DEINE HAUT NAH. GEFLÜSTERTE GEDANKEN.
Autor : Philipp BlömekeVerlag : Culex Verlag
Bewertung : 9 von 10 Buchwürmer
Format : Buch
Veröffentlichung : 00.10.2009
ISBN oder ISSN : 9783942003001
Sprache : Deutsch
Bonusmaterial :

DEINE HAUT NAH. GEFLÜSTERTE GEDANKEN.
In einem fiktiven Zwiegespräch diskutieren der Herr alter ego und der anonyme Mitarbeiter synaps das Problem der Selbsterkenntnis: Es ist das Problem mit den Spiegeln. Unser Spiegelbild handelt synchron zu uns. Wenn wir ihm die Hand reichen wollten, geht das nicht, aufgrund des Glases. Außerdem müsste es sich kongruent zu uns verhalten anstatt synchron.
Der Schluss aus diesem Problem, das bereits Millionen Studenten, die sich mit Freud und Lacan beschäftigen mussten, ins Schwitzen brachte, wird in "deine haut nah" literarisch gelöst: Es hätte das Glas nie geben dürfen: weil wir uns dann nie vermisst hätten. kein unerreichbares und doch so nahes bild unserer selbst, das wir erstrebten. keine sehnsucht nach sich selbst.
Nach diesem Interview begeht alter ego Selbstmord und hinterlässt die Zeilen: verschwinde aus meinem spiegel, ich bin dein abbild. ich will mehr als nur dein schatten sein. ich ist ein...
In 49 Kapiteln und einem "PS" lässt Philipp Blömeke uns die Welt aus seinen Augen sehen. Entstanden sind Sprachscherben, Augenblicke, kurze und längere Skizzen einer hinterfragenden Wahrnehmung. Das beschriebene Interview bildet nur eine Facette des Ganzen, das zusammengepuzzelt ein Bild unserer Zeit ergibt – ein Spiegelbild zwischen Todessehnsucht und Innenschau in Bruchstücken: Zerbrochen und neu zusammengesetzt.
"deine haut nah", geschrieben in lyrischer Prosa und unter Missachtung des Großschreibgebots, folgt der Tradition der Surrealisten, knüpft an Rimbaud und Baudelaire an, zitiert Nietzsche und büßt trotz dieser denkmalhaften Kulisse nichts an Aktualität ein. Die Fragen nach dem Ich, nach dem Innen und Außen sind genauso aktuell und brennend wie bereits vor 200 Jahren. Blömeke widmet sich diesen Themen auf seine eigene Weise und bürdet sich nicht – wie manch böse Zunge vermuten könnte – zu viel damit auf.
Redensarten und Wortspiele werden ironisch hinterfragt ("kopfüber. überkopf. kopfüber. kopf über was?") und in einen kulturellen Zusammenhang gestellt: "die apokalyptischen prinzipienreiter".
In einem atemlosen stream of consciousness nimmt Blömeke seine Leser mit auf seinem Rundumschlag: "das radio hat ein paar namen ausgekotzt". Unzensiert redet der innere Mono- oder Dia(?)log auf den Leser ein (dieser traum wartet nicht darauf, dass du müde wirst, schlafen gehst) und setzt aktuell Geschehenes zur Kulturgeschichte in Kontrast.
Dabei öffnen sich so viele Lesarten, dass eine mehr- und tiefschichtige Betrachtung möglich wird; ein sicheres Indiz für die Qualität des Textes, der sich nicht nur mit der Wahrnehmung eines Subjekts beschäftigt, sondern auch metaphysische Dimensionen annimmt. So wird zum Beispiel Nietzsches "Zarathustra" aufgegriffen und "Gott" durch "Ich" ersetzt.
Doch nicht nur in diesen Gedanken existiert das Ich; ironisch pointiert wird Geschichte zum Schauplatz: "..wollt ihr den totalen krieg?" - "yes, we can!"
Es ist eine Brille, die dem Leser aufgesetzt wird, während das Ich durch die Kulturgeschichte wandert (hasse meine ohren, kann van gogh verstehen, [...], kann ödipus verstehen) und in den Spiegeln der Welt nach sich selbst und etwas anderem sucht: "wo ist mein gottverflucht?"
Die Antwort bleibt ein Rätsel des Dichters in seinem Vorwort: die möglichkeit der verwirrung ist es, die dinge für sich selbst zu entwirren, ihre bedeutungen zu übersetzen in die fugen der eigenen empfindung. darum bitte ich die fragenden: die bedeutungen für sich selbst zu schaffen.
Der Schluss aus diesem Problem, das bereits Millionen Studenten, die sich mit Freud und Lacan beschäftigen mussten, ins Schwitzen brachte, wird in "deine haut nah" literarisch gelöst: Es hätte das Glas nie geben dürfen: weil wir uns dann nie vermisst hätten. kein unerreichbares und doch so nahes bild unserer selbst, das wir erstrebten. keine sehnsucht nach sich selbst.
Nach diesem Interview begeht alter ego Selbstmord und hinterlässt die Zeilen: verschwinde aus meinem spiegel, ich bin dein abbild. ich will mehr als nur dein schatten sein. ich ist ein...
In 49 Kapiteln und einem "PS" lässt Philipp Blömeke uns die Welt aus seinen Augen sehen. Entstanden sind Sprachscherben, Augenblicke, kurze und längere Skizzen einer hinterfragenden Wahrnehmung. Das beschriebene Interview bildet nur eine Facette des Ganzen, das zusammengepuzzelt ein Bild unserer Zeit ergibt – ein Spiegelbild zwischen Todessehnsucht und Innenschau in Bruchstücken: Zerbrochen und neu zusammengesetzt.
"deine haut nah", geschrieben in lyrischer Prosa und unter Missachtung des Großschreibgebots, folgt der Tradition der Surrealisten, knüpft an Rimbaud und Baudelaire an, zitiert Nietzsche und büßt trotz dieser denkmalhaften Kulisse nichts an Aktualität ein. Die Fragen nach dem Ich, nach dem Innen und Außen sind genauso aktuell und brennend wie bereits vor 200 Jahren. Blömeke widmet sich diesen Themen auf seine eigene Weise und bürdet sich nicht – wie manch böse Zunge vermuten könnte – zu viel damit auf.
Redensarten und Wortspiele werden ironisch hinterfragt ("kopfüber. überkopf. kopfüber. kopf über was?") und in einen kulturellen Zusammenhang gestellt: "die apokalyptischen prinzipienreiter".
In einem atemlosen stream of consciousness nimmt Blömeke seine Leser mit auf seinem Rundumschlag: "das radio hat ein paar namen ausgekotzt". Unzensiert redet der innere Mono- oder Dia(?)log auf den Leser ein (dieser traum wartet nicht darauf, dass du müde wirst, schlafen gehst) und setzt aktuell Geschehenes zur Kulturgeschichte in Kontrast.
Dabei öffnen sich so viele Lesarten, dass eine mehr- und tiefschichtige Betrachtung möglich wird; ein sicheres Indiz für die Qualität des Textes, der sich nicht nur mit der Wahrnehmung eines Subjekts beschäftigt, sondern auch metaphysische Dimensionen annimmt. So wird zum Beispiel Nietzsches "Zarathustra" aufgegriffen und "Gott" durch "Ich" ersetzt.
Doch nicht nur in diesen Gedanken existiert das Ich; ironisch pointiert wird Geschichte zum Schauplatz: "..wollt ihr den totalen krieg?" - "yes, we can!"
Es ist eine Brille, die dem Leser aufgesetzt wird, während das Ich durch die Kulturgeschichte wandert (hasse meine ohren, kann van gogh verstehen, [...], kann ödipus verstehen) und in den Spiegeln der Welt nach sich selbst und etwas anderem sucht: "wo ist mein gottverflucht?"
Die Antwort bleibt ein Rätsel des Dichters in seinem Vorwort: die möglichkeit der verwirrung ist es, die dinge für sich selbst zu entwirren, ihre bedeutungen zu übersetzen in die fugen der eigenen empfindung. darum bitte ich die fragenden: die bedeutungen für sich selbst zu schaffen.








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