ANNA PALM – Die Selbstvergessenen
von blackrose
- Verlag : Schwarzkopf & Schwarzkopf
- Bewertung : 9 von 10 Punkte
- Format : Buch
- Veröffentlichung : 01.05.2012
- Autor : Anna Palm
- Seitenzahl : 265
- ISBN oder ISSN : 978-3-86265-138-2
- Sprache : Deutsch

ANNA PALM – Die Selbstvergessenen (© Schwarzkopf & Schwarzkopf)
Seit einiger Zeit findet man unter dem Dach des Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlags auch das Jugendbuchlabel ‘Herzklopfen Fantasy’. Darunter tummeln sich einige vielversprechende Autoren, die sich mit ihren Jugendbüchern auf dem Markt etablieren wollen.
Zu ihnen gehört auch die 17-jährige Anna Palm, die mit “Ellen, Schutzengel – Mit Dem Kopf In Den Wolken Und Den Füßen Im Chaos” bereits ihren ersten Fantasyroman zur ‘Herzklopfen’-Reihe beigesteuert hat und nun mit ihrem Zweitwerk namens “Die Selbstvergessenen”, einem visionären Fantasy-Thriller-Mix für Jugendliche mit dystopischen Zügen, nachlegt.
Damit beweist die junge Autorin, dass ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt sind und sie sich in unterschiedlichen Genres wohlfühlt.
Wie diese Vielschichtigkeit beim Leser ankommt, darüber geben die folgenden Zeilen Aufschluss.
Zunächst einmal klärt der Klappentext des 265 Seiten umfassenden Werkes gelungen über dessen Inhalt auf:
“Die 16-jährige Sofia Wilden hat in ihrem Leben schon einige Dummheiten begangen – das aber bisher nie bedauert. Kein Wunder, dass die Schülerin mit der chronisch großen Klappe entsetzt ist, als ihre überforderte Mutter sie auf ein Internat für Problemkinder verbannt.
Dort ist Sofia nicht nur von ihrer Zwillingsschwester Mila getrennt, sie ist auch das einzige normale Mädchen unter zweihundert wunderschönen, aber seltsam teilnahmslosen Schülern. Schnell rutscht sie in die Außenseiterrolle.
Zu allem Überfluss verliebt sie sich auch noch unsterblich in einen Adonis mit leuchtend grünen Augen. Doch dass er Teil eines hässlichen Spiels ist, das hinter der makellosen Fassade der Schule vor sich geht, versteht sie erst, als es schon beinahe zu spät ist …”
Die Hauptrolle übernimmt also – naheliegend für einen Jugendroman – eine junge, rebellische Protagonistin, in die sich vor allem die Leserinnen durch eine gelungene Ausarbeitung sehr gut hineinversetzen, sich teilweise sogar mit ihr identifizieren können.
Doch auch Jungs kommen bei “Die Selbstvergessenen” auf ihre Kosten, steht doch eine sich anbahnende Liebesgeschichte hier nicht im Mittelpunkt.
Vielmehr sorgen spannende Momente und unvorhersehbare Wendungen für eine mitreißende Atmosphäre, die in teils philosophische, teils ethische Fragestellungen gebettet wird.
Das dabei inhaltlich zum Tragen kommende Fundament aus moralisch-ethischen Fragestellungen bleibt jedoch noch entsprechend oberflächlich.
Sicherlich gehen mit “Die Selbstvergessenen” gut gemeinte Appelle der Autorin an ihre Leser einher, nämlich sich so zu akzeptieren, wie man ist, Schwächen als menschlich zu betrachten, sich gegen Oberflächlichkeiten auszusprechen und sich nicht unterkriegen zu lassen, sondern zu kämpfen, doch die diesbezügliche schriftstellerische Umsetzung weist noch einige Schwächen wie zum Beispiel minimale Logikfehler auf.
Somit liegt der Schwerpunkt eher auf dem Unterhaltungsfaktor als auf der Vermittlung ethischer Verantwortung. Unterhalten fühlt sich der (insbesondere jugendliche) Leser von Palm allerdings auf ganzer Linie.
Die bewährten Zutaten für einen gelungenen Roman verknüpft Palm dabei wie ein ‘alter Hase’.
“Brave New World” meets “Big Brother” und “Die Sims” gesellen sich ebenfalls zum Stelldichein dazu – so könnte man “Die Selbstvergessenen” salopp und vergleichend umschreiben.
Es geben sich Romantik, Action und Spannung die Klinke in die Hand, während Science-Fiction-Elemente auf Fantastik und einen Schuss mögliche Realität treffen.
Dies alles mündet in einem erschütternden und gleichermaßen fesselnden futuristischen Thriller, dem man kaum glauben will, dass er von einer noch so jungen Schriftstellerin stammt, die gerade dabei ist, ihr Abitur zu machen.
Gleichzeitig stellt das junge Alter Palms einen entscheidenden Vorteil für ihr Jugendbuch dar.
Zum einen ist sie nah an den Figuren dran, was sich im Sprachstil der Dialoge, die jugendsprachlich beeinflusst sind, widerspiegelt, zum anderen ist beispielsweise der Schauplatz noch im Erfahrungsbereich der Autorin und ihrer Leserschaft.
Zudem muss man sagen, dass “Die Selbstvergessenen” (sowohl inhaltlich als auch stilistisch) weitaus weniger banal ausfällt, als manch Romantasy-Veröffentlichung etablierter SchriftstellerInnen.
Die Nachwuchsautorin ist daher auf einem richtig guten Weg, ihren Lesern auch weiterhin vielversprechenden Lesestoff zu bieten und durch ihre flexible Kreativität neue Leserschaften zu erschließen.
Es bleiben 9 Punkte für einen unterhaltsamen Jugendroman, der sowohl Teenager beider Geschlechts als auch Erwachsene unterhalten kann und zudem in haptischer sowie optischer Form einiges her macht.
Anna Palm im Interview

(© Nico Klein-Allermann)









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