CONSCIENCE – Your Frequency

von Crennas

  • Verlag : Echozone
  • Bewertung : 5.5 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 06.04.2012
  • Spielzeit : 74:48 min
CONSCIENCE  - Your Frequency

CONSCIENCE – Your Frequency (© Echozone)

Manchmal frage ich mich, ob sich Künstler ihre Musik auch kritisch anhören oder zumindest andere ein Urteil abgeben lassen, bevor sie ihre Alben auf CD pressen lassen. Im Falle von Conscience und dem mir vorliegenden Album “Your Frequency” habe ich das Gefühl, dass da entweder niemand mit ein wenig Objektivität vorher reingehört hat, oder dass willentlich in Kauf genommen wurde, dass der verkorkste Gesang Ohrenbluten verursacht.

Was sofort beim Opener “To Stay Invisible” auffällt, ist das Talent des Sängers, wirklich kaum einen einzigen Ton exakt zu treffen. Das, in Kombination mit druckloser und an Desinteresse grenzender Intonation, machen besonders den Gesang auf dem Album teils zur Qual.

Musikalisch bewegen sich Conscience in den vergleichsweise ruhigen Gefilden des Synthie-Pops, härtere Ausflüge finden sich kaum.

Neben tanzbaren Titeln gibt es auch getragene Stücke wie “My Desire”, wobei sich hier der mäßige Gesang besonders negativ auf die Atmosphäre auswirkt. Klar, nicht jeder kann gesanglich klingen wie Seabound oder VNV Nation, aber bitte, wenn es mit der Stimme nicht so weit her ist, dann sollte man das mit dem cleanen Gesang wirklich noch mal überdenken.

Generell zeichnen sich die Titel nicht durch besondere Eigenständigkeit oder großen Wiedererkennungswert aus. Dabei wären Stücke wie “Say This” oder “To Stay Invisible” mit ein wenig mehr eigenem Charakter, mehr Druck bei Drums und Synthis und natürlich mit wesentlichem besserem (oder meinetwegen auch gänzlich ohne) Gesang für Clubs nicht ungeeignet.
Die Melodien und der gelegentliche Einsatz von E-Gitarre (wenn ich das richtig identifiziert habe) machen keinen üblen Eindruck, insgesamt bleibt “Your Frequency” aber weit hinter seinen Möglichkeiten.
“Collecting Memories” könnte ich mir sogar als Radiotitel vorstellen, allerdings nicht in seiner derzeitigen Form. Ein nicht zu aufgeregtes, ruhiges Stück mit netten Synthieinsprengseln, das recht gefällig dahinplätschert.

Dann wären da noch die Remixe. Diesbezüglich sticht der gut gelungene “The Eye-Q-Tribute Remix” von “Say This” heraus, der tatsächlich stellenweise sehr nach dem Trancesound von z.B. Earth Nation vom Eye-Q-Label klingt.
Der Remix von “To Stay Invisible” von The Dark Unspoken stampft clubtauglich daher, greift aber auf den originalen Gesang zurück, was den generell positiven Eindruck schmälert.
Auch der “Event Remix” von “Leaving Us” zielt auf die Tanzfläche, überzeugt aber durch recht verwaschenen Sound und dem uninspirierten Gesang nicht wirklich.

Technisch ist noch jede Menge Luft nach oben. Zwar sind die Arrangements nicht schlecht, aber es fehlt der Biss. Natürlich muss Synthie-Pop nicht so knallen wie härterer Electro, aber knackigere Drums und ab und an ein wenig brillantere Sounds hätten den musikalischen Eindruck wesentlich verbessert.

Dafür, dass Conscience laut Aussage auf der eigenen Website bereits seit 1991 existiert, bin ich vom Sound nicht sonderlich beeindruckt. Ein gewisser klanglicher Retrocharme mag beabsichtigt sein, aber den teils wirklich furchtbaren Gesang entschuldigt das keineswegs. Für Ideenarmut und stimmliche Ohrenfolter vergebe ich 5,5 Punkte. Mehr ist nicht drin.

Conscience – “To Stay Invisible”

(© Conscience)

Trackliste

01 To Stay Invisible
02 Obsession (Album Version)
03 Collecting Memories
04 My Desire
05 Only The Nothing
06 Say This
07 From The Sky
08 Slipping Away
09 You Don´t Fit In
10 Leaving Us
11 Too Far From Here
12 Whatever I Try
13 To Stay Invisible (Remixed by The Dark Unspoken)
14 Leaving Us (Event Remix by Conscience)
15 Obsession (Berserker RMX)
16 Say This (The Eye-Q-Tribute RMX)

Autor

"he kept making all the correct ritual gestures, but he always seemed to be faking. that´s why I liked him, I think. another guy pretending to be human, just like me." "Darkly Dreaming Dexter" by Jeff Lindsay