PARADE GROUND – The 15th Floor

von Crennas

  • Verlag : Minimal Maximal
  • Bewertung : 8 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 00.00.2012
  • Spielzeit : 44:56 min
PARADE GROUND - The 15th Floor

PARADE GROUND – The 15th Floor (© Minimal Maximal)

Ich muss zugeben, dass mir der Name Parade Ground überhaupt nichts sagte und ich keine Ahnung hatte, was mich damit musikalisch erwarten würde. Das Rezensionsexemplar war eine unbeschriftete CD-R, das ließ auf irgendeine unbekannte Newcomerband schließen. Doch weit gefehlt. Die aus Belgien stammenden Parade Ground existieren bereits seit den frühen 80ern, und genau so klingt auch das vorliegende Album. Beim ersten Titel kamen sofort Erinnerungen an die alten Pet Shop Boys und andere Größen auf, musikalisch nehmen uns Parade Ground auf “The 15th Floor” also quasi mit auf eine Zeitreise. Das verwundert kaum, stammen die Titel doch in der Tat von 1989.

“My Morning Friends” eröffnet das Album und macht bereits nach den ersten Takten klar, dass hier musikalisch und technisch kein topaktuelles Material zu erwarten ist. Vielmehr sprüht der Titel vor Vintage-Charme und wäre die Gesangsstimme nicht etwas gewöhnungsbedürftig, könnte man das ohne Probleme im Radio spielen.
Ein wenig Camouflage hier, etwas Pet Shop Boys dort und zwischendrin eine Prise Jimmy Summerville, fertig ist der Titel.
Die späteren Songs fallen hingegen experimenteller und teilweise auch mit Anlehnung an EBM etwas härter aus. Wobei ‘Härte’ in diesem Fall im Kontext der 80er gesehen werden sollte.

Synthipop-Elemente treffen auf cleanen männlichen Gesang, die Drums sind klassisch, wie man es von den 80ern erwartet. Hin und wieder werden kleine Geräuschsamples eingestreut, die zum Beispiel das instrumentale Stück “The 15th Floor” ein wenig wie die experimentelleren Sachen von Jean Michel Jarre klingen lassen. Etwas schräg, aber gut.

In “Wind Of Adventure” gibt es tanzbare Beats und rhythmische Spielereien; der Gesang überzeugt mich nicht wirklich. Wenn sich Parade Ground für 80er Verhältnisse musikalisch keine Blöße geben, hätte der Gesang in meinen Ohren mehr Feinschliff vertragen können.

“Stirring Hands” eignet sich nicht nur gut zum Tanzen, sondern ist auch mit dem hypnotischen Basslauf und der unaufdringlichen Melodie ein schöner Ohrwurm. Mit deutlichen EBM-Einflüssen und weniger Synthipop-Elementen macht “Stirring Hands” eine gute Figur.

“Awaiting” geht in eine ähnliche Richtung: wenig Melodie, mehr Rhythmus. Gefällt mir.

Dass es auch ruhiger geht, beweisen Parade Ground mit “A Day At The Park”. Eher balladesk, dennoch mit Beat, geht es hier zur Sache. Hatte ich erwähnt, dass der Gesang Geschmacksache ist? Das trifft hier ganz besonders zu. Dennoch nicht übel.

Vielleicht wäre “The 15th Floor” 1989 in der Masse an interessanter Musik gar nicht aufgefallen, wenn es denn damals veröffentlicht worden wäre. Umso interessanter ist es, aus heutiger Sicht Musik zu hören, die geschrieben wurde, als ich gerade elf Jahre alt war. Ein wenig ist es, als würde man auf dem Dachboden in einer verstaubten Kiste nach Jahrzehnten eine alte Schallplatte entdecken. Dass diese Musik auch heute noch hörenswert ist, kann getrost als Symbol ihrer hohen Qualität angesehen werden.

Insgesamt legen Parade Ground mit “The 15th Floor” ein Album vor, das mehr als zwanzig Jahre zu spät kommt. Ende der 80er hätten es einige der Titel bestimmt ins Radio und auf die Tanzflächen geschafft. Heute ist es eher ein Werk für Fans oder für beinharte Synthipopper. Inklusive Vintage-Bonus gebe ich 8 Punkte.

Trackliste

01 My Morning Friends
02 Rage And Torments
03 A Day At The Park
04 The 15th Floor
05 In Fortitude
06 Awaiting
07 Self Unmade Man
08 Wind Of Adventure
09 Turn-Tables
10 Round
11 Stirring Hands
12 Bound For Heaven

Autor

"he kept making all the correct ritual gestures, but he always seemed to be faking. that´s why I liked him, I think. another guy pretending to be human, just like me." "Darkly Dreaming Dexter" by Jeff Lindsay