanderzuhalten, was zur Folge hat, dass der Leser dem Geschehen nicht unbedingt auf Anhieb folgen kann. Dies ist gerade im Abschnitt “Der Prinz Der Walachei Vlad Tepes” der Fall.
Ferner wirken die Figuren zu spitz und kantig. Dies ist dem ganz eigenen Stil des Duos Croci / Pauly zuzuschreiben, fällt aber im Vergleich zu den eher geschwungenen Ruinen und Landschaften und der insgesamt wenig vorherrschenden Symmetrie sofort ins Auge.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass nicht nur die Bilder den Worten dienen, sondern darüber hinaus auch die grafische Lesart ausreicht, um etwaige textuelle Lücken zu füllen.
Ganze 20 Jahre lang ging Croci mit der Idee einer “Dracula”-Comic-Erschaffung schwanger.
Über diesen Zeitraum dienten ihm viele Quellen (wie Filme, Literatur oder authentische Schauplätze auf seinen Reisen) als Inspiration. Beides – die lange Vorbereitungszeit als auch die Inspirationsquellen – machen sich in seinem Werk “Dracula” bemerkbar, das nah am Original bleibt und doch einen ganz anderen Blick auf Stokers Schaffen gewährleistet.
Obschon der Preis für ein Comic mit knapp 40 Euro hoch angelegt ist, rechtfertigt die hier gezeigte Kunst im Großen und Ganzen eben diesen.
Mit wenigen Abzügen komme ich zu einer sehr guten Gesamtbewertung und empfehle “Dracula” von Pascal Croci und Françoise-Sylvie Pauly all jenen, die ihre Vitrine um eine kunstvolle Vampir-Veröffentlichung bereichern wollen.










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