BIONIC – Meadowland

von Crennas

  • Verlag : Echozone
  • Bewertung : 7 von 10 Punkte
  • Format : CD
  • Veröffentlichung : 13.04.2012
  • Spielzeit : 54:43 min
BIONIC - Meadowland

BIONIC – Meadowland (© Echozone)

Fantasy-Electro – das war mein erster Gedanke, nachdem ich die ersten Tracks von Bionics Album “Meadowland” gehört hatte.
Eher sanfte elektronische Klänge mit halbwegs brauchbaren Gesangspassagen und Gitarrensounds gepaart mit leicht kitschigen Texten über Drachen, Zwerge und Elfen (kein Witz) machen “Meadowland” auf jeden Fall zu einem eher ungewöhnlichen Stück Musik.

Angenehm fällt zunächst auf, dass Bionic einen eigenen musikalischen Stil besitzen, der sich abseits der superfetten Beats und Trancesynthis bewegt. Vielmehr regieren rhythmische Abwechslung und Melodien.

Nach dem instrumentalen Intro “Sword Of Supremacy” geht es mit “Chase Of The Dragon” (hatte ich erwähnt, dass es in den Texten auch um Drachen geht?) weiter. Hier tritt auch gleich ein Manko zutage – der Gesang. Solange es beim Sprechgesang bleibt, ist alles halbwegs in Ordnung, doch die gesanglichen Ausflüge in den späteren Titeln sind teilweise nicht so gut gelungen.

“Mighty Ride” beginnt wirklich sehr nett und erinnert an Intros von Jean-Michel Jarre. Darüber hinaus bietet der Song einen geraden Beat, der auch gut in die Beine geht und durchaus als Clubtitel geeignet ist. Gut, es geht wieder um Drachen, aber sonst ist der Titel nicht übel.

Der Titeltrack “Meadowland” bietet textlich leicht verkitschte Fantasykost, in der die (Achtung, jetzt kommt´s!) bösen Drachen die Menschen, Elfen und Zwerge unterdrücken. Da das Ganze nicht irgendwie sozialkritisch oder anderweitig metaphorisch gemeint scheint, schrammt es hart daran vorbei, unfreiwillig komisch zu sein. Mehr textliche Tiefe hätte übrigens allen Titeln sehr gut zu Gesicht gestanden. Bei einer Band, die schon seit mehr als 17 (!) Jahren existiert, hätte ich mehr Inhalt in den Texten erwartet.

Aber genug gemeckert, insgesamt gehen die Titel musikalisch in Ordnung. Teilweise finden sich auch echt schöne melodische Passagen, hier werden teils akustische, teils elektrische Gitarren eingesetzt, was gut in die Titel integriert ist.

“Eradicate”, ein instrumentales Stück, geht in Richtung Bigbeat, erinnert leicht an The Prodigy und macht mit Filterspielereien und rhythmischen Synthiklängen einen sehr guten Eindruck. Schade, dass es hierbei keine Vocals gibt, das hätte ein echter Hit werden können. So bleibt es ein sehr gelungenes Stück.

Alle Songs bewegen sich eher im gemäßigten Tempo, aggressive oder schnelle Ausreißer gibt es nicht. Freunde des harten Electro sind hier also fehl am Platze.
Musikalisch ähneln sich die Stücke sehr, besonders was den klanglichen Gesamteindruck betrifft.
Die Drums sind eher zurückhaltend abgemischt, insgesamt wirkt das Klangbild leicht verwaschen. Herausstechende oder brillante Klänge finden sich kaum, was schade ist, denn so kann sich kaum ein Titel längerfristig im Ohr festsetzen.
Gesanglich reißen Bionic keine Bäume aus, wirklich misslungen ist der Stimmeinsatz aber nicht. Diesbezüglich wäre aber, ebenso wie bei der Abmischung, deutlich mehr drin gewesen.

Insgesamt bleiben Bionic mit “Meadowland” hinter ihren Möglichkeiten, denke ich zumindest. Nach einer so langen Zeit des Musikmachens sollten genügend Erfahrung und Know-how vorhanden sein, um ein besser produziertes Album und druckvolleren Gesang abzuliefern.
Alles in allem ist es ein gutes Album mit genügend Luft nach oben, um beim Nachfolger noch eine Schuppe, nein, Schippe draufzulegen. Ich bitte um Entschuldigung für die Anspielung auf Drachen und vergebe noch immer gute 7 Punkte.

(© Max Kirchhart)

Trackliste

01 Sword Of Supremacy
02 Chase Of The Dragon
03 Mighty Ride
04 Blossom In The Sun
05 Contamination
06 Control The Earth
07 Knight Of Dignity
08 Meadowland
09 Sore Temptation
10 Eradicate
11 Angel Eyes
12 Shadow Of The Phoenix

Autor

"he kept making all the correct ritual gestures, but he always seemed to be faking. that´s why I liked him, I think. another guy pretending to be human, just like me." "Darkly Dreaming Dexter" by Jeff Lindsay