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ACTNOIR - Shape A New Start

Label : Eibon Records
Bewertung : 6 von 10 Silberlinge

Format : CD
Veröffentlichung : 00.01.2010
Spielzeit : 54:51 min
Bonusmaterial :

ACTNOIR - Shape A New Start
Elektro-Rock irgendwo zwischen Depeche Mode, Nine Inch Nails, Radiohead und Porcupine Tree verspricht uns die italienische Combo Actnoir für ihr (wenn ich richtig gezählt habe) drittes Album "Shape A New Start". Das hört sich zunächst nicht unbedingt logisch, aber zumindest interessant an, doch hat man die Scheibe erst mal eingelegt und auf Play gedrückt, macht sich doch relativ schnell sanfte Ernüchterung breit.

Was die Italiener, die immerhin schon ihren dritten Vokalisten beschäftigen (und es ersichtlich jetzt erstmals mit einem Landsmann versuchen) abliefern, ist bei Lichte betrachtet nichts anderes als ziemlich gewöhnlicher Rock mit deutlichem Tasteneinschlag oder, um es kurz und prägnant auszudrücken, zumindest was die erste Hälfte des Albums angeht, weitestgehend banaler radiotauglicher Poprock ohne Ecken und Kanten. In gleichförmigem Midtempo tuckern die Songs ohne große Höhepunkte vor sich hin, Gaetano Notarnicolas zwar angenehme, aber nicht sonderlich variabel eingesetzte Stimme drückt den Songs - speziell auch durch das monotone vocal-Arrangement, das es teilweise schwer macht, die einzelnen Songs voneinander abzugrenzen - keinen eigenen Stempel auf. Das klingt dann nicht so sehr nach Trent Reznor, nicht mal nach den mainstreamkompatiblen Singlehits von Apoptygma Berzerk, die im Vergleich zu Actnoirs Albumeinstieg puren Industrial spielen... Von den versprochenen surrealen Einflüssen ist zunächst nicht viel zu hören.

Doch gerade als man sich damit abgefunden hat, mit "Shape A New Start" ein hörbares, aber furchtbar bedeutungsloses Album im Player zu haben, gibt die Band ein Lebenszeichen von sich - in "Wrong Places" wird das Tempo noch mal ein Stück heruntergefahren und das Resultat ist eine schöne, will man 'halbballadesk' sagen, Nummer, die an und für sich zwar noch keine Originalitätspreise gewinnt, aber andeutet, dass Actnoir möglicherweise nicht auf einem Kessel bunter Ideen sitzen, aber gegen den guten Einfall every now and then nicht immun sind. Nach dem wieder in den gewohnten Trott verfallenden "Redemption" überrascht das Album dann aber mit "See The Truth", bei dem die Band das Tempo mit gutem Erfolg etwas anzieht, und öffnet sich, kaum mehr erwartet, mit dem starken "Closed City" nun doch den Progrock-Elementen. Das knapp eineinhalbminütige Intro lässt in seiner Majestät beinahe schon an The Gathering zu deren metallischten Zeiten erinnern, und der sich anschließende Song macht klar, dass Actnoir nicht nur biederen Radiorock auf der Pfanne haben, sondern wirklich auch mal progressiv-breite Klanglandschaften schaffen können. Geht aber nicht immer gut, denn nach einigen weiteren poprocklastigen Nummern versucht der Albumabschluss "The Higher I Went; The Deeper I Fell" erneut progressive Gefilde zu erkunden, ergeht sich aber statt in elegischen Soundbildern leider nur in vorgeblich komplexer Langeweile - dagegen ist der namenlose Hidden Track, eine ruhige Pianoballade, schon deutlich gefälliger und hätte der Abwechslung halber als ins 'reguläre' Album eingestreuter vollwertiger Song dem Flow der Scheibe keineswegs geschadet.

Soundtechnisch ist "Shape Of A New Start" nicht ganz auf der Höhe. Der Bass wirkt leicht übersteuert (und veranlasst die Lautsprecher schon mal zum Knarzen), die Gitarren sind etwas breiig abgemischt und ob die komischen Kratzgeräusche 'gen Ende von "The Higher I Went" beabsichtigter 'Effekt', Produktions-Pfusch oder CD-Fehlpressung geschuldet sind, darüber kann nur spekuliert werden.

Ich bin (bislang jedenfalls) hier nicht der Mann für die fiesen Verrisse und auch "Shape Of A New Start" bietet mir keinen Anlass, grundsätzliche Überlegungen über die Berufswahl der Musiker anzustrengen, aber Lobeshymnen kann ich eben auch nicht vertreten. "Shape Of A New Start" ist so ein 'einfach-da'-Album. Zweieinhalb Songs deuten das Potenzial der Italiener an und bezeichnenderweise sind es (mit Ausnahme des missglückten Progrockers "The Higher I Went") gerade die Nummern, die aus dem Schema des glatten, geschniegelten Poprocks ausbrechen. Mehr als sechs Punkte sind da leider nicht drin.
Foto ACTNOIR - Shape A New Start
ACTNOIR - Shape A New Start
Trackliste:


01 Shatterproof Beauty
02 Set Fire
03 2008
04 Wrong Places
05 Redemption
06 See The Truth
07 Closed City
08 Taming Silence
09 Shape A New Start
10 The Higher I Went, The Deeper I Fell
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