ENSIFERUM – Unsung Heroes

von Don Peperoni

  • Verlag : Spinefarm Records / Universal
  • Bewertung : 9.5 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 24.08.2012
  • Spielzeit : 61:24 min
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ENSIFERUM – Unsung Heroes (© Spinefarm Records / Universal)

Die Band Ensiferum vorzustellen, ist sicher für die meisten überflüssig, denn kaum eine Band, die dem Pagan Metal zugeschrieben ist, hat einen ähnlich hohen Bekanntheitsgrad.
Für die wenigen, denen Ensiferum dennoch kein Begriff ist, eine kleine Beschreibung:

Die Anfänge der Band, deren Heimat Finnland ist, gehen bis auf das Jahr 1995 zurück. Seit dieser Zeit wurden eine EP, zahlreiche Singleauskopplungen und vier Alben veröffentlicht, die die Fangemeinde um Ensiferum stetig hat wachsen lassen.
Ein Pagan-Fest, dem Ensiferum nicht ihre Livepräsenz zuteilen, wird von vielen sogar schon als ‘nicht vollkommen’ betitelt. Diese Worte beweisen eigentlich schon, dass die Band aus der Pagan-Szene kaum wegzudenken ist.
Neben vielen Bands, die sich auf ein Musikgenre festlegen, haben Ensiferum keine ersichtlichen Grenzen.

Neben Folk, Death und Black Metal beinhaltet der Sound gewöhnlichen Rock, Heavy Metal aber auch mittelalterliche Musik. Hierdurch erlangen die Finnen einen anmutigen Sound, der – im Gegensatz zu der Konkurrenz Finntroll – aber dezenter mit Humppa in Verbindung steht und eher in die ernste Richtung geht.
Darüber hinaus sind viele Chorgesänge in den Sound verstrickt, was ein episches Flair versprüht.
Möglicherweise ist es auch die nicht mögliche Genrezuordnung, die Ensiferum so bekannt gemacht hat.
Um es sich einfach zu machen, kann man Viking Metal angeben, doch allein dieser Begriff hat verschiedene Musikstile im Repertoire.

Nunmehr steht der Silberling “Unsung Heroes” voller Erwartungen in den Startlöchern.
Die Messlatte für diesen Silberling ist verdammt hochgelegt, erreichte die Vorgängerplatte “From Afar” immerhin Platz 25 der deutschen Albumcharts.

Um in Stimmung zu kommen und sich geistig auf die alten Heldengeschichten der Wikinger einzustimmen, leitet sich der Langspieler durch ein episches Intro, das den Namen “Symbols” trägt, ein.

Dem folgt ohne langes Drumherum die erste musikalische Schlacht, die den Krieger ein Stück weiter zu Odins güldenen Hallen bringt. “In My Sword I Trust” besteht aus überwiegend dem Schwarzmetall zugehörigen Riffs, die auch mit dem genretypischen Vocals versehen sind.
Das Pagan-Flair wird durch die für Ensiferum typischen Keyboardsequenzen erreicht und mit mehrstimmigem Herrengesang abgerundet.

Der Titeltrack “Unsung Heroes” hat einen höheren Death Metal Anteil, wartet aber ebenfalls mit etlichen Verschnörkelungen auf, die den Sound als Heldenepos erscheinen lassen.
Hier tauchen auch die Chorgesänge erstmals in Vollkommenheit auf, für die Ensiferum bekannt sind.

“Burning Leaves” kommt etwas gedrosselter durch die Boxen geschallt und beinhaltet sehr viele Folk-Elemente.
Gewöhnliche Rocksoli führen durch den überwiegend maskulinen Klargesang.

Sehr bedächtig geht es mit dem Track “Celestial Bond” weiter, der aus rein akustischem Sound besteht, welcher mit Gitarren, einigen Flöten und sehr dezenten Drums erzeugt wird.
Der weiche, melancholische Frauengesang gibt dem Ganzen eine bezaubernde Harmonie.

“Retribution Shall Be Mine” knüpft musikalisch an den Death Metal der alten Schule an, erlangt aber auch durch einige Keys und den sich zum Growling gesellenden clean Vocals den nötigen Pagan-Touch.

“Star Queen (Celestial Bond Part II)” ist anfangs wie “Celestial Bond” aufgebaut, doch ohne elektrische Gitarren kommt dieser Track nicht aus. Außerdem ist es dieses Mal eine männliche Stimme, die den Song mit Lyrics versorgt.

Der einzige Track in der Landessprache heißt “Pohjola”, was übersetzt schlicht ‘Norden’ bedeutet. Auch hier werden alle epischen Eisen, die Ensiferum aus dem Feuer geholt hat, eingesetzt. Sie lassen dieses Stück zu einem würdigen Soundtrack einer Saga werden.

“Last Breath” entspringt wieder der ruhigeren Kategorie und hat fast schon die Ausstrahlung eines irischen Volksliedes, ohne die hierfür berüchtigten Violinen.

Vollendet wird “Unsung Heroes” durch den Song “Passion Proof Power”, der anfangs aus einer Geräuschkulisse besteht, um später dann zu einem clean gesungenen ‘Epicsong’ zu werden, welcher sowohl männliche als auch weibliche Vocals enthält.
Ab der Hälfte des Songs wird aber auch wieder in der härteren Sangesart agiert, womit beim Rausschmeißer alle Zutaten, mit denen Ensiferum hantieren, noch einmal in Erscheinung treten.
Zum Ausklang des Songs erfolgt ein mittelalterliches Geräuschambiente, dem man sogar deutsche Worte entnehmen kann und der dann durch eine weibliche Arie und Chorgesänge endgültig versiegt.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Ensiferum auch mit dem fünften Langspieler “Unsung Heroes” wieder alle Erwartungen erfüllt haben und die Fangemeinde voll auf ihre Kosten kommt.
Da ich kein Experte der deutschen Albumcharts bin, vermag ich nicht, eine Platzierung vorherzusagen, dennoch sollte dieser Langspieler in keiner Pagan-, Folk- oder Viking Metal-Sammlung fehlen.

(© Terhi Ylimäinen)

Trackliste

01 Symbols
02 In My Sword I Trust
03 Unsung Heroes
04 Burning Leaves
05 Celestial Bond
06 Retribution Shall Be Mine
07 Star Queen (Celestial Bond Part II)
08 Pohjola
09 Last Breath
10 Passion Proof Power

Autor

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das Leben vor dem Tod zu verdammen, wäre demnach auch verkehrt.