FREQUENCY DRIFT – Laid To Rest

von Fauna Flokati

  • Verlag : Gentle Art Of Music
  • Bewertung : 10 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 06.07.2012
  • Spielzeit : 69:47 min
FREQUENCY DRIFT - Laid To Rest

FREQUENCY DRIFT – Laid To Rest (© Gentle Art Of Music)

In der schier unendlichen Musiklandschaft hat man manchmal das Glück, auf kleine Perlen zu stoßen, von denen man nie zuvor gehört hat. Allzu oft kommt es nicht vor, dass man als Rezensentin eine völlig unbekannte CD in den Player schiebt und bereits nach den ersten Sekunden unwillkürlich lächeln muss, weil diese so vielversprechend sind, dass man den weiteren Verlauf des Albums kaum erwarten kann. Dass sich dieser Hörgenuss tatsächlich durch das gesamte Album zieht, ist noch seltener.

Besagte Perle nennt sich “…Laid To Rest” und ist das vierte Album der 2007 gegründeten Band Frequency Drift, und diese Formation macht schnell klar, dass es sich nicht um eine kleine Gruppe Musikanten handelt, die ein bisschen vor sich hin musizieren, sondern um talentierte und professionelle Künstler, die tatsächlich Kunstwerke schaffen.
Zudem wird dieser kunstvolle Charakter dadurch verstärkt, dass sich die Band textlich auf das düstere und dramatische Gedicht “Ghasta, Or The Avenging Demon!!!” des schwarzromantischen englischen Dichters Percy Bysshe Shelley bezieht.

Was “…Laid To Rest” ausmacht, ist ein detailverliebter Progressive Rock, der von vielfältigen Instrumenten und unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen getragen wird.

Mit Anjte Auer verfügt die Band zudem über eine Sängerin, deren wunderschöne Stimme sich stimmig in den Gesamtzusammenhang des Albums einbettet und eine harmonische Symbiose mit den Musikinstrumenten eingeht.
Ihr Gesang ist so abwechslungsreich wie das ganze Album. Sie kann nicht nur wunderschön hauchen, sondern hat eine feste, starke Stimme, mit der sie in unterschiedliche Höhen kommt.

Neben einem typischen Rockband-Line-up operiert die Band mit einem Keyboard, mittels dem vielseitige Klangfarben erzeugt werden, und mit extravaganteren Instrumenten wie Harfen, Geigen, Gämshörnern und anderen mittelalterlichen Instrumenten.

Ebenso vielseitig sind auch die unterschiedlichen musikalischen Bezüge, die von Mittelalter über den Orient bis hin zum Blues und Rock reichen.
Zudem ändert sich nicht nur das Tempo immer wieder, sondern ganze Melodieführungen werden in ein und demselben Song so stark abgeändert, dass die Stücke kaum noch zu erkennen sind.
Was einem als Rezensentin hier am schwersten fällt, ist, bei diesem Album seine Vielfältigkeit so in Worte zu fassen, dass dem Leser klar wird, wie sanft und harmonisch all diese Einzelteile miteinander verschmelzen. So durchläuft der Hörer auch unterschiedlichste Stimmungen von Melancholie über Heiterkeit bis hin zu Ekstase oder Bedrohlichkeit.

Ertönen in einem Augenblick noch orientalische Klarinetten und Flöten, hören sich die bluesigen E-Gitarren im nächsten Moment dennoch absolut selbstverständlich an. Und Frequency Drift vermögen es, mit musikalischem Feingefühl auch noch ein Horn- und Harfenduett hinterher zu schicken und die Melodieführung komplett zu verändern, und unwillkürlich hat man, ich sprach von orientalischen Klängen, eine Schlange vor Augen, die in Trance versetzt zu den Tönen tanzt, die so unterschiedlich sind und sich doch so perfekt ergänzen.

Jedes einzelne Stück repräsentiert aufs Neue die gesamte Breite an Instrumenten, Tempowechseln, Gesangstechniken und musikalischen Kulturen und ändert mehrmals seinen Klangcharakter. Kaum verwunderlich ist dabei, dass die Stücke alle zwischen acht und 15 Minuten lang sind.

Mitten in die romantische Mittelalter-Stimmung von “Cold” schleicht sich beispielsweise ein bluesiges Gitarrensolo, und dieses harmoniert nicht nur perfekt mit der übrigen Instrumentierung, sondern endet auch noch abrupt, um einer sehr gesangsbetonten Passage die Führung zu überlassen, die dennoch von einer Vielzahl unterschiedlichster Instrumente begleitet wird, die sich alle im Hintergrund aneinanderreihen und ihre eigenen Motive spielen.

Generell begnügen sich Frequency Drift nicht damit, einzelne Melodien rhythmisch zu begleiten. Stattdessen legen sie oft mehrere völlig unterschiedliche Melodien, alle von unterschiedlichen Instrumenten gespielt, übereinander. Dies mag sich lesen wie die Beschreibung eines einzigen musikalischen Chaos’, ist jedoch unglaublich geschickt in die Songs eingebunden und hat genau das richtige Maß, um nicht unübersichtlich zu klingen.
Ein gutes Beispiel ist eine Passage in “Wish”: Sie beginnt mit einem Gitarrensolo, dem man als Hörer wunderbar folgen kann. Erst allmählich schleichen sich Harfen und Streicher ein, und in dem Moment, in dem alle drei Instrumente ihre eigene Melodieführung durchgesetzt haben, kommt das Stück zur Ruhe und übergibt an einen nur zart begleiteten Gesang.

Die Beispiele enden nicht. Man könnte ewig so weitermachen und den Versuch starten, jedes klangliche Kunststück, das die Band vollbringt, zu verbalisieren.
Ein kleines bisschen blutet einem auch das Herz, wenn man sich für die Beschreibung einiger Beispiele entscheidet und so viele beeindruckende, rührende und wunderschöne Momente des Albums unerwähnt lässt. Man hört “Wish”, hat schon eine Passage erwähnt, die vor fünf Minuten stattgefunden hat, lässt sich von einem dunklen, basslastigen Moment davontragen, erfreut sich dann wiederholt über ein erhabenes Gitarrensolo und trauert den Abschnitten vorher und nachher hinterher, die man nicht schriftlich festhalten kann. Ebenso möchte man am liebsten jede Sekunde des epischen und rockigen “Ice” würdigen.

Aber letztendlich kann man richtig wunderschöne Musik ohnehin nicht in Worte fassen, und so ist die beste Lösung, die man als Rezensentin finden kann, jedem Musikliebhaber, der anspruchsvolle und künstlerische Musik mag, dieses reizende Werk ans Herz zu legen. Allerdings sollte man dieses Album hingebungsvoll und exklusiv hören. Nicht nebenbei, unterwegs oder zwischendurch, denn was hier zählt, sind die Details, und denen gebührt die volle Aufmerksamkeit des Hörers.

(© Frequency Drift)

Trackliste

01 Dead
02 Parted
03 Cold
04 Wish
05 Ice
06 Copper