WITH FULL FORCE 2009
Datum : 03.-05.07.2009Location : Flugplatz Roitzschjora, Löbnitz bei Leipzig
Kosten : 79,90 €
Spielzeit :
Bands :
Fotogalerie :
Myra
Static-X
DevilDriver
Legion Of The Damned
Mastodon
Comeback Kid
Dimmu Borgir
Soulfly
Make It Count
All Shall Perish
Suicidal Tendencies
Bring Me The Horizon
Walls Of Jericho
Amon Amarth
Hatebreed
The Carburetors
Reno Divorce
August Burns Red
The Sorrow
Architects
Parkway Drive
Ignite
Down
Social Distortion
Motörhead
End Of Green
My Dying Bride
Anathema
Impressionen

WITH FULL FORCE 2009
Das WITH FULL FORCE XVI lässt auch in diesem Jahr nichts anbrennen: Vom 03.-05.Juli 2009 tobte ein Sandsturm über dem Acker des Flugplatzes Roitzschjora bei Leipzig - kein Wunder, denn bei diesem großartigen Line-Up kreisten Nonstop Circle Pits über das Gelände des zweitgrößten deutschen Metal-Festivals, zu dem sich 26.000 Fans in die Schlacht stürzten.
Donnerstag:
Bereits am Donnerstagabend war die Stimmung am brodeln, in den gigantischen Ausmaßen des Zeltplatzes wurde entsprechend gefeiert und getorkelt, der Bierhahn lief im Dauerbetrieb und der Alkohol wurde scharenweise durch die Hände gereicht. Vor dem Einlass zum Festivalgelände gaben sich neben Fressbudenbetreibern DJs die Klinke in die Hand und veranlassten die Metalwütigen bis in die frühen Morgenstunden zu Aufwärmübungen der Nackenmuskulatur. Leider wird die erste Nacht auch von einem Todesfall überschattet, bei dem eine 23jährige wohl an einer Kohlenmonoxidvergiftung in ihrem Zelt gestorben ist. Dies war jedoch der erste Fall im Rahmen des Festivals und wurde von den Festivalbesuchern kaum registriert, so dass der Vorfall der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch tat.
Freitag:
Am Freitagmorgen war die Hitze so unerträglich, dass man lieber aus dem Zelt flüchtete als paniert zu werden. Was machten wir also - richtig, wir inspizierten das Festivalgelände. Neben unzähligen Futterbuden aller kulinarischen Richtungen gab es Merchandise en masse für das Fanherz und auch Piercing- und Tattooareale fanden Einzug ins Gelände. Für entsprechende Abkühlung sorgten diverse Stände mit moderaten Preisen. Abseits von der Shoppinglaune kam auch der Spaß nicht zu kurz, denn neben Skatern und Freestyle-Motocross konnten sich die Musikliebhaber im Rockband-Zelt die Luftgitarre um die Ohren knallen oder beim Bullriding die Sau raus lassen. Selbst ein Paintball-Areal wurde abgesteckt - was will man mehr?
Pünktlich um 14.30 Uhr wurde das Festival durch FACEBREAKER mit einer gehörigen Portion Deathmetal eröffnet und spätestens jetzt war von Müdigkeit nichts mehr zu spüren.
Die niederprasselnde Sonne veranlasste uns allerdings dazu Schutz im schattenspendenden Hardbowl zu suchen, da wir sowieso als erstes MYRA ansehen wollten. Offenbar waren wir mit dieser Idee nicht allein und so startete die Band nach einem Intro mit dem Opener "Bitter Taste Kiss" energiegeladen ins With Full Force. Bereits beim zweiten Song "Third Rate Violation" schmiss die vordere Hälfte des Hardbowls ausgelassen mit den Gliedmaßen um sich und Sänger Sebastian ließ es sich nicht nehmen, das Wirrwarr in eine Richtung zu lenken - Circle Pit, meine Damen und Herren! "Trigger Happy" steigerte die Stimmung weiter, doch "New Blood Will Run" setzte dem Ganzen die Krone auf - mitten im Lied fiel die Elektronik aus, aber die Meute brüllte den bereits begonnenen Refrain derartig laut mit, dass der Fehler locker überspielt werden konnte und der Performance keinen Abbruch tat. "Eternal Mayhem" wurde von einer mächtigen Wall Of Death auf den Punkt gebracht. Bei einem 35minütigen Set ist das Ende leider schnell erreicht, so verabschiedeten sich die Leipziger nach dem Song "Commited Mass Suicide" mit einer riesigen Circle Pit zu "Forsaken By Silence". Ein genialer Auftakt für das With Full Force 2009.
Erwartungsvoll trotteten wir in der Hitze zur Mainstage, um dem Auftritt von STATIC-X beizuwohnen, die aufgrund eines in Flammen aufgegangenen Tourbusses vor zwei Jahren ihren Auftritt beim With Full Force canceln mussten. Das Gelände vor der Mainstage war gut gefüllt, doch leider fiel die Performance der Amis um Nadelkissen-Kopf Wayne Static im Gegensatz zu dem 'lebhaften Treiben' im Hardbowl eher ruhig aus. Einzig der Bassist, Tony Campos, der bereits Full Force-Erfahrung mit Ministry sammeln konnte, bewegte sich etwas mehr. Mit "Push It","I'm With Stupid" und "Black & White" wurden eher ältere Songs gespielt, die bei den Fans einiges an Energie freisetzten. Auch "Cold" erklang und als die Luft zu staubig wurde, versorgte Waynes Frau Tera die Band mit Getränken und Tanzeinlagen im Hintergrund. Trotz erheblicher technischer Schwierigkeiten lieferten STATIC-X eine souveräne Show ab.
Als nächstes spielten DEVILDRIVER - mit im Gepäck ihr neues Album "Pray For Villains" - in der sengenden Hitze. Mit "Clouds Over California" gelang der Band ein guter Einstieg und auch mit "Not All Who Wander Are Lost" gelang es den Herren um Dez Fafara vor der Bühne für einige Action zu sorgen, doch leider wurde das Klangspektakel durch den miesen Sound getrübt, was auf der Bühne nicht gerade für beste Laune sorgte. Die Headbanger und Crowdsurfer ließen sich davon jedoch nicht beirren und drehten zu "Hold Back The Day", "These Fighting Words" und "Meet The Wretched" ordentlich auf.
Die niederländischen LEGION OF THE DAMNED sorgten durch eine geballte Ladung Thrash Metal mit weitaus besserem Sound für haariges Vergnügen. Sänger Maurice tigerte hinter seinem blonden Haarvorhang über die Bühne und versuchte gleich zu Beginn mit "Death's Head March" und "Son Of The Jackal" das deutsche Publikum für sich zu gewinnen. Zu "Slaughtering The Pigs" bildete sich immerhin eine kleine Circle Pit bevor die Band sich mit einem durch die Fans unterstützten "Legion Of The Damned" verabschiedete.
Sehr gespannt waren wir auch auf MASTODON, auch wenn zeitgleich auf der Tentstage MAROON zum Moshen einluden. Das Können der vier Amerikaner steht wohl außer Frage und so bietet das With Full Force einen guten Rahmen, das neue Album "Crack The Skye" live zu präsentieren. Mit Songs wie "I Am Ahab" und "Blood And Thunder" zeigten MASTODON, dass sie wissen, wie sie das Publikum mitreißen können. Technisch einwandfreie Riffs hinterließen zwar Eindruck, aber von der Performance wäre mehr zu erwarten gewesen. Troy, Brent und Bill waren mehr darauf bedacht, das Set absolut fehlerfrei durchzubringen, was teilweise konzentrierte Blicke auf die Instrumente nach sich zog, weniger Interaktion mit der Masse. Die gelegentlichen Posen, in denen Troy spielte, beeindruckten dafür ebenso, wie der häufige Gitarrenwechsel.
Das Hardbowl platzte derweil aus allen Nähten, denn dort standen als Nächste COMEBACK KID auf dem Programm. Ohne viel Geplänkel legten die Kanadier um Sänger Andrew Neufeld einen Powerstart hin - logisch, dass es da nicht einmal eine halbe Minute dauert, bis die ersten Crowdsurfer im Sekundentakt im Graben landeten. Die obligatorische Circle Pit blieb ebenfalls nicht aus und spätestens beim abschließenden "Wake The Dead" gab es kein Halten mehr, die Securities hatten alle Hände voll zu tun und ein ohrenbetäubendes Mitgröhlen bereitete der Band einen gefeierten Abschied.
Im wahrsten Sinne des Wortes betraten DIMMU BORGIR als Co-Headliner mit einem Knall die Mainstage. In aufwändige Kluften gehüllt brachte die Band feinsten Black Metal unter die Massen - und das mit einer Pyroshow, die sich gewaschen hat. Begonnen wurde nach einem Intro mit "Spellbound (By The Devil)", gefolgt von "The Serpentine Offering", auf das ohne weitere Umschweife "The Chosen Legacy" folgte. Sänger Shagrath wandte sich dann erst einmal dem Publikum zu: "You wanna go faster?", promt umgesetzt in "The Maelstrom Mephisto". Das Hauptaugenmerk der Band lag auf dem letzten Album "In Sorte Diaboli", so folgte als nächstes "The Sacrilegious Scorn", aber auch "Kings of Carnival Creation", "IndoctriNation ", "Allegiance" und "Puritania" kamen nicht zu kurz. Vor dem Outro wurde noch "Progenies Of The Great Apocalypse" auf die Masse abgefeuert dann war die imposante Show auch schon vorbei.
Max Cavalera, fester Bestandteil des With Full Force, weiß wie man begeistert - das bekam man auch deutlich zu spüren, als er mit SOULFLY die Headlinerposition des ersten Tages einnahm, denn Platz war vor der Mainstage zu dem Zeitpunkt Mangelware. Den ersten Sturm fegte die Band mit "Blood, Fire, War, Hate" über die Masse, die sich flächenübergreifend dem Headbangen verschrieb. Max Cavalera ist älter geworden, das merkte man deutlich an der Performance, der die Energie, mit der SOULFLY sonst zu überzeugen wussten, ein wenig fehlte. Nichtsdestotrotz schlagen die Klassiker wie "Prophecy", "Sacrifice", "Back To The Primitive" und "Seek'n'Strike" ein wie eine Bombe. "Refuse/Resist" aus dem Hause Sepultura blieb natürlich auch nicht aus und SLAYER wurde durch ein ins Set verbautes "Raining Blood"-Riff gehuldigt. Nach dem traditionellen instrumentalen Teil folgte ein abschließendes Medley aus "Roots Bloody Roots", "Jump Da Fuck Up" und "Eye For An Eye", das die Masse zum letzten Ausrasten brachte. Auch wenn Max Cavalera den Anschein macht, etwas müde geworden zu sein - er hats immer noch drauf!
Den Rest konnte man sich jetzt noch zur KNÜPPELNACHT geben, bei der bis in die frühen Morgenstunden Pestilence, God Seed, Asphyx, Helheim, Vader und Eisregen auftrumpften. Ziemlich hungrig und zudem erschöpft von der Hitze machten wir uns allerdings auf die Pirsch nach etwas Essbarem und mussten unser Vorhaben, knallhart durchzufeiern an den Nagel hängen.
Samstag:
Samstagmorgen brannte die Sonne erbarmungslos weiter. Also raus aus dem Zelt, frische Luft geschnappt und ein bisschen in der Sonne gebraten. Der nebenanliegende Baggersee war gut frequentiert, so dass das zugängliche Ufer aus einer einzigen Menschenmasse bestand. Wir machten uns erst einmal auf die Suche nach Kaffee und Stärkung, dann hieß es ab in den Schatten und warten, bis 14 Uhr der musikalische Alltag weiterging.
Als erste Band des Tages sollten CALLEJON im Hardbowl spielen. Da sich deren Drummer jedoch kurz zuvor das Handgelenk brach und sofort ins Krankenhaus musste, blieb der Band nix anderes übrig, als sich zu entschuldigen und auf spätere Konzerte zu vertrösten. Für Drummer Bodo wurde noch eine Videobotschaft aufgenommen, dann war Stille im gut gefüllten Zelt. An dieser Stelle gute Besserung.
Infolge dessen hieß es für uns auf zur Mainstage und den spielenden Bands lauschen, bis MAKE IT COUNT die Tentstage unsicher machten. Benachteiligt durch die Absage von Callejon spielten sie vor einer kleineren Menge, als erwartet. Das hielt die Berliner Band jedoch nicht davon ab, mit "Make It Count" ordentlich loszupreschen. Auf der Bühne gings ziemlich energirsch zur Sache und auch im Publikum reihte sich Circle Pit an Circle Pit. Zum Abschluss gabs noch "Everyday Life", dann war die Zeit auch leider schon wieder rum.
NARZISS nutzten die gute Stimmung in der Menge aus und kamen nach einem Klavierintro mit einem Powerstart auf die Bühne. Callejon-Sänger Basti konnte sich auf dem With Full Force doch noch verausgaben, denn beim Song "Entstelltes Bild" durfte er die Band tatkräftig unterstützen. Das Publikum brodelte fleißig im Circle Pit und wir versorgten uns mit Flüssigkeit, um die Sonne vor der Mainstage auszuhalten.
ALL SHALL PERISH zogen eine beträchtliche Masse vor die Bühne. Die amerikanische Deathcore-Band holte alles aus ihren Instrumenten und schmetterte mit gewaltigen Klangwellen auf die immer größer werdenden Circle Pits ein. "Never Again...", "Black Gold Reign", "Deconstruction", "Wage Slaves" und "Better Living Through Catastrophe" wurden von Sänger Hernan druckvoll herausgekeift, es wurde derart kräftig in die Saiten gehauen, dass die Leinwand vibriert und der Drummer prügelte ohnegleichen auf sein Schlagzeug ein. Hernan zettelte eine Wall Of Death an und sprach sein Urteil, über die wenigen, die in der Mitte stehen blieben. 1,2,3 - und es wurde derbst aufeinander eingeprasselt. Sehr imposant, aber bei 35 Grad muss das ein Gefühl wie Popkorn in der Mikrowelle sein. Zum Schluss gab es noch einen Ausblick auf das kommende Album, gemeinschaftliches Quieken, dann war der Trip vorbei.
SUICIDAL TENDENCIES waren der nostalgische Höhepunkt des With Full Force. Mit "You Can't Bring Me Down", "War Inside My Head", "Subliminal" und "Send Me Your Money" bewies Springteufel Mike Muir, dass er trotz vorangeschrittenen Alters Kilometer marschieren kann - und das mit einer Energie, die einfach umhaut. Die Band liefert Oldschool-Hardcore vom Feinsten und auch wenn die Besetzung im Laufe der Jahre fast komplett ausgetauscht wurde - die Qualität ist hervorragend. Nach "Possessed To Skate" folgt sozusagen als Sahnehäubchen "Pledge Your Allegiance" zusammen mit dem Statement "Fuck The Security!". Die hatte daraufhin einiges zu tun: Etwa 100 Fans enterten daraufhin die Mainstage, plärrten den Song lauthals mit und hatten Spaß.
Nun kam die Zeit der Entscheidung: Seh ich mir SEPULTURA oder BRING ME THE HORIZON an? Da ich SEPULTURA bereits live gesehen hatte, fiel meine Entscheidung zugunsten der Tentstage aus. Das war auch kein Fehler: Berstend voll in Erwartung auf ein Schlachtfest hielten sich die Fans bereit - mit hoher weiblicher Quote. Der erste Ton von "Diamonds Aren't Forever" erklang, die Band platzte nach vorn und die Bühne wurde außer Acht gelassen - stattdessen stürmten Sänger Oliver Sykes, der neue Gitarrist Jona Weinhofen (vorher bei Bleeding Through und I Killed The Prom Queen) und Bassist Matt Kean direkt zu Absperrung, um mit den Fans auf Tuchfühlung zu gehen. Die Securities hatten viel zu tun, denn es wurde derartig gezogen und gezerrt, dass die Bandmitglieder kaum zu halten waren. Kein Wunder, um die junge britische Band hat sich ein extremer Hype entwickelt. Der ist aber durchaus gerechtfertigt, denn an der Performance können sich andere Bands eine Scheibe abschneiden und der Sound kam derartig derb aus der Box gehämmert, dass es einfach mörderisch Spaß machte, zu "Pray For Plagues", "The Comedown", "Sleep With One Eye Open" und "Braile" die Sau rauszulassen. Zum Abschied mit "Chelsea Smile" hatte Jona offenbar Lust auf eine neue Perspektive, kletterte auf das Lichtgerüst und spielte in luftiger Höhe sein Solo. Alles in Allem ein ausgezeichneter Auftritt und sehr sehenswert!
Da das Hardbowl sowieso schon aus allen Nähten platzte, blieb den Neuankömmlingen, die sich WALLS OF JERICHO gönnen wollten, nicht anderes übrig, als am Rande des Zeltes Stellung zu beziehen. Die Detroiter Band mit der charismatischen Sängerin Candance, diesmal in Tanktop und knappes Röckchen gehüllt, legte mit Brachialgewalt das Zelt auseinander. Das in dem Auftritt Leidenschaft steckte, bewies die Resonanz der Menge: fliegende Körperteile, so weit das Auge reicht. Zu "A Trigger Full Of Promises", "I Know Hollywood And You Ain't It", "Revival Never Goes Out Of Style" und "A Day And A Thousand Tears" zettelt Energiebündel Candance eine Circle Pit nach der nächsten an. "The American Dream" bildete den Schluss, WALLS OF JERICHO hinterlassen bleibende Eindrücke und haben sich wirklich zurecht den Platz als Headliner der Tentstage gesichert.
Am Freitag die Norweger, am Samstag die Schweden: AMON AMARTH erschienen nach einem theatralischen Intro auf der Bühne und blicken auf ein prall gefülltes Gelände vor der Mainstage. Losgelegt wird mit "Twilight Of The Thundergod", die Stimmung im Publikum sofort auf dem Höhepunkt. Der gut gelaunte Johann Hegg fragt auf Deutsch nach dem Befinden und grinst von einem Ohr zum anderen, bevor "Varyags Of Miklagaard" und "Guardians Of Asgaard" Öl ins Feuer gießen. Heiß her geht es auch auf der Bühne, ein flammendes Inferno bricht los und Feuerregen unterstützt eindrucksvoll die Performance. Nach "Victorious March'" und "With Oden On Your Side" genehmigt sich Johann einen kräftigen Schluck aus seinem Horn: "Aaaahhh – Deutsches Bier! Das Beste der Welt", ein Schmunzeln und weiter geht es mit "Live For The Kill". Den krönenden Abschluss bildet "Death On Fire", bei dem die Pyrotechniker ein letztes Mal alle Geschütze auffahren.
Bühne frei für HATEBREED! Wir freuen uns mit Jamey Jasta, der es immer noch nicht fassen konnte, als Headliner auf der Bühne zu stehen. Nach einem düsteren Intro ging es los mit "Doomsayer". Mit Energie und Brutalität wurde der Acker zu einem riesigen, tobenden Pit. "Never Let It Die", "Before Dishonour", "To The Treshold", "As Diehard As They Come" und "Last Breath" feuerten die nötigen Hassbolzen ab, um die Stimmung weiter anzuheizen - sofern das überhaupt noch möglich war. Ungewöhnlich für HATEBREEDs Hardcore-Metal sind die Rauchsäulen samt Flammen. "Proven", "Beholder Of Justice", "Straight To Your Face" und "This Is Now" verwandelten die wabernden Massen in ein hüpfendes Meer. Jamey schaute wachsam über die Circle Pit und rief zu gegenseitigem Respekt auf. Nach "Perseverance" und "Live For This" verabschiedete sich die Band, doch das reichte bei Weitem nicht! Als Zugabe donnerten "I Will Be Heard" und "Destroy Everything" über den Acker - eine super Leistung wie es sich für einen Headliner gehört.
Für uns ging es wieder ins Zelt, um zum SATURDAY NIGHT FEVER mit einer gehörigen Portion Rock'n'Roll den Abend abzuschließen.
THE CARBURETORS legten eine heiße Show hin und wissen, wie man mitreißt. Der Spaß, den sie am Auftritt hatten, war deutlich zu spüren und so machte es auch Spaß, zu "Burning Rubber", "Crank It Up", "Rock'n'Roll Forever" und "God Damn" das Tanzbein zu schwingen. Frontmann Eddie Guz hatte die Menge im Griff und Gitarrist Kai Kidd zog als Rampensau die Blicke auf sich, indem er auf die Boxen kletterte, einen Funkenregen aus seiner Gitarre zauberte und Feuer spuckte. "Whole Town is shakin'", "Terrified", "All Alone" und "Fire it Up" wurden auf die Lauscher geknallt und durch entsprechend Pyrotechnik unterstützt. "Allright, Allright" und "Burnout" bildeten den Abschluss des Konzerts und wir gingen um eine Erfahrung bereichert hinaus: Diese Band hats live einfach drauf!
Wesentlich weniger los war bei RENO DIVORCE. Obwohl sich die Band alle Mühe gab, konnte die gute Stimmung, die im Vorfeld herrschte, nicht wirklich erhalten werden und so verzogen auch wir uns nach der Nahrungsbeschaffung zum Zelt.
Sonntag:
Sonntagmorgen...Was für eine Freude, das letzte Mal in einem brütend heißen Zelt aufwachen! Nachdem der See wieder prallgefüllt war tingelten gegen 13.30 Uhr die Ersten zur Hauptbühne, um sich die Spaßtruppe ELSTERGLANZ anzsehen. Wir hatten noch ein wenig Zeit, bevor AUGUST BURNS RED den Hardbowl eröffneten. Mit einer schweißtreibenden Show fegte die Band über die Bühne und ließ die Masse im Zelt rotieren. Sänger Jake schrie sich zu "Backburner" und "Truth Of A Liar" die Lunge aus dem Leib, während die Fans sich für den Terminal Day warmmoshten.
THE SORROW aus Österreich heizten der Meute vor der Tentstage weiter ein. Mit ihrem Album "Origin Of The Storm" im Gepäck gab es erhöhtes Circle Pit-Aufkommen zu "Where Is The Sun", "My Immortal Guardian" und "Day Of The Lord". Die gute Laune der Band machte sich auch im Publikum breit und so wurde den Aufforderungen zum Crowdsurfen und der Wall Of Death promt nachgekommen. Doch nicht nur die neuen Songs konnten überzeugen, auch älteres Material wie "Elegy/The Dagger Thrust", "Knights Of Doom" und "Death From A Lovers Hand" brachten Bewegung vor und auf die Bühne.
Aller guten Dinge sind drei - und so freuten wir uns über die dritte Band des Tages: Die Briten von ARCHITECTS brachten mit "Numbers Count For Nothing", "Always", "Borrowed Time" und "Follow The Water" den Hardbowl in Rage. Sänger Sam legte sich mächtig ins Zeug und brüllte sich wahrhaft die Seele aus dem Leib. Als letzter Song wurde der Masse "Early Grave" entgegengeprescht, dann waren die kurzen 35 Minuten Spielzeit leider schon wieder vorbei.
Auf gings zur Mainstage, denn dort spielten die Australier von PARKWAY DRIVE. Die Band zog eine beträchtliche Menge vor die Bühne und enttäuschte auch nicht bei der Performance: "Carrion", "Dead Man's Chest", "Boneyards" und "Smoke 'Em If Ya Got 'Em" bretterten aus den Boxen und schickten eine Klangwelle über den Acker, auf der - stilecht für Australier - eine ganze Menge Crowdsurfer nach vorn getragen wurden. Die Band hatte sichtlich Spaß am Auftritt und agierte auch sehr publikumsnah, zur Freude der Fans, die sich nicht zweimal zu einer Circle Pit auffordern ließen. Mit "Feed Them To The Pigs", "The Siren's Song" und "Idols And Anchors" ging es weiter durch ihr zweites Album "Horizons". Öl ins Feuer goss zuletzt der Rausschmeißer "Romance Is Dead" von ihrem Debütalbum "Killing with A Smile", der die Menge noch einmal zum Ausrasten brachte.
Ruhiger und ehrlicher ging es bei IGNITE zu. Mit "Bleeding", "Let It Burn", "Who Sold Out Now" und "Live For Better Days" wird zur Gefühlsfahrt eingeladen. Sänger Zoli macht vor seinen Fans kein Geheimnis daraus, Krebs überlebt zu haben und ergreift auch die Chance, auf seine sozialen Engagements aufmerksam zu machen, bevor "Run", "Sunday Bloody Sunday" und "Veteran" selbst die Härtesten auf einen weichen Kern reduzieren.
Wir verbleiben vor der Mainstage und freuen uns auf: DOWN! Die Allstar-Band mit den Herren, die älter aussehen, als sie eigentlich sind und feinsten Südstaatenrock zelebrierte, lieferte eine grandiose Show ab. Mit Songs wie "N.O.D.", "New Orleans Is A Dying Whore", "Hail The Leaf" und "Stone The Crow" donnerten dem Publikum nicht nur die starken Riffs von Pepper Keenan und Kirk Windstein entgegen, sondern auch die schweren Grooves von Rex Brown und Jimmy Bower. Frontmann Phil Anselmo, der auf der Charisma-Skala des Metal ganz oben kreist, hatte das Publikum fest im Griff und zeigte eine Bühnenpräsenz wie kein Zweiter. Doch nicht nur die Band genießt die heiße Atmosphäre des Tages, während "Bury Me In Smoke" dürfen sogar die Roadies das Ruder in die Hand nehmen. Offenbar gefiel Phil die Bühne so gut, dass er a capella noch Led Zeppelins "Stairway To Heaven" anstimmte und es vom Publikum singen ließ. DOWN waren für mich definitiv das Highlight des Tages und sind einfach nur empfehlenswert!
Der Co-Headliner des Tages betrat im Anschluss die Bühne: SOCIAL DISTORTION. Die Band um Frontmann Mike Ness tischte mit 30 Jahren Erfahrung ein Punkrock-Häppchen nach dem anderen auf, auf die sich die Fans gierig stürzten. Mit "Another State Of Mind", "Mommys Little Monster", "Don't Drag Me Down" und dem Johnny Cash-Cover "Ring Of Fire" wurden ein paar Klassiker serviert. Die Performance der Band hat mich allerdings nicht wirklich überzeugt, auch bei einer Vielzahl des Publikums sprang nicht wirklich der Funke über. Nachdem als letzter Song "The Story Of My Life" geschmettert wurde, verschwand die Band ohne Abschied von der Bühne.
Und noch eine lebende Legende hat sich einen Platz als Headliner auf dem With Full Force ergattert - die Rede ist dabei von niemand geringerem als Lemmy Kilmister und seiner Band MOTÖRHEAD. Gut betankt stieg die Band mit der obligatorischen Ansage "Hi, we're MOTÖRHEAD and we play Rock'n'Roll" in ihr Programm ein. In 90 Minuten gewohnt minimalistischer Bühnenshow wurden unter anderem "Iron Fist", "Stay Clean", "Be My Baby" und "Metropolis" geboten. Auf "Another Perfect Day" folgte "In The Name Of Tragedy", das auch ein unglaubliches Drum-Solo von Mikkey Dee enthielt. Nach "Killed By Death" ist vorerst Schicht im Schacht, bevor sich die Herren noch einmal die Ehre zu "Ace Of Spades" und "Overkill" gaben.
THE LAST SUPPER bot dann noch ein paar richtig tolle Bands zum Ausklang des Festivals. Den Anfang machte END OF GREEN. Die Stuttgarter um Sänger Michelle Darkness hatten zwar verhältnismäßig wenig Publikum, da MOTÖRHEAD ihr Set um einiges überzogen, lieferten jedoch eine gelungene Show in düster-melancholischer Atmosphäre ab. Mit "Killhoney" und "Demons" sorgte die Band für entspannte Abschiedsstimmung und legte mit "Death In Veins" einen von Gänsehaut gespickten Abgang hin.
Ein letztes Highlight bildeten für uns die Briten von MY DYING BRIDE. Die Band um Frontmann Aaron Stainthorpe, der die epischen Texte durch leidvolle Gesten dramatisch zur Wirkung bringt, bringt Doom Metal vom Feinsten eindrucksvoll auf den Punkt. "Fall With Me" und "Bring Me Victory" ziehen das Publikum ebenso in ihren Bann wie "From Darkest Skies" und "And I Walk With Them". Depressiv ist hierbei schon fast nicht genug, MY DYING BRIDE bieten eine Atmosphäre, die kaum in Worte zu fassen ist. Aaron stirbt tausend Tode auf der Bühne, während die restlichen Bandmitglieder, in ihr Spiel versunken, fast regungslos dastehen und in einigen Parts dennoch bangfähig erscheinen. "Turn loose the Swans" und "The Cry of Mankind" ließen keine Langeweile zu und rissen einfach mit. Das letzte Lied, "My Body, A Funeral", bildete einen gelungen Abschluss der Band, die einen Querschnitt durch ihre gesamte Bandgeschichte lieferte und mit ihrem Auftritt einen atemberaubenden Eindruck hinterließ.
ANATHEMA ließen uns dann eine ganze Weile warten, da beim Soundcheck nicht alles glatt lief. Gefühlvoll brachte die Band ihre Mischung aus Doom Metal und Alternative Rock unter das verbliebene Volk und sorgte somit für die letzten Gänsehautmomente eines grandiosen Festivalwochenendes. "Shroud Of False", "Fragile Dreams", "Empty" und "Lost Control" konnten wir noch mitnehmen, bevor wir mit einer Träne im Knopfloch das Zelt verlassen und unsere sieben Sachen Packen mussten. Mitten in der Nacht schwer bepackt über den Acker zu trotten und fast von MOTÖRHEAD umgefahren zu werden, ist schon eine Sache für sich
Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste With Full Force, da dessen makellose Organisation mit einem grandiosen Line Up, freundlichen Securities und einem interessanten 'Schmelztiegel' zwischen Metal, Hardcore und Punk bestechen konnte.
Donnerstag:
Bereits am Donnerstagabend war die Stimmung am brodeln, in den gigantischen Ausmaßen des Zeltplatzes wurde entsprechend gefeiert und getorkelt, der Bierhahn lief im Dauerbetrieb und der Alkohol wurde scharenweise durch die Hände gereicht. Vor dem Einlass zum Festivalgelände gaben sich neben Fressbudenbetreibern DJs die Klinke in die Hand und veranlassten die Metalwütigen bis in die frühen Morgenstunden zu Aufwärmübungen der Nackenmuskulatur. Leider wird die erste Nacht auch von einem Todesfall überschattet, bei dem eine 23jährige wohl an einer Kohlenmonoxidvergiftung in ihrem Zelt gestorben ist. Dies war jedoch der erste Fall im Rahmen des Festivals und wurde von den Festivalbesuchern kaum registriert, so dass der Vorfall der ausgelassenen Stimmung keinen Abbruch tat.
Freitag:
Am Freitagmorgen war die Hitze so unerträglich, dass man lieber aus dem Zelt flüchtete als paniert zu werden. Was machten wir also - richtig, wir inspizierten das Festivalgelände. Neben unzähligen Futterbuden aller kulinarischen Richtungen gab es Merchandise en masse für das Fanherz und auch Piercing- und Tattooareale fanden Einzug ins Gelände. Für entsprechende Abkühlung sorgten diverse Stände mit moderaten Preisen. Abseits von der Shoppinglaune kam auch der Spaß nicht zu kurz, denn neben Skatern und Freestyle-Motocross konnten sich die Musikliebhaber im Rockband-Zelt die Luftgitarre um die Ohren knallen oder beim Bullriding die Sau raus lassen. Selbst ein Paintball-Areal wurde abgesteckt - was will man mehr?
Pünktlich um 14.30 Uhr wurde das Festival durch FACEBREAKER mit einer gehörigen Portion Deathmetal eröffnet und spätestens jetzt war von Müdigkeit nichts mehr zu spüren.
Die niederprasselnde Sonne veranlasste uns allerdings dazu Schutz im schattenspendenden Hardbowl zu suchen, da wir sowieso als erstes MYRA ansehen wollten. Offenbar waren wir mit dieser Idee nicht allein und so startete die Band nach einem Intro mit dem Opener "Bitter Taste Kiss" energiegeladen ins With Full Force. Bereits beim zweiten Song "Third Rate Violation" schmiss die vordere Hälfte des Hardbowls ausgelassen mit den Gliedmaßen um sich und Sänger Sebastian ließ es sich nicht nehmen, das Wirrwarr in eine Richtung zu lenken - Circle Pit, meine Damen und Herren! "Trigger Happy" steigerte die Stimmung weiter, doch "New Blood Will Run" setzte dem Ganzen die Krone auf - mitten im Lied fiel die Elektronik aus, aber die Meute brüllte den bereits begonnenen Refrain derartig laut mit, dass der Fehler locker überspielt werden konnte und der Performance keinen Abbruch tat. "Eternal Mayhem" wurde von einer mächtigen Wall Of Death auf den Punkt gebracht. Bei einem 35minütigen Set ist das Ende leider schnell erreicht, so verabschiedeten sich die Leipziger nach dem Song "Commited Mass Suicide" mit einer riesigen Circle Pit zu "Forsaken By Silence". Ein genialer Auftakt für das With Full Force 2009.
Erwartungsvoll trotteten wir in der Hitze zur Mainstage, um dem Auftritt von STATIC-X beizuwohnen, die aufgrund eines in Flammen aufgegangenen Tourbusses vor zwei Jahren ihren Auftritt beim With Full Force canceln mussten. Das Gelände vor der Mainstage war gut gefüllt, doch leider fiel die Performance der Amis um Nadelkissen-Kopf Wayne Static im Gegensatz zu dem 'lebhaften Treiben' im Hardbowl eher ruhig aus. Einzig der Bassist, Tony Campos, der bereits Full Force-Erfahrung mit Ministry sammeln konnte, bewegte sich etwas mehr. Mit "Push It","I'm With Stupid" und "Black & White" wurden eher ältere Songs gespielt, die bei den Fans einiges an Energie freisetzten. Auch "Cold" erklang und als die Luft zu staubig wurde, versorgte Waynes Frau Tera die Band mit Getränken und Tanzeinlagen im Hintergrund. Trotz erheblicher technischer Schwierigkeiten lieferten STATIC-X eine souveräne Show ab.
Als nächstes spielten DEVILDRIVER - mit im Gepäck ihr neues Album "Pray For Villains" - in der sengenden Hitze. Mit "Clouds Over California" gelang der Band ein guter Einstieg und auch mit "Not All Who Wander Are Lost" gelang es den Herren um Dez Fafara vor der Bühne für einige Action zu sorgen, doch leider wurde das Klangspektakel durch den miesen Sound getrübt, was auf der Bühne nicht gerade für beste Laune sorgte. Die Headbanger und Crowdsurfer ließen sich davon jedoch nicht beirren und drehten zu "Hold Back The Day", "These Fighting Words" und "Meet The Wretched" ordentlich auf.
Die niederländischen LEGION OF THE DAMNED sorgten durch eine geballte Ladung Thrash Metal mit weitaus besserem Sound für haariges Vergnügen. Sänger Maurice tigerte hinter seinem blonden Haarvorhang über die Bühne und versuchte gleich zu Beginn mit "Death's Head March" und "Son Of The Jackal" das deutsche Publikum für sich zu gewinnen. Zu "Slaughtering The Pigs" bildete sich immerhin eine kleine Circle Pit bevor die Band sich mit einem durch die Fans unterstützten "Legion Of The Damned" verabschiedete.
Sehr gespannt waren wir auch auf MASTODON, auch wenn zeitgleich auf der Tentstage MAROON zum Moshen einluden. Das Können der vier Amerikaner steht wohl außer Frage und so bietet das With Full Force einen guten Rahmen, das neue Album "Crack The Skye" live zu präsentieren. Mit Songs wie "I Am Ahab" und "Blood And Thunder" zeigten MASTODON, dass sie wissen, wie sie das Publikum mitreißen können. Technisch einwandfreie Riffs hinterließen zwar Eindruck, aber von der Performance wäre mehr zu erwarten gewesen. Troy, Brent und Bill waren mehr darauf bedacht, das Set absolut fehlerfrei durchzubringen, was teilweise konzentrierte Blicke auf die Instrumente nach sich zog, weniger Interaktion mit der Masse. Die gelegentlichen Posen, in denen Troy spielte, beeindruckten dafür ebenso, wie der häufige Gitarrenwechsel.
Das Hardbowl platzte derweil aus allen Nähten, denn dort standen als Nächste COMEBACK KID auf dem Programm. Ohne viel Geplänkel legten die Kanadier um Sänger Andrew Neufeld einen Powerstart hin - logisch, dass es da nicht einmal eine halbe Minute dauert, bis die ersten Crowdsurfer im Sekundentakt im Graben landeten. Die obligatorische Circle Pit blieb ebenfalls nicht aus und spätestens beim abschließenden "Wake The Dead" gab es kein Halten mehr, die Securities hatten alle Hände voll zu tun und ein ohrenbetäubendes Mitgröhlen bereitete der Band einen gefeierten Abschied.


Den Rest konnte man sich jetzt noch zur KNÜPPELNACHT geben, bei der bis in die frühen Morgenstunden Pestilence, God Seed, Asphyx, Helheim, Vader und Eisregen auftrumpften. Ziemlich hungrig und zudem erschöpft von der Hitze machten wir uns allerdings auf die Pirsch nach etwas Essbarem und mussten unser Vorhaben, knallhart durchzufeiern an den Nagel hängen.
Samstag:
Samstagmorgen brannte die Sonne erbarmungslos weiter. Also raus aus dem Zelt, frische Luft geschnappt und ein bisschen in der Sonne gebraten. Der nebenanliegende Baggersee war gut frequentiert, so dass das zugängliche Ufer aus einer einzigen Menschenmasse bestand. Wir machten uns erst einmal auf die Suche nach Kaffee und Stärkung, dann hieß es ab in den Schatten und warten, bis 14 Uhr der musikalische Alltag weiterging.
Als erste Band des Tages sollten CALLEJON im Hardbowl spielen. Da sich deren Drummer jedoch kurz zuvor das Handgelenk brach und sofort ins Krankenhaus musste, blieb der Band nix anderes übrig, als sich zu entschuldigen und auf spätere Konzerte zu vertrösten. Für Drummer Bodo wurde noch eine Videobotschaft aufgenommen, dann war Stille im gut gefüllten Zelt. An dieser Stelle gute Besserung.
Infolge dessen hieß es für uns auf zur Mainstage und den spielenden Bands lauschen, bis MAKE IT COUNT die Tentstage unsicher machten. Benachteiligt durch die Absage von Callejon spielten sie vor einer kleineren Menge, als erwartet. Das hielt die Berliner Band jedoch nicht davon ab, mit "Make It Count" ordentlich loszupreschen. Auf der Bühne gings ziemlich energirsch zur Sache und auch im Publikum reihte sich Circle Pit an Circle Pit. Zum Abschluss gabs noch "Everyday Life", dann war die Zeit auch leider schon wieder rum.
NARZISS nutzten die gute Stimmung in der Menge aus und kamen nach einem Klavierintro mit einem Powerstart auf die Bühne. Callejon-Sänger Basti konnte sich auf dem With Full Force doch noch verausgaben, denn beim Song "Entstelltes Bild" durfte er die Band tatkräftig unterstützen. Das Publikum brodelte fleißig im Circle Pit und wir versorgten uns mit Flüssigkeit, um die Sonne vor der Mainstage auszuhalten.
ALL SHALL PERISH zogen eine beträchtliche Masse vor die Bühne. Die amerikanische Deathcore-Band holte alles aus ihren Instrumenten und schmetterte mit gewaltigen Klangwellen auf die immer größer werdenden Circle Pits ein. "Never Again...", "Black Gold Reign", "Deconstruction", "Wage Slaves" und "Better Living Through Catastrophe" wurden von Sänger Hernan druckvoll herausgekeift, es wurde derart kräftig in die Saiten gehauen, dass die Leinwand vibriert und der Drummer prügelte ohnegleichen auf sein Schlagzeug ein. Hernan zettelte eine Wall Of Death an und sprach sein Urteil, über die wenigen, die in der Mitte stehen blieben. 1,2,3 - und es wurde derbst aufeinander eingeprasselt. Sehr imposant, aber bei 35 Grad muss das ein Gefühl wie Popkorn in der Mikrowelle sein. Zum Schluss gab es noch einen Ausblick auf das kommende Album, gemeinschaftliches Quieken, dann war der Trip vorbei.
SUICIDAL TENDENCIES waren der nostalgische Höhepunkt des With Full Force. Mit "You Can't Bring Me Down", "War Inside My Head", "Subliminal" und "Send Me Your Money" bewies Springteufel Mike Muir, dass er trotz vorangeschrittenen Alters Kilometer marschieren kann - und das mit einer Energie, die einfach umhaut. Die Band liefert Oldschool-Hardcore vom Feinsten und auch wenn die Besetzung im Laufe der Jahre fast komplett ausgetauscht wurde - die Qualität ist hervorragend. Nach "Possessed To Skate" folgt sozusagen als Sahnehäubchen "Pledge Your Allegiance" zusammen mit dem Statement "Fuck The Security!". Die hatte daraufhin einiges zu tun: Etwa 100 Fans enterten daraufhin die Mainstage, plärrten den Song lauthals mit und hatten Spaß.
Nun kam die Zeit der Entscheidung: Seh ich mir SEPULTURA oder BRING ME THE HORIZON an? Da ich SEPULTURA bereits live gesehen hatte, fiel meine Entscheidung zugunsten der Tentstage aus. Das war auch kein Fehler: Berstend voll in Erwartung auf ein Schlachtfest hielten sich die Fans bereit - mit hoher weiblicher Quote. Der erste Ton von "Diamonds Aren't Forever" erklang, die Band platzte nach vorn und die Bühne wurde außer Acht gelassen - stattdessen stürmten Sänger Oliver Sykes, der neue Gitarrist Jona Weinhofen (vorher bei Bleeding Through und I Killed The Prom Queen) und Bassist Matt Kean direkt zu Absperrung, um mit den Fans auf Tuchfühlung zu gehen. Die Securities hatten viel zu tun, denn es wurde derartig gezogen und gezerrt, dass die Bandmitglieder kaum zu halten waren. Kein Wunder, um die junge britische Band hat sich ein extremer Hype entwickelt. Der ist aber durchaus gerechtfertigt, denn an der Performance können sich andere Bands eine Scheibe abschneiden und der Sound kam derartig derb aus der Box gehämmert, dass es einfach mörderisch Spaß machte, zu "Pray For Plagues", "The Comedown", "Sleep With One Eye Open" und "Braile" die Sau rauszulassen. Zum Abschied mit "Chelsea Smile" hatte Jona offenbar Lust auf eine neue Perspektive, kletterte auf das Lichtgerüst und spielte in luftiger Höhe sein Solo. Alles in Allem ein ausgezeichneter Auftritt und sehr sehenswert!
Da das Hardbowl sowieso schon aus allen Nähten platzte, blieb den Neuankömmlingen, die sich WALLS OF JERICHO gönnen wollten, nicht anderes übrig, als am Rande des Zeltes Stellung zu beziehen. Die Detroiter Band mit der charismatischen Sängerin Candance, diesmal in Tanktop und knappes Röckchen gehüllt, legte mit Brachialgewalt das Zelt auseinander. Das in dem Auftritt Leidenschaft steckte, bewies die Resonanz der Menge: fliegende Körperteile, so weit das Auge reicht. Zu "A Trigger Full Of Promises", "I Know Hollywood And You Ain't It", "Revival Never Goes Out Of Style" und "A Day And A Thousand Tears" zettelt Energiebündel Candance eine Circle Pit nach der nächsten an. "The American Dream" bildete den Schluss, WALLS OF JERICHO hinterlassen bleibende Eindrücke und haben sich wirklich zurecht den Platz als Headliner der Tentstage gesichert.
Am Freitag die Norweger, am Samstag die Schweden: AMON AMARTH erschienen nach einem theatralischen Intro auf der Bühne und blicken auf ein prall gefülltes Gelände vor der Mainstage. Losgelegt wird mit "Twilight Of The Thundergod", die Stimmung im Publikum sofort auf dem Höhepunkt. Der gut gelaunte Johann Hegg fragt auf Deutsch nach dem Befinden und grinst von einem Ohr zum anderen, bevor "Varyags Of Miklagaard" und "Guardians Of Asgaard" Öl ins Feuer gießen. Heiß her geht es auch auf der Bühne, ein flammendes Inferno bricht los und Feuerregen unterstützt eindrucksvoll die Performance. Nach "Victorious March'" und "With Oden On Your Side" genehmigt sich Johann einen kräftigen Schluck aus seinem Horn: "Aaaahhh – Deutsches Bier! Das Beste der Welt", ein Schmunzeln und weiter geht es mit "Live For The Kill". Den krönenden Abschluss bildet "Death On Fire", bei dem die Pyrotechniker ein letztes Mal alle Geschütze auffahren.


THE CARBURETORS legten eine heiße Show hin und wissen, wie man mitreißt. Der Spaß, den sie am Auftritt hatten, war deutlich zu spüren und so machte es auch Spaß, zu "Burning Rubber", "Crank It Up", "Rock'n'Roll Forever" und "God Damn" das Tanzbein zu schwingen. Frontmann Eddie Guz hatte die Menge im Griff und Gitarrist Kai Kidd zog als Rampensau die Blicke auf sich, indem er auf die Boxen kletterte, einen Funkenregen aus seiner Gitarre zauberte und Feuer spuckte. "Whole Town is shakin'", "Terrified", "All Alone" und "Fire it Up" wurden auf die Lauscher geknallt und durch entsprechend Pyrotechnik unterstützt. "Allright, Allright" und "Burnout" bildeten den Abschluss des Konzerts und wir gingen um eine Erfahrung bereichert hinaus: Diese Band hats live einfach drauf!
Wesentlich weniger los war bei RENO DIVORCE. Obwohl sich die Band alle Mühe gab, konnte die gute Stimmung, die im Vorfeld herrschte, nicht wirklich erhalten werden und so verzogen auch wir uns nach der Nahrungsbeschaffung zum Zelt.
Sonntag:
Sonntagmorgen...Was für eine Freude, das letzte Mal in einem brütend heißen Zelt aufwachen! Nachdem der See wieder prallgefüllt war tingelten gegen 13.30 Uhr die Ersten zur Hauptbühne, um sich die Spaßtruppe ELSTERGLANZ anzsehen. Wir hatten noch ein wenig Zeit, bevor AUGUST BURNS RED den Hardbowl eröffneten. Mit einer schweißtreibenden Show fegte die Band über die Bühne und ließ die Masse im Zelt rotieren. Sänger Jake schrie sich zu "Backburner" und "Truth Of A Liar" die Lunge aus dem Leib, während die Fans sich für den Terminal Day warmmoshten.
THE SORROW aus Österreich heizten der Meute vor der Tentstage weiter ein. Mit ihrem Album "Origin Of The Storm" im Gepäck gab es erhöhtes Circle Pit-Aufkommen zu "Where Is The Sun", "My Immortal Guardian" und "Day Of The Lord". Die gute Laune der Band machte sich auch im Publikum breit und so wurde den Aufforderungen zum Crowdsurfen und der Wall Of Death promt nachgekommen. Doch nicht nur die neuen Songs konnten überzeugen, auch älteres Material wie "Elegy/The Dagger Thrust", "Knights Of Doom" und "Death From A Lovers Hand" brachten Bewegung vor und auf die Bühne.
Aller guten Dinge sind drei - und so freuten wir uns über die dritte Band des Tages: Die Briten von ARCHITECTS brachten mit "Numbers Count For Nothing", "Always", "Borrowed Time" und "Follow The Water" den Hardbowl in Rage. Sänger Sam legte sich mächtig ins Zeug und brüllte sich wahrhaft die Seele aus dem Leib. Als letzter Song wurde der Masse "Early Grave" entgegengeprescht, dann waren die kurzen 35 Minuten Spielzeit leider schon wieder vorbei.
Auf gings zur Mainstage, denn dort spielten die Australier von PARKWAY DRIVE. Die Band zog eine beträchtliche Menge vor die Bühne und enttäuschte auch nicht bei der Performance: "Carrion", "Dead Man's Chest", "Boneyards" und "Smoke 'Em If Ya Got 'Em" bretterten aus den Boxen und schickten eine Klangwelle über den Acker, auf der - stilecht für Australier - eine ganze Menge Crowdsurfer nach vorn getragen wurden. Die Band hatte sichtlich Spaß am Auftritt und agierte auch sehr publikumsnah, zur Freude der Fans, die sich nicht zweimal zu einer Circle Pit auffordern ließen. Mit "Feed Them To The Pigs", "The Siren's Song" und "Idols And Anchors" ging es weiter durch ihr zweites Album "Horizons". Öl ins Feuer goss zuletzt der Rausschmeißer "Romance Is Dead" von ihrem Debütalbum "Killing with A Smile", der die Menge noch einmal zum Ausrasten brachte.
Ruhiger und ehrlicher ging es bei IGNITE zu. Mit "Bleeding", "Let It Burn", "Who Sold Out Now" und "Live For Better Days" wird zur Gefühlsfahrt eingeladen. Sänger Zoli macht vor seinen Fans kein Geheimnis daraus, Krebs überlebt zu haben und ergreift auch die Chance, auf seine sozialen Engagements aufmerksam zu machen, bevor "Run", "Sunday Bloody Sunday" und "Veteran" selbst die Härtesten auf einen weichen Kern reduzieren.

Der Co-Headliner des Tages betrat im Anschluss die Bühne: SOCIAL DISTORTION. Die Band um Frontmann Mike Ness tischte mit 30 Jahren Erfahrung ein Punkrock-Häppchen nach dem anderen auf, auf die sich die Fans gierig stürzten. Mit "Another State Of Mind", "Mommys Little Monster", "Don't Drag Me Down" und dem Johnny Cash-Cover "Ring Of Fire" wurden ein paar Klassiker serviert. Die Performance der Band hat mich allerdings nicht wirklich überzeugt, auch bei einer Vielzahl des Publikums sprang nicht wirklich der Funke über. Nachdem als letzter Song "The Story Of My Life" geschmettert wurde, verschwand die Band ohne Abschied von der Bühne.

THE LAST SUPPER bot dann noch ein paar richtig tolle Bands zum Ausklang des Festivals. Den Anfang machte END OF GREEN. Die Stuttgarter um Sänger Michelle Darkness hatten zwar verhältnismäßig wenig Publikum, da MOTÖRHEAD ihr Set um einiges überzogen, lieferten jedoch eine gelungene Show in düster-melancholischer Atmosphäre ab. Mit "Killhoney" und "Demons" sorgte die Band für entspannte Abschiedsstimmung und legte mit "Death In Veins" einen von Gänsehaut gespickten Abgang hin.

ANATHEMA ließen uns dann eine ganze Weile warten, da beim Soundcheck nicht alles glatt lief. Gefühlvoll brachte die Band ihre Mischung aus Doom Metal und Alternative Rock unter das verbliebene Volk und sorgte somit für die letzten Gänsehautmomente eines grandiosen Festivalwochenendes. "Shroud Of False", "Fragile Dreams", "Empty" und "Lost Control" konnten wir noch mitnehmen, bevor wir mit einer Träne im Knopfloch das Zelt verlassen und unsere sieben Sachen Packen mussten. Mitten in der Nacht schwer bepackt über den Acker zu trotten und fast von MOTÖRHEAD umgefahren zu werden, ist schon eine Sache für sich
Ich freue mich auf jeden Fall auf das nächste With Full Force, da dessen makellose Organisation mit einem grandiosen Line Up, freundlichen Securities und einem interessanten 'Schmelztiegel' zwischen Metal, Hardcore und Punk bestechen konnte.






Newsletter (

Top