INES THORN – Die Verbrechen Von Frankfurt 04. Frevlerhand

von blackrose

  • Verlag : rororo
  • Bewertung : 7 von 10 Punkte
  • Format : Buch
  • Veröffentlichung : 01.10.2012
  • Autor : Ines Thorn
  • Seitenzahl : 336
  • ISBN oder ISSN : 978-3-499-25907-4
  • Sprache : Deutsch
INES THORN - Die Verbrechen Von Frankfurt 04. Frevlerhand

INES THORN – Die Verbrechen Von Frankfurt 04. Frevlerhand (© rororo)

“Ein mysteriöser Prediger schlägt die Bürger Frankfurts mit dunklen Reden in seinen Bann. Besorgt sieht die Richterswitwe Gustelies, wie sogar ihre Freundin Jutta zu einer Jüngerin des glutäugigen Fremden wird.
Als plötzlich in der Stadt Tote auftauchen – in offenen Gräbern, gehüllt in weiße Gewänder – gerät der Höllenprediger sofort in Verdacht. Verkündet er nicht stets, die Erde sei in Wahrheit die Hölle?
Wieder einmal muss Gustelies ermitteln – und kommt dem Mörder näher, als ihr lieb ist …”

Dieser Klappentext und die proklamative Feststellung “Wenn die Gräber sich auftun, ist die Hölle nah.” versprechen auch beim vierten Band der “Verbrechen von Frankfurt”-Reihe von Ines Thorn viel Spannung.

“Frevlerhand” heißt das vorliegende Buch, das abermals den historischen Krimis untergeordnet wird.
Schon bald muss der Leser jedoch feststellen, dass Thorn das Potenzial des kriminalistischen Ansatzes zugunsten der Befindlichkeit der Protagonistin Gustelies nicht genügend ausschöpft und die Inhaltsangabe weitaus spannender klingt, als “Frevlerhand” letztendlich ausgefallen ist.

Kennern der Reihe dürfte allerdings gefallen, erneut auf diese lieb gewonnene Hauptfigur zu stoßen. Doch auch hier bleibt Thorn insgesamt zu oberflächlich in ihren Ausführungen.
Durch die konsequente, aber einseitige Darstellungsweise der Figur Gustelies fällt es schwer, Sympathien für diese zu entwickeln.
Ihr präsentierter Missmut, vorrangig begründet durch Einsamkeit und das Altern, spiegelt zwar gelungen die damaligen Probleme verwitweter Frauen wider und passt in den Kontext des frühen 16. Jahrhunderts, schmälert aber – indem es zur zentralen Thematik avanciert – den Gefallen an dem Charakter und verwehrt teils gar den Zugang.

Diese Ausgangsposition, den Leser schon von der ersten Seite an konfrontierend, bildet somit zum einen eine gute Grundlage für ein mögliches Happy End, zum anderen wird “Frevlerhand” dadurch aber zu vorhersehbar und schränkt sich zu sehr ein.

Die Zielgruppe des Romans ist damit aber schnell ausgemacht. Gerade Frauen im besten Alter dürften an “Frevlerhand” Gefallen finden, das als leichte, zügig zu lesende Unterhaltung für zwischendurch hervorragend geeignet ist.
Freunde historischer Krimis kommen hingegen nur bedingt auf ihre Kosten. Zu nebensächlich und unspektakulär reihen sich die Leichenfunde aneinander; von der rasanten Auflösung gegen Ende ganz zu schweigen.

Dies betreffend trägt zudem die wechselnde Sichtweise nicht zum Aufrechthalten des Spannungsbogens bei. Vielmehr bekommt der Leser zu schnell eigene Vermutungen, über die Identität des Mörders. Diesbezügliche Überraschungen oder Wendungen sucht  man leider vergebens.

Für einen historischen Krimi ist “Frevlerhand” – trotz guter Idee – zu fade, für einen historischen Roman schneidet Thorn zu viele Handlungsstränge an, die nur ausreichend ausgearbeitet werden. Daher bleibt alles in allem ein gut zu lesender Roman, der viel zu schnell sein Ende findet, das darüber hinaus kaum jemanden verwundern wird.

(© Jochen Schneider)

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