LORD OF THE LOST – Die Tomorrow

von blackrose

  • Verlag : Out Of Line
  • Bewertung : 8 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 31.08.2012
  • Spielzeit : 48:21 min
LORD OF THE LOST - Die Tomorrow

LORD OF THE LOST – Die Tomorrow (© Out Of Line)

Die Hamburger Band Lord Of The Lost legt mit “Die Tomorrow” ein neues Studioalbum vor, das gespickt ist mit insgesamt zwölf Songs.
Dabei beweist das Quintett abermals ein Händchen für Melodien, obschon das Songwriting über weite Teile nicht gerade anspruchsvoll ausgefallen ist.

Dies zeigt bereits der Opener “Live Today”.
Ihn als ‘Song’ zu bezeichnen, fällt angesichts der lediglich vier Textbausteine, die ständig wiederholt werden, schwer.
Zwar geben Lord Of The Lost schon jetzt gesanglich alles, was die Band im Repertoire hat – von tiefen Growls bis hin zu melodischem Klargesang ist alles vertreten -, doch für ein Album-Intro zieht sich der auf Dauer langweilige Track zu sehr in die Länge.
Über die damit gebotene Einfallslosigkeit täuscht selbst eine gelungene Melodie nicht hinweg.

Ein wenig besser wird es mit dem Folgesong und gleichzeitigem Titeltrack.
Sehr poppig, allerdings mit vielen elektronischen Finessen und hartem Riffing ausgestattet, birgt “Die Tomorrow” umgehend mitsingbare Passagen, wenngleich sich auch hier in Sachen Komplexität nicht verausgabt wurde.

Marilyn Manson lässt anschließend in “Black Lolita” grüßen, das an Düsternis und Härte einen Zahn zulegt, während sich textlich an gängigen Klischees bedient wird.

Volle Punktzahl verdient hingegen endlich “Blood For Blood”.
Eine markante elektronische Intro-Sequenz leitet in den Song ein, der insbesondere von den vorgetragenen unterschiedlichen Stimmlagen profitiert. So wechselt sich äußerst düsterer Sprechgesang mit melodischem clean Gesang ab.
Höhepunkt ist sicherlich der im Vergleich zum restlichen Song sanft wirkenden Refrain.

Auf gleichbleibend hohem Niveau legt man mit dem Duett “Never Let You Go” nach, der einige ein wenig an die Valo und Avelon Interpretation des Titels “Summer Wine” erinnern könnte.
Die weiblichen Vocals der Blutengel-Sängerin Ulrike Goldmann harmonieren wunderbar mit der ausdrucksstarken und facettenreichen Stimmfarbe von Chris ‘The Lord’ Harms, Frontmann von Lord Of The Lost.
Eine Gothic-Rock-Halbballade, die derart gefühlvoll ist, dass sie wieder und wieder gehört werden möchte.

Mit “Shut Up When You’re Talking To Me” gibt man dann wieder mehr Gas.
Die Refrainstärke der Band wird dabei gleichermaßen untermauert wie die Tatsache, dass man Lord Of The Lost unumstritten heraushört.

“Heart For Sale” setzt das Begonnene in H.I.M.-Manier fort und begeistert – wen wundert es – gerade im Refrain.

Die Fin-Rock-Gefilde verlässt Lord Of The Lost auch mit “From Venus To Mars” nicht, das durch brillante Cembalo-Klänge beginnt.
Eine Nummer, die – wie so viele andere von Lord Of The Lost – vermutlich live riesigen Spaß macht.
Breaks und langsame, in der Instrumentierung reduzierte Momente verleihen dem Titel Abwechslung.

Gänsehaut verursacht die folgende Akustikballade “See You Soon”, bei welcher der Fokus auf der Gesangsstimme und der Melodie liegt. Entsprechend minimalistisch fällt auch hier die Instrumentierung aus. Pure Emotionen, die nicht nur weibliche Herzen berühren dürften. Das Drücken der Repeattaste ist somit sichergestellt.

Der einführende Instrumentalteil in “My Heart Is Black” ist eindeutig zu lang ausgefallen.
Als Einstieg in ein Konzert sicherlich denkbar, auf einem Album wirkt sich diese Machart auf den Hörgenuss aber eher hinderlich aus.
Wahre Highlights bleiben leider und überraschenderweise auf der Spielzeit von ganzen 6:19 Minuten aus, sodass der Song nicht nennenswert, dafür recht monoton dahinplätschert und gleichzeitig den schwächsten Titel auf “Die Tomorrow” darstellt.

“Your Victories” reißt das Ruder rechtzeitig noch einmal herum.
Die dabei erzeugte dunkle Grundstimmung wird perfekt aufrechterhalten und erinnert phasenweise gar an Lordi.
Der eingängig-stampfende Refrain trägt dazu bei, dass “Your Victories” sehr kurzweilig erscheint, was durchaus eine gewisse Radiotauglichkeit mit sich bringt.

Eine Art Kinderlied im Gothic-Style entlässt den Hörer aus “Die Tomorrow”.
Dies ist jedoch nicht unbedingt negativ gemeint, denn “Credo” entpuppt sich als bandeigene Hymne, die mitgegrölt werden will.

Den eher schwachen Anfang von “Die Tomorrow” machen Lord Of The Lost mit den darauf folgenden Gothic Rock Krachern wieder wett, wenngleich die Einfachheit der Songs nicht von der Hand zu weisen ist.
Gesanglich sowie musikalisch bewegen sich Lord Of The Lost auf “Die Tomorrow” erneut in ähnlichen Gefilden wie Manson und H.I.M., während die Band selbst stets wiedererkannt wird.
Abwechslung ist insgesamt gegeben, trotzdem reicht die Songqualität von schwachen Lückenfüllern bis hin zu wahren Hits.
Die Leistung der vorherigen Alben erreicht man auf diese Weise nur bedingt, sodass eine Gesamtwertung von guten 8 Punkten bleibt, die vor allem den eingängigen Melodien zu verdanken ist, die Ohrwurmpotenzial aufweisen.
An der Komplexität des Songwriting sollte man jedoch arbeiten, denn nicht immer lohnt es sich, den bewährten Weg aus Bequemlichkeit weiterzugehen. Höhepunkte in Songs einzubauen, erweist sich oftmals als Glücksgriff.

 

Lord Of The Lost – “Die Tomorrow”

(© Lord Of The Lost)

Trackliste

01 Live Today
02 Die Tomorrow
03 Black Lolita
04 Blood For Blood
05 Never Let You Go (feat. Ulrike Goldmann)
06 Shut Up When You're Talking To Me
07 Heart For Sale
08 From Venus To Mars
09 See You Soon
10 My Heart Is Black
11 Your Victories
12 Credo

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