Surreal-Sousreal Leserperformance
Datum : 16.10.2009Location : Mainz, Peng
Kosten :
Spielzeit :
Bands :
Im Peng, einem Mainzer Kunstverein in gemütlicher Abrissatmosphäre, fand am 16.10. die Premiere der Leseperformance "Surreal-Sousreal"statt, die vom Culex Verlag in Zusammenarbeit mit den beiden Dichtern Philipp Blömeke und Chris Goellnitz vor dem Hintergrund der Buchmesse veranstaltet wurde.
Barfüßig trug der sympathische Jungautor Philipp Blömeke, der den Abend ein wenig moderierte, Texte aus seinem aktuell erschienenen Gedichtband "deine haut nah." vor, während der expressive Poet Chris Goellnitz aus seinem im November 2009 erscheinenden Gedichtband "Traumfleisch" las. Begleitet wurden die Autoren von dem Musiker Michael Schaffer, der live Soundscapes erzeugte und die Texte untermalte.
Der Surrealismus, der der Veranstaltung ihren Namen verlieh und in dessen Tradition sich vor allem Philipp Blömeke stellt, war eine künstlerische Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich der befreienden und inspirierenden Kraft der Imagination verschrieb, wie sie sich im Traum, im Märchenhaft-Wunderbaren oder auch unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen zeigt. Der Begriff setzt sich aus dem Französischen "sur" (dt. über) und "realisme" (dt. Realismus) zusammen und bedeutet entsprechend "über der Realität". Im Gegensatz dazu steht "sousreal" (sous = unter), unter deren Schirmherrschaft die Leseperformance auch stattfand: Eine Performance also im Wechselspiel über und unter der Realität, wandelnd auf Traumspuren und suchend nach dem Moment, der jenseits der Worte bleibt und den Leser in den Wald der Bedeutungsvielfalt führt, wo jeder für sich selbst den Weg hinaus finden muss.
So schreibt Blömeke, der sich konsequent dem Diktat der Großschreibung widersetzt, in seinem Vorwort zu "deine haut nah": "die möglichkeit der verwirrung ist es, die dinge für sich selbst zu entwirren, ihre bedeutungen zu übersetzen in die fugen der eigenen empfindung. darum bitte ich die fragenden: die bedeutungen für sich selbst zu schaffen."
"deine haut nah" - das sind neunundvierzig sprachliche Stillleben, in denen wir die Welt durch die Augen des vielversprechenden Dichters und Künstlerischen Leiters der Culex-Litmedia betrachten. In einem fast atemlosen stream of consciousness versucht sich Blömeke vom Determinismus zu befreien und das Wort selbst sprechen zu lassen. Intelligent und kontrastreich lässt er uns an seinen Gedanken teilhaben, konstruiert gemäß seinen Vorbildern Celan und Rimbaud seine Wirklichkeit nach seinem Empfinden und beschäftigt sich mit den Bruchstücken – oder Scherben? – unserer Welt. Dabei sortiert er nicht nach Themen oder Genres, sondern schreibt ganz in der Tradition der Surrealisten, die das Automatische Schreiben als Methode verwendeten, die Dinge und Gedanken nieder, die ihn beschäftigen: "wollt ihr den totalen krieg?"-"Yes, we can."
Chris Goellnitz, Sänger und Texter von The Beautiful Disease, die einigen vielleicht aus dem Vorprogramm von Goethes Erben ein Begriff sind, brachte durch sein expressives Auftreten einen Kontrast zu dem eher zurückhaltenden Blömeke in die Performance ein. Deutlich dramatischer und selbstbewusster in seinem Auftritt, der von jahrelanger Bühnenerfahrung zeugte, entführte er das Publikum in seine alogische Welt des Unbewussten und Verworrenen, die im Spannungsfeld von surreal-sousreal verortet werden muss und ihre Inhalte im Menschlichen und im Gefühlten sucht: "dann wandtest du mir deine schicksale zu, / ich wählte das bittre während wir lachten", oder "Wir dürsten nach Welt. Wir bestellen ein Bier/ Wir suchen nach Geld in verzweifelten Taschen / unser Glück dämmert eng in den finsteren Flaschen/ und die Stadt starrt uns an wie ein trauriges Tier".
Im Anschluss an die Lesung folgte ein Auftritt des Goellnitz-Projekts „Birdmachine“, der im Publikum jedoch auf wenig Interesse stieß und in ihrem avantgardistischen Ausdruck Geduld und Kunstverständnis der Anwesenden strapazierte. Die vorgetragenen Stücke, die nichtsdestotrotz ihre Momente hatten, folgten einem vorhersehbaren Schema und konnten die zuvor in der Lesung aufgebaute Spannung leider nicht steigern, geschweige denn krönen.
Dennoch bleibt von diesem Abend etwas Außergewöhnliches. Besonders die Blömeke-Textscherben haben mich sehr beeindruckt, und auch die Goellnitz-Gedichte transportierten gelungen den Titel der Performance. Weitere Termine werden in Kürze auf den Homepages der Autoren und der Culex-Litmedia bekannt gegeben; Blömeke ist außerdem derzeit mit seinem Programm "sprachspuren" unterwegs.
Barfüßig trug der sympathische Jungautor Philipp Blömeke, der den Abend ein wenig moderierte, Texte aus seinem aktuell erschienenen Gedichtband "deine haut nah." vor, während der expressive Poet Chris Goellnitz aus seinem im November 2009 erscheinenden Gedichtband "Traumfleisch" las. Begleitet wurden die Autoren von dem Musiker Michael Schaffer, der live Soundscapes erzeugte und die Texte untermalte.
Der Surrealismus, der der Veranstaltung ihren Namen verlieh und in dessen Tradition sich vor allem Philipp Blömeke stellt, war eine künstlerische Strömung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich der befreienden und inspirierenden Kraft der Imagination verschrieb, wie sie sich im Traum, im Märchenhaft-Wunderbaren oder auch unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen zeigt. Der Begriff setzt sich aus dem Französischen "sur" (dt. über) und "realisme" (dt. Realismus) zusammen und bedeutet entsprechend "über der Realität". Im Gegensatz dazu steht "sousreal" (sous = unter), unter deren Schirmherrschaft die Leseperformance auch stattfand: Eine Performance also im Wechselspiel über und unter der Realität, wandelnd auf Traumspuren und suchend nach dem Moment, der jenseits der Worte bleibt und den Leser in den Wald der Bedeutungsvielfalt führt, wo jeder für sich selbst den Weg hinaus finden muss.
So schreibt Blömeke, der sich konsequent dem Diktat der Großschreibung widersetzt, in seinem Vorwort zu "deine haut nah": "die möglichkeit der verwirrung ist es, die dinge für sich selbst zu entwirren, ihre bedeutungen zu übersetzen in die fugen der eigenen empfindung. darum bitte ich die fragenden: die bedeutungen für sich selbst zu schaffen."
"deine haut nah" - das sind neunundvierzig sprachliche Stillleben, in denen wir die Welt durch die Augen des vielversprechenden Dichters und Künstlerischen Leiters der Culex-Litmedia betrachten. In einem fast atemlosen stream of consciousness versucht sich Blömeke vom Determinismus zu befreien und das Wort selbst sprechen zu lassen. Intelligent und kontrastreich lässt er uns an seinen Gedanken teilhaben, konstruiert gemäß seinen Vorbildern Celan und Rimbaud seine Wirklichkeit nach seinem Empfinden und beschäftigt sich mit den Bruchstücken – oder Scherben? – unserer Welt. Dabei sortiert er nicht nach Themen oder Genres, sondern schreibt ganz in der Tradition der Surrealisten, die das Automatische Schreiben als Methode verwendeten, die Dinge und Gedanken nieder, die ihn beschäftigen: "wollt ihr den totalen krieg?"-"Yes, we can."
Chris Goellnitz, Sänger und Texter von The Beautiful Disease, die einigen vielleicht aus dem Vorprogramm von Goethes Erben ein Begriff sind, brachte durch sein expressives Auftreten einen Kontrast zu dem eher zurückhaltenden Blömeke in die Performance ein. Deutlich dramatischer und selbstbewusster in seinem Auftritt, der von jahrelanger Bühnenerfahrung zeugte, entführte er das Publikum in seine alogische Welt des Unbewussten und Verworrenen, die im Spannungsfeld von surreal-sousreal verortet werden muss und ihre Inhalte im Menschlichen und im Gefühlten sucht: "dann wandtest du mir deine schicksale zu, / ich wählte das bittre während wir lachten", oder "Wir dürsten nach Welt. Wir bestellen ein Bier/ Wir suchen nach Geld in verzweifelten Taschen / unser Glück dämmert eng in den finsteren Flaschen/ und die Stadt starrt uns an wie ein trauriges Tier".
Im Anschluss an die Lesung folgte ein Auftritt des Goellnitz-Projekts „Birdmachine“, der im Publikum jedoch auf wenig Interesse stieß und in ihrem avantgardistischen Ausdruck Geduld und Kunstverständnis der Anwesenden strapazierte. Die vorgetragenen Stücke, die nichtsdestotrotz ihre Momente hatten, folgten einem vorhersehbaren Schema und konnten die zuvor in der Lesung aufgebaute Spannung leider nicht steigern, geschweige denn krönen.
Dennoch bleibt von diesem Abend etwas Außergewöhnliches. Besonders die Blömeke-Textscherben haben mich sehr beeindruckt, und auch die Goellnitz-Gedichte transportierten gelungen den Titel der Performance. Weitere Termine werden in Kürze auf den Homepages der Autoren und der Culex-Litmedia bekannt gegeben; Blömeke ist außerdem derzeit mit seinem Programm "sprachspuren" unterwegs.






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