![]()
Nach einiger Zeit der Stille meldet sich Johan mit seinem neuen Werk “Procession” eindrucksvoll zurück. Was es genau damit auf sich hat, das verrät uns der Musiker von DESIDERII MARGINIS in den nächsten Zeilen. Dark Ambient Liebhaber sollten mir also folgen.
NecroWeb: Hallo Johan. Herzlichen Glückwunsch zu einer fantastischen Arbeit! Bist du zufrieden mit dem Resultat?
Johan: Ja, es ist immer eine große Befriedigung, ein neues Album zu Ende zu führen – und auch eine große Erleichterung, wenn es fertig ist, freigegeben und gut ankommt. Vor allem, da ich nicht sehr einfallsreich bin, wenn es um das Aufnehmen neuer Songs geht.
NecroWeb: Was war die Inspiration für “Procession”? Existiert ein bestimmtes Konzept?
Johan: Nein, es gibt nicht wirklich ein Konzept … es ist mehr wie Schnappschüsse aus einem alten Bildband, in dem alle Bilder aus den gleichen verblassten Farben genommen wurden. Sie alle gehören zusammen, aber es ist unklar, warum. Es sind die Klänge und daraus resultierenden Gefühle, das ist diesmal das eigentliche Thema des Albums.
NecroWeb: Deine bisherigen Arbeiten haben ja auch Gitarrenaufnahmen enthalten und ich vermisse diese auf dem neuen Album. War diese Entwicklung geplant?
Johan: Geplant eigentlich nicht, aber die Gitarren wurden hier bewusst herausgehalten, weil ich nicht wollte, das ich mich zu sehr wiederhole. Es ist einfach zu stagnieren, und man macht es sich auch einfach, wenn eine Anwendung, die Einem innerhalb der Entstehungsphase passt und andere zu schätzen gelernt haben, immer wieder verwendet – und das ist es dann in der Regel, wenn Bands langweilig werden.
NecroWeb: Das letzte offizielle Album “Seven Sorrows” ist aus dem Jahr 2007. Warum so ein langer Zeitraum? Warst du zwischenzeitlich in anderen musikalischen Projekten beteiligt?
Johan: Nein, nicht so viel zumindest. Ich war für eine Weile einfach nicht so kreativ mit der Musik, wie ich es normalerweise bin, je nachdem, was sich im Leben gerade so abspielt.
NecroWeb: Wie siehst du die Entwicklung von DESIDERII MARGINIS? Willst du mit “Prozession” zurück zu den Wurzeln deines Projektes?
Johan: Das war nicht meine Absicht, aber manche Leute finden schon, das dieses Album mehr Ähnlichkeit mit meinen frühen Arbeiten aufzeigt. Ich weiß nicht so recht – vielleicht ist es aber auch so? Ich denke, die Grundlagen meiner Musik waren schon immer die gleichen, mit einigen Änderungen zwischen den Alben.
NecroWeb: Du hast das Label gewechselt. Warum?
Johan: Ich war nicht wirklich glücklich und optimistisch, wie sich die Situation bei CMI entwickelte. Außerdem stand ich seit einigen Jahren in Kontakt mit Frederic von Cyclic Law und wusste, dass er ein sehr gutes und solides Label am Laufen hat. Es war keine Entscheidung, die ich aus einer Laune heraus umgesetzt habe, aber irgendwann hatte ich es dann gemacht, und es war ein Leichtes für mich auf ihn zu zugehen.. Jetzt bin ich sehr zuversichtlich und glücklich über unsere Zusammenarbeit.
NecroWeb: Wie lange brauchst du um einen Song zu erstellen? Was beeinflusst deine Arbeiten?
Johan: Wie lange, das dauert hängt von verschiedenen Dingen ab, aber alles von ein paar Stunden bis mehrere Tage. Es hängt davon ab, wie gut die Arbeit läuft. Manchmal fügt sich das Lied fast von selbst zusammen und ein anderes Mal muss man Teile der Anordnung wieder verschrotten, und von vorne anfangen. Ich fange dann meistens durch Herumspielen mit einem Geräusch an, wie wenn ein Töpfer ein großes Stück Ton auf dem Rad formt, oder wenn man eine Bildhauerei startet. Dann wird man bald beginnen, zu sehen und hören, wo Potenzial vorhanden ist. Also, ich bin auf einer Art Suche nach dem Song im Sound …
NecroWeb: Magst du nur dunkle Musik oder ist es auch möglich, dass du ein “glückliches” Album erschaffen könntest?
Johan: Ich mag alle Arten von Musik und es ist egal von welcher Stimmung, solange sie gut ist. Aber für mich persönlich ist meine Musik etwas, was ich aus der Not heraus tue, um meine melancholischen Gefühle in irgendeiner Weise zu kanalisieren, wenn ich glücklich, wütend oder aufgeregt bin und andere Dinge mach – eben kreativ auf eine eigene Weise, aber nicht so auf musikalischer Ebene.
NecroWeb: Was denkst du über die Dark Ambient-Szene in Schweden? Stehst du in Kontakt zu anderen Musikern?
Johan: Ja, eigentlich mit mehreren, vor allem mit jenen, die schon lange aktiv sind und mit denen man auf einem gemeinsamen Labels veröffentlicht hat. Schweden ist ein kleines Land und Dark-Ambient ist eine noch kleinere Szene. Es gibt viele gute Bands hier, auch wenn die Live-Szene sehr, zumindest im Vergleich zu den meisten Ländern, beschränkt ist.
NecroWeb: Gibt es Ideen, was den zukünftigen Weg von DESIDERII MARGINIS betrifft?
Johan: Nicht in ferner Zukunft, aber ich glaube auch nicht, dass es notwendig ist, etwas zu planen – ich habe trotzdem viele Ideen, was ich als nächstes zu tun gedenke. Das nächste Album “Hypnosis” ist fast fertig und es ist viel dunkler als “Procession” und weniger Melodiebestimmt.
NecroWeb: Auf zu unseren Schnellschußfragen. Hast du eine musikalische Ausbildung?
Johan: Nein.
NecroWeb: Bist du ein religiöser Mensch?
Johan: Nein, nicht als solcher, aber ich habe viel Spaß daran, über ‘spirituelle’ Angelegenheiten zu diskutieren. Ich denke auch, dass es einen starken Bezug von geistiger Präsenz in der Natur gibt – etwas, das dich fühlen läßt, wo du hingehörst und deine Ruhe findest, und andere höhere Dinge … aber ich würde dies nicht als Religion bezeichnen, weil das nicht organisiert ist oder in eine Möglichkeit formalisiert. Das ist nur meine persönliche Meinung.
NecroWeb: Hörst du auch deine eigene Musik?
Johan: Manchmal. In der Regel nur bis ein neues Album veröffentlicht wird, und dann das Interesse schwindet, weil man es zu oft gehört und sich auf die Details konzentriert hat. Stattdessen gibt es ein Gefühl der Befreiung, des Loslassens …
NecroWeb: Siehst du dich selber als eine Art Skeptiker?
Johan: Ich ziehe es vor, mich als gläubig zu bezeichnen, bis es sich als falsch erweist.
NecroWeb: Dein größter Albtraum?
Johan: Ich bin zu dumm, um Angst zu haben.
NecroWeb: Welche Alben hast du in letzter Zeit konsumiert?
Johan: Es gibt viele Alben, von Künstlern wie Mulm, Therradaemon, Lovac, Max Richter, OTWATM, Loscil, Birch Book, Premonition Factory, Thomas Köner …
NecroWeb: Deine Meinung über die Situation in der EU?
Johan: Niemand scheint zu wissen, was los ist …
NecroWeb: Auf was für Filme stehst du? Gibt es einen Favoriten?
Johan: Da gibt es wirklich viele. Ich mag die meisten Filme von den Cohen-Brüdern, David Lynch, Peter Greenaway, Ingmar Bergman, Guy Ritchie, Kenneth Anger, Kim Ki-Duk (macht viele asiatische Filme, besonders Koreanische), Film Noir, wie Stummfilmzeit-Filme von Fritz Lang. Zu viele um alle zu erwähnen …
NecroWeb: Dein letztes gekauftes Album?
Johan: Oh je, ich erinnere mich kaum. Ich glaube, es war David Lynch ‘Crazy Clown Time’.
NecroWeb: Eine Band, die sehr schlecht klingt?
Johan: Es gibt noch mehr Bands, die vielleicht nicht schlecht klingen, aber sehr wenig Substanz haben … was ich weit schlimmer finde.
NecroWeb: Vielen Dank für dieses Gespräch. Letzte Worte?
Johan: Es war mir ein Vergnügen, danke!
Website
http://www.desideriimarginis.net/
http://www.myspace.com/desiderii
http://www.facebook.com/pages/Desiderii-Marginis/172940436056471
(© Desiderii Marginis, Cyclic Law)










Autor
Nichts ist verachtenswerter als die Respektlosigkeit gegenüber jeglichen Lebens- Pelzträger gehören an den Pranger!