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Interview mit TRANSATLANTIC

Veröffentlichung : 30.01.2010
TRANSATLANTIC
Sieben Jahre hat man nichts mehr von der VIP-Progrock Band Transatlantic gehört. Dies lag zum einen daran, dass Sänger Neal Morse sein christliches Bewußtsein gefunden hat und er dieses nicht mit einer musikalischen Karriere vereinbaren konnte (zunächst) und zum anderen an den vollgestopften Terminkalender der einzelnen Musiker. Relativ unerwartet kam daher die Ankündigung des mittlerweile erschienenen Albums "The Whirlwind". Ein guter Grund mal ein wenig genauer zu erfragen, warum es solange gedauert hat, was es mit dem Album auf sich hat und ob wir diesmal mit einer richtigen Tour rechnen können.
NecroWeb: Sieben Jahre sind seit dem letzten Album vergangen und niemand hätte wirklich damit gerechnet das Transatlantic zurückkommen. Warum gerade jetzt?

Roine: Neal (Morse) hat vor einiger Zeit ein paar Stücke geschrieben und nach einer kurzen 'On-Stage' Reunion im letzten Jahr (2008) in den USA, hat er wohl gemerkt, dass er die Transatlantic Gemeinschaft und vielleicht auch ein wenig den Erfolg vermisst hat, und das seine Musik von der Mitarbeit der anderen (Roine, Mike, Pete) profitieren würde.
Er hat mich in den letzten Jahren sehr oft gefragt, ob ich mich ihm auf der Bühne anschließen möchte, aber für mich war es zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht richtig. Aber jetzt war es perfekt, da ich kürzlich sowieso ein Pause von THE FLOWERS KING genommen habe. Die Transatlantic Legende scheint sich fortzuführen. Eine Vorahnung lag schon seit Jahren in der Luft, aber jetzt ist der Traum endlich wahr geworden. Der Markt ist momentan überflutet mit neuer Musik aus dem Prog-Bereich, aber nur sehr wenige Bands können wirklich beeindrucken oder lange genug durchhalten. Es sieht so aus als hätten Transatlantic alle Elemente zusammen um eine größere Menge zu beeindrucken und zu begeistern


NecroWeb: Wie war es nach so vielen Jahren wieder zusammen zukommen und an einem neuen Album zu schreiben und dieses aufzunehmen?

Roine: Es war großartig. Wir haben angefangen zu arbeiten und es war als wären nur ein paar Wochen vergangen seit der letzten Transatlantic Show in Mailand 2001, sehr seltsam.



NecroWeb: Gab es jemals Zweifel daran das Transatlantic sich nach so vielen Jahren wiedervereinigen werden?

Roine: Ich bin mir sicher, dass es Zweifel gab, sowohl bei den Fans, als auch bei den Bandmitgliedern. Zumindest ich hatte Zweifel, dass wir nach so langer Zeit wieder zusammen kommen würden. Also gab ich die Hoffnung auf und akzeptierte das es ein geschlossenes Kapitel war. Jetzt bin ich froh, dass Neal wieder die Freude daran sah, ein Teil einer Band zu sein und wieder Musik zusammen mit seinen Freunden zu machen anstatt eines weiteren Soloalbums.


NecroWeb: „The Whirlwind“ ist eine Art Konzeptalbum mit sehr bedeutungsvollen Texten. Mit deinen eigenen Worten: Was ist die Kernaussage von „The Whirlwind“?

Roine: Nun, Neal hatte die Idee für einen Song mit dem Titel „Whirlwind“, der ihm vor einiger Zeit von einem Freund vorgeschlagen wurde. Aber es war nur das Sprungbrett, ein Anfangspunkt für die Inspiration, da nur kleinste Teile von dem Originalstück am Ende verwendet wurden. Nichtsdestotrotz entschieden wir uns den neugeborenen Epos „The Whirlwind“ zu nennen. Die Geschichte von „The Whirlwind“ ist eine Kombination aus Neals Lyrics und meinen und Petes Textideen. Und wir haben es geschafft, (hoffe ich) dass diese am Ende einen Sinn ergeben, denn das Thema und die Idee war eine Metapher für Drehungen und Wendungen im Leben, und dass wir von einer ungeheuren Kraft beherrscht werden, die weit hinter unseren Vorstellungen liegt. Wir haben das Leben als ein Mysterium betrachtet. Wir hoffen immer, dass jeden Tag gute Dinge passieren, aber das tun sie nicht. Manche Tage sind einfach schwer. Da ist ein langer, schwerer Weg den wir gehen müssen. Manchmal streunern wir von diesem Weg ab und manchmal kommt der Wirbelsturm (Whirlwind) und wir werden von ihm weggefegt, hin zu Sorgen, Bitterkeit und sogar Hass. Trotzdem machen wir unermüdlich weiter und versuchen die Dinge besser zu machen. Wir verlieren unsere Liebsten und wir verlieren Freunde und fragen uns selbst „Warum?“. Wir versuchen allem einen Sinn zu geben.
Das „The Whirlwind“ Konzept ist ein wenig dunkler als das der vorherigen Alben. Rauer, niemals resignierend, aber manchmal dunkel. Ich denke, wir haben das ein wenig gebraucht, genauso wie wir es gebraucht haben mal wieder loszurocken. Es war wirklich ein großer Spaß und sehr bereichernd in der Mitte der schönen Balladen plötzlich atonal und abgedreht zu werden.
Sonne & Mond, Schwarz & Weiß, das ist es doch was das Leben auch ist. Dunkelheit & Licht, aber es ist immer Hoffnung da und das Ende von „The Whirlwind“ ist wahrlich erhebend. Was immer auch dein Glaube ist, Hoffnung und Liebe sind immer da...die Liebe besiegt alles - sagen sie das nicht immer?
Vor allem ist es Unterhaltung, aber um ehrlich zu sein, bereitet es mir große Freude meine Gedanken mit unseren Fans zu teilen. Es lässt uns weniger alleine und isoliert fühlen, dafür mehr real.
Ich möchte, dass jeder weiß wer ich bin und wofür ich stehe, und wenn wir Hoffnung und Freude in das Leben anderer Menschen bringen war es den ganzen Aufwand wert und es wird meine Musik die Prüfung der Zeit überstehen lassen.


NecroWeb: Vier Leute von vier verschiedenen und sehr aktiven Bands zusammen zubekommen muss sehr schwierig gewesen sein. Wie lange habt ihr das ganze geplant und wieviel Zeit habt ihr zusammen im Studio verbracht?

Roine: Es war gar nicht so schwierig, wir mussten nur den Terminplan für Mike bereinigen, da dieser 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche mit Dream Theater beschäftigt war.
Wir waren in keinsterweise gehetzt, wir hätten sogar mehr Zeit gehabt, aber wir wollten, dass es wirklich ein Angebot von uns Vieren wird, in dem wir all unsere Ideen einbringen konnten. Und beim Jammen sind wir an Orte gelangt, an die wir nie gekommen wären, hätten wir nur die Songs von mir oder Neal ausgewählt.
Wir waren alle zusammen im gleichen Raum als wir das Album geprobt und aufgenommen haben, Stück für Stück, immer wieder neue Abschnitte einwerfend je weiter wir kamen. Wir verbrachten 14 Tage mit Schreiben und Aufnehmen der Basictracks in den USA. Weitere 14 Tagen brauchten wir, zumindest in meinem und Neals Fall, um echte Hammond-Orgel, Minimoogs, Akustikgitarren und Solos drüber zulegen. Ich versuche immer soviel Detail und klassische Spielweise wie möglich in mein aufgenommenes Material zu bringen – aber manches wurde natürlich erst später bei den Overdub-Sessions (in meinem Fall in Schweden) eingefügt. Ich bin in gewisser Hinsicht sehr glücklich mit diesem Album, und ich bin mir sicher das die Prüfung der Zeit überstehen und mit den kommenden Jahren sogar noch wachsen wird.
Wir haben alle sowohl Herz und Seele, als auch unsere gemeinsame musikalische Erfahrung hier reingesteckt, und wir sind sehr begeistert darüber welches Level wir dieses mal erreicht haben. Ich denke, das gilt genauso für den Rest der Techniker und Mischer. Wir drei: Pete, Neal und ich sind jetzt um die 50 und es ist ein sehr reifes Album geworden. Wir hatten mehr Spaß als je zuvor, fühlten uns wie Waffenbrüder.


NecroWeb: Ihr seid alle sehr professionelle und hochbegabte Musiker. Gibt es da irgendeine Art von Wettkampf unter euch, vielleicht auch auf witzige Art und Weise?

Roine: Nein, ich denke nicht, dass es da irgendeinen Wettkampf gibt. Wir arbeiten mit dem was wir haben und jeder von uns vieren leistet seinen Beitrag, ohne viel darüber nachzudenken wer was gemacht hat.
Wir haben sehr viel gejammed, mehr als jemals zuvor, ganz Abschnitte entstanden so auf der Stelle. "Evermore" war zum Beispiel ein Jam zwischen mir, Mike und Pete, den wir aufgenommen hatten. Ich schrieb einfach noch ein paar Texte und sang später dann darüber.
"Lay Down Your Life" basierte auf einem von meinen Riffs zu dem Pete und Mike das Jammen anfingen und sämtliche abgefahrenen Rhythmuswechsel einbrachten. Und ich fügte später spontan ein paar Lennon-esque Akkordwechsel ein, die widerum Neal dazu brachten spontan ein paar Schein-Rocktexte in denen es um "Rain in Spokane" ging drüber zu singen...Urkomisch!
Aber wir haben ihn zu einem Song ausgearbeitet der eine meiner Lieblingsstellen von "The Whirlwind" ist. Wirklich schweres Material mit einem abgefahrenen E-Bow Solo und echten Streichern – total (Led) Zeppelin Style.
"On The Prowl" hat auch noch einige Jam-Parts. Neal kam mit proggigem Frickel Zeugs hier und da an und wir jammten ihn weiter.
Petes "Is It Really Happening" ist auch der totale Progwahnsinn.
Diese Parts sind alle so cool und haben neuen Schwung in Transatlantic gebracht – eine wirklich kostbare Energie.


NecroWeb: "The Whirlwind" ist ein ein sehr episches Album, epischer als die anderen beiden Studioalben von Transatlantic. War das wirklich beabsichtigt oder geschah das während dem Schreib-/ Aufnahmeprozess?

Roine: Es ist Progrock, verdammt noch mal!!! Ich persönlich genieße alles an diesem 77 Minuten Song. Wahrscheinlich weil ich merke, dass er so viel Abwechslung bietet, darum macht es mir nichts aus, ob er sieben oder 77 Minuten lang ist, so lange es durchgehend gut und unterhaltend ist.
Das ist einfach eines dieser Dinge, die mit dem Progressive Rock kommen. Es gibt keine Regeln, keine Grenzen, die Musik läuft weiter so lange sie braucht und Musikern ist es gestattet völlig durchzudrehen und höllisch bombastisch und prahlerisch zu sein. Wir kamen zusammen um zu schreiben, und verschiedene Themen die Pete, Neal und ich zu Hause geschrieben hatten zu kombinieren. Wir machten weiter so lange es neue Ideen gab und wir haben sehr exzessiv gejammed, was noch ein paar coole neue Themen hervorbrachte.
Wir hatten Gespräche darüber die Musik NICHT in Stücke oder Songs zu teilen, sondern als ein langes, durchgehendes Stück zu machen, und um ehrlich zu sein war ich dagegen, denn ich dachte es wäre sehr berechenbar wenn Transatlantic das täten, aber die anderen überzeugten mich, dass es großartig wäre, ein Comeback mit einem Knall – einem 77 Minuten Monstersong !!! Ha-Ha!


NecroWeb: Wie lautet das Geheimnis um so homogene Musik aus vier so unterschiedlichen Charakteren zu bekommen?

Roine: Respekt. Ich denke, wir hören zu und lassen jedem die Freiheit sich selbst auszudrücken und während wir das tun, erhalten wir eine 'lebende Kultur' aus Einflüssen, Gefühlen und Ideen, die in der Musik von Transatlantic verschmelzen.



NecroWeb: Jetzt, nach sieben Jahren des Wartens: Müssen wir weitere sieben Jahre bis zum nächsten Album warten?

Roine: Ich hoffe nicht. Ich kann mir vorstellen, dass wir 2010 wieder ins Studio gehen und leicht ein weiteres Album machen. Aber erstmal abwarten und zusehen.


NecroWeb: Gibt es irgendwelche Pläne auf Tour zugehen, besonders in Europa?

Roine: Ja, wir haben einen Buchungsmanager der das in diesem Moment versucht. Ich hoffe zumindest auf Europa, USA, Kanada und Südamerika. Wer weiß, vielleicht sogar Japan.


NecroWeb: Ok, auf gehts zu den Schnellschussfragen:

Der schwierigste Song den du je gespielt hast:


Roine: "Devils Playground" oder die volle Version von "The Truth Will Set You Free" von den Flower Kings vielleicht, das war nicht leicht.


NecroWeb: Dein persönlicher no-go Song:

Roine: Hab ich keinen, aber ich ich steh nicht so auf Hip Hop.


NecroWeb: Dein Lieblingsfilm:

Roine: Zuviele um sie aufzuzählen – aber zuletzt fand ich "La Vie En Rose", "Der fremde Sohn", "Aviator" und "Sweeny Todd" sehr gut. Oder alles von Tim Burton.


NecroWeb: Das letzte Buch das du gelesen hast:

Roine: Das war wahrscheinlich eine Synthie Anleitung..Ha! Ich hab mit Bill Brufords (Schlagzeugvirtuose) Autobiografie angefangen als wir auf der letzten Agents Of Mercy US Tour waren. Aber ich hatte zuviel mit Programmieren und Proben zu tun, um weiter als ein paar Kapitel zu kommen. Bis dorthin ist es allerdings sehr unterhaltsam. Bills trockener englischer Humor ist unfehlbar und sehr unterhaltsam. Ich habe ihn getroffen und er ist auch wirklich so, ein sehr intelligenter Mann mit einer sehr großartigen und aufrichtigen Anschauung auf die Welt und das Musikbusiness.


NecroWeb: Deine favorisierte Internetseite:

Roine: Fällt mir keine ein. Ich habs nicht so mit Websurfen, hab keine Zeit dafür...also denke ich es ist http://www.flowerkings.se


NecroWeb: Das beste in deinem Kühlschrank:

Roine: Sonnengetrocknete Tomaten, Ginger und alles was zu Sushi passt. Und eine merkwürdige Flasche mit gutem Weißwein.


NecroWeb: Dein meistgehasstes Schulfach:

Roine: Keines das ich gehasst habe, aber Chemie war schon irgendwie langweilig.


NecroWeb: Ein Musiker mit dem du gerne spielen möchtest (tot oder lebendig):

Roine: Das wären dann Joni Mitchell, Paul McCartney oder Jackson Browne.


NecroWeb: Der peinlichste Moment:

Roine: Fällt mir keiner ein -


NecroWeb: Das beste Gitarrensolo aller Zeiten:

Roine: Und wieder zuviele um sie aufzuzählen, aber "All Along The Watchtower" von Hendrix war 1968 inspirierend. Die Dinge ändern sich und heute mag ich eher Spieler wie Jeff Beck, Derek Trucks und Mike Landau.


NecroWeb: Vielen Dank für das Interview und ich hoffe wirklich euch bald wieder auf Tour zu sehen.

Roine: Danke!
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