FIDDLER’S GREEN – Wall Of Folk Tour

von Kiyhuri

  • Datum : 24.08.2012
  • Veranstaltungsort : Halle (Saale), Laternenfest

“Baut stabile Bühnen, die Fiddlers nahen!” heißt es in der Biographie der sechsköpfigen Band FIDDLER’S GREEN, die diese Warnung mit ihrer eine Mischung aus Gute-Laune-Pogo und Tanzwütigkeit verursachenden Musik durchaus zurecht aussprechen. Die Bühne hat dem energiegeladenen Irish Speedfolk der Erlanger am 24.08.2012 auf dem Laternenfest in Halle (Saale) zwar standgehalten – das bedeutet jedoch nicht, dass sie ihr Publikum mit Samthandschuhen angefasst hätten: Mit dem aktuellen Studioalbum “Wall Of Folk” im Gepäck konnten sich sowohl Musiker als auch Fans kurz vor Ende der gleichnamigen Tour noch einmal richtig austoben. Denn wie bereits die aktuellen Pressebilder verraten, besinnen sich FIDDLER’S GREEN zurück auf ihre Wurzeln und knüpfen mit dem für  November und Dezember 2012 geplanten Acoustic Pub Crawl an ihre erfolgreiche Akustik-Tour des vergangenen Jahres an. Bevor es jedoch in intimer Pub-Atmosphäre die bekannten Titel neu zu entdecken gilt, wurden noch einmal alle elektrisch verstärkten Register gezogen.

Zwar dauerte die Umbaupause länger als geplant, sodass die Fiddlers mit deutlicher Verspätung auf die Bühne kamen, doch kann man weder Band noch Crew dafür verurteilen. Schließlich konnte man auf dem Laternenfest vollkommen gratis in den Genuss ihrer Musik kommen und den Tag gelungen ausklingen lassen. Für Fiddlers-Fans, die bisher aus unerfindlichen Gründen keine Gelegenheit hatten, zu einem ihrer Konzerte zu gehen, konnte an jenem Freitag eigentlich keine Ausrede mehr gelten.

Die Show wurde standesgemäß durch den Folkraider eröffnet, der die recht beträchtliche Menge vor der Bühne zum Ausleben bewegungsfreudiger Euphorie animierte. Mit “Wall Of Folk”, “P Stands For Paddy” und “Milk The Damned Cash Cow” stiegen die sechs Musiker anschließend direkt mit gut tanzbaren Titeln des aktuellen Albums ein. Als Stefan im Anschluss seine Bodrhan schulterte, rief Sänger Albi der Sicherheit halber noch einmal zum Mitspringen während des Traditionals “Queen Of Argyll” auf. Da der Rhythmus des Liedes ohnehin diesen Drang verursacht, folgte das Publikum zumindest in den vorderen Reihen brav aufs Wort. Zu “Scolding Wifes” waren dann alle Anti-Ehe-Sympathisanten zur freiwilligen Bekenntnis aufgerufen. “Walking High” und “I’ll Tell Me Ma” sorgten wiederum nicht nur auf der Bühne für Dynamik. Zugegebenermaßen machten es die Hallenser den Fiddlers nicht gerade leicht. Bis auf diejenigen, die extra für das Konzert angereist waren, bestand die Menge vor der Bühne vielleicht größtenteils aus “Laufpublikum”, das sich einen kurzen Eindruck verschaffen wollte, im besten Fall blieb, sich jedoch nicht direkt zum Tanzen, Springen oder Mitsingen hinreißen ließ. Trotzdem animierte die Band konsequent zur Publikumsaktion und büßte nichts von der ihnen eigenen Lebendigkeit ein, die ihren Stil und ihre Performance ausmachen. Richtig schön geflucht wurde zum eingängigen “Victor And His Demons”, welches das aktuellste Video der Band darstellte, das passend zum Titel in schönem Horrorfilm-Setting angelegt wurde. Ziemlich schunkelig wurde es bei “Greens And Fellows”, welches die Band den Fans gewidmet hat. Möglicherweise auch, um die kurze Regenerationsphase auszuweiten, die mit Albis Ballade “Lost To The Moon” fortgesetzt wurde. Dunkel und sehr stimmungsvoll wurde es auf der Bühne, die nur sparsam mit zwei blauen Laternen beleuchtet war, als Geiger Tobi eine eindrucksvolle Mischung aus klassischer Interpretation von Johann Pachelbels Kanon in D-Dur und einer Darbietung seiner Fiddle-Künste anhand typischer Jigs folgen ließ. Diese sind auch nicht unbekannt, finden sie sich doch auf dem Album “Nu Folk” als Bonustrack. Ich muss zugeben, dass sich diese Jigs im Laufe der Zeit neben vielen anderen tollen Titeln als mein absoluter Favorit herausgestellt haben. Die Annäherung an schnellere Rhythmen diente als optimale Vorbereitung für den anschließenden Aufruf zu einer Wall of Folk. Sollte dies jemandem kein Begriff sein: Sie verläuft genau wie eine Wall of Death, nur dass man davon absieht, sich die Köpfe einzuschlagen. Laut Gitarrist und Sänger Pat, der traditionsgemäß die dazugehörige Ansage durchführt, könnten dabei auch gerne “anonyme sexuelle Kontakte vollzogen werden”. Soso – das lassen wir mal unkommentiert stehen. Begleitmusik zum Seitenwechsel bildete die “Rocky Road To Dublin”. Beim Lied selbst kam die Wall of Folk relativ gut zustande, wenn auch bei der Einführung nur sehr verhalten Stellung im Publikum bezogen wurde. Einen Vorgeschmack auf den eingangs erwähnten Acoustic Pub Crawl gab es mit “Star Of The County Down”, welches eindeutig hohes Potential für ausgelassene Folk-Tänze im verrauchten Pub aufweist. Springfreudig ging es mit “Yindy” weiter, für das die Band am 28.08. die Videopremiere ankündigte. Fast schon obligatorisch war das Sauflied “Bottom Of Our Glass” – denn was wäre Irish Speedfolk ohne reichlich fließendes Bier? Ein immer wieder scheiterndes Experiment folgte mit “Days Of Yore”, in dessen Kunstpausen “Schnauze halten” die Devise war. Wie zu erwarten ging das jedoch seitens der Menge kläglich schief. Schnellere Töne, die das Schnauze halten fortführten und zum Tanzen aufforderten, wurden mit “Shut Up And Dance” angeschlagen. “Irish Air” und “The Night Pat Murphy Died” fügten sich gut daran an und bereiteten auf  den “ersten” letzten Titel des Abends vor, der mit “Folk’s Not Dead” eine bleibende Botschaft hinterließ.
Doch was wären Konzerte ohne Zugaben? Nach einer kurzen Pause kehrte Tobi mit einem Instrumental auf die Bühne zurück, auf das der Rausschmeißer “Bugger Off” folgte. Nach kurzer Leere auf den Brettern, die die Welt bedeuten, verabschiedete FIDDLER’S GREEN seine Fans mit dem Traditional “Dirty Old Town” und einer tiefen Verbeugung in die inzwischen ziemlich verregnete Nacht.

Wenn die Stimmung im Publikum auch nicht so enthusiastisch war, wie auf einem Clubkonzert der Fiddlers, hat die Band doch ein weiteres Mal unter Beweis gestellt, dass sie absolutes Potential zum ausgelassenen Feiern hat. Dieses kommt nicht zuletzt durch den unverkennbaren Stil zustande, den sich die sechs Musiker in 22 Jahren Bandgeschichte mit einem guten Mix aus Eigenkompositionen und Traditionals erarbeitet haben. Das am 21.09.2012 erscheinende Live-Akustik-Album stimmt nun auf die zwar intimere, aber nichtsdestotrotz sicher spielfreudige und dynamische Pub-Atmosphären-Tour ein, mit der FIDDLER’S GREEN vermutlich ein weiteres Mal ihrem Leitspruch “Folk’s Not Dead” gerecht werden. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich eine Wall of Folk akustisch umdeuten lässt. :)

(© Fiddlers Green)  

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"Fotografieren ist wie schreiben mit Licht, wie musizieren mit Farbtönen, wie malen mit Zeit und sehen mit Liebe." (Almut Adler) ...und immer passend für den Graben: "Fotografieren ist wie Bogenschießen. Richtig zielen, schnell schießen, abhauen." (Henri Cartier-Bresson)